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08.05.2016

09:32 Uhr

Beerdigung von Margot Honecker

Abschied mit der DDR-Fahne

Die Trauerfeier für die eiserne Lady der DDR, Margot Honecker, ist eine Zeitreise. Kommunisten sind in Chile dabei, die DDR-Fahne ist präsent. Und auch die Internationale wird am Sarg angestimmt.

Unbelehrbar: Zur Beerdigung von Margot Honecker wird noch einmal die Fahne der untergegangenen DDR herausgeholt. AFP; Files; Francois Guillot

Alte Zeiten werden wieder wach

Unbelehrbar: Zur Beerdigung von Margot Honecker wird noch einmal die Fahne der untergegangenen DDR herausgeholt.

Santiago de ChileIn dem Trauersaal ist für 45 Minuten noch einmal die untergegangene DDR sehr präsent. Rund 50 Trauergäste haben sich im Parque del Recuerdo am Rande Santiago de Chiles versammelt. Es ist ein besonderer Friedhof. Weitläufig, mit Bächen und Seen, viel Natur. Der Abschied, der hier begangen wird, ist kein alltäglicher.

Ein Sarg mit der Leiche Margot Honeckers ist aufgebahrt, bedeckt mit einer großen DDR-Fahne und roten Nelken. Zeitlebens hat die Witwe des früheren DDR-Staats- und SED-Parteichefs Erich Honecker die DDR als das bessere System verteidigt. „Ruhe in Frieden, Mama. Wir werden dich vermissen“, sagt Tochter Sonja nach Angaben von Trauergästen.

Journalisten und Fotografen werden von der Zeremonie am Samstag ferngehalten. Die Kommunistische Partei (KP) Chiles gedenkt Honecker mit einem großen Kranz. Im Beisein der Tochter war Margot Honecker im Alter von 89 Jahren am Freitag gestorben, seit 1992 lebte sie im chilenischen Exil. Am Montag soll der Leichnam eingeäschert werden.

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So wie bei ihrem bereits 1994 hier gestorbenen Mann Erich, dessen Urne unbemerkt von der Öffentlichkeit auf dem Zentralfriedhof in Santiago bestattet wurde, wie Enkel Roberto Yañez Honecker 2012 der „Bild“-Zeitung sagte – lange war vermutet worden, dass Margot die Urne zu Hause aufbewahrte. Auch Yañez ist zur Trauerfeier gekommen, genauso wie Chilenen, die nach dem Sturz des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende 1973 in der DDR eine Exil-Heimat fanden.

Anwesende Weggefährten wie der Generalsekretär der KP Chiles, Andrés Lagos, würdigen sie als „Revolutionärin“ und „antifaschistische Kämpferin“. Mit der Gitarre wird am Ende das schlesische Volkslied „In dem Schneegebirge“ aus dem 18. Jahrhundert gespielt, dann wird noch die Internationale intoniert. Es mutet an wie eine Zeitreise.

Im fernen Berlin ist von Trauer und Beileidsbekundungen sehr wenig zu hören. Die Linken-Führung lässt offiziell nichts verlautbaren, dafür umso mehr Opferverbände, die kritisieren, dass sie für ihr Handeln als DDR-Ministerin für Volksbildung (1963-89) nie zur Rechenschaft gezogen worden sei. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen ihrer Verantwortung für Zwangsadoptionen von Kindern, deren Eltern wegen „Republikflucht“ verhaftet worden waren. Das wurde aber eingestellt.

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