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13.02.2013

11:45 Uhr

„Befangen im Fall Schavan“

Forschungsmanager kritisiert Uni Düsseldorf

Annette Schavan hat ihren Doktortitel verloren und ihr Amt niedergelegt. Nun gehen die Verfechter Schavans in die Offensive. Der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft wirft der Uni Versagen vor.

Leerer Stuhl der Bundesbildungsministerin. Nun steht die Uni Düsseldorf in der Kritik. dpa

Leerer Stuhl der Bundesbildungsministerin. Nun steht die Uni Düsseldorf in der Kritik.

MünchenNach der Aberkennung des Doktortitels und dem Rücktritt von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hält die Kritik am Vorgehen der Universität Düsseldorf an. Die zuständige Philosophische Fakultät sei in dem Fall „zutiefst befangen“ gewesen und hätte das Verfahren abgeben müssen, schrieb der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, am Mittwoch in einem Beitrag in der „Süddeutschen Zeitung“. „Das hat sie aber ganz offensichtlich nicht begriffen, oder sie hat es begriffen, und sie hatte nur Angst um ihren Ruf.“

Winnacker warf der Fakultät vor, sie habe es sich sehr einfach gemacht und „ihre Verantwortung in vollem Umfang an das schwächste Glied in der Reihe, nämlich die damals 25-jährige Kandidatin, weitergegeben“. Stattdessen hätte sie sich fragen müssen, „warum man nicht selbst vor gut dreißig Jahren die Arbeit gelesen und die angeblichen Fehler beim Zitieren bemängelt und korrigiert hat“. Im Fall Schavan gehe es nicht um echte Plagiate, wo ganze Textteile abgeschrieben seien, sondern um Fragen des Zitiergebarens, schrieb Winnacker weiter.

Der Forschungsmanager forderte einen Systemwechsel im Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten: Der starre Abgleich mit Zitierregel-Heftchen oder elektronische Textvergleiche seien nur geeignet, eine „Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens“ im Wissenschaftsbetrieb zu schaffen. Notwendig sei eine unabhängige Clearingstelle, die beim Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten eingeschaltet werden könne. Eine solche könnte nach Ansicht Winnackers bei der Wissenschaftsakademie Leopoldina in Halle angesiedelt sein.

Die Uni Düsseldorf hatte am vergangenen Dienstag Schavan wegen Plagiaten in ihrer Doktorarbeit „Person und Gewissen“ den Titel aberkannt. Die Ministerin war daraufhin am Wochenende zurückgetreten, zu ihrer Nachfolgerin soll am Donnerstag die bisherige niedersächsische Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ernannt werden. Gegen die Aberkennung ihres akademischen Grades will Schavan klagen.

Von

afp

Kommentare (9)

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KORRUPTUS

13.02.2013, 13:06 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

ickes39

13.02.2013, 14:26 Uhr

Was will der Mann damit sagen?
Weil die Uni damals geschlampt hat, könne man den zu Unrecht verliehenen Doktorhut jetzt nicht mehr kassieren? Eine merkwürdige Denke!

Kecke

13.02.2013, 17:56 Uhr

Der Fall Schavan zeigt doch nur, wie wenig die Öffentlichkeit begriffen hat, worum es bei einer Doktorarbeit eigentlich geht. Diese muss einen innovativen Charakter oder wenigstens innovative Ansätze haben. Ist dieser Fall, wird sie als solche der Fakultät zur Annahme empfohlen. Falsches oder ungenaues Zitieren, zumal in seiner Häufigkeit, kann und muss die Qualität einer Diss. zwar erheblich einschränken. Eine Aussage über ihre wissenschaftliche Qualität lässt sich daraus aber nicht ableiten. Es stellt sich doch die Frage, wie es um diese Qualitäten von Frau Schavans Arbeit bestellt ist.
Stellen wir uns doch einmal das Gegenteil vor, eine Arbeit, in der makellos zitiert wird. Doch ihr Innovationsgehalt tendierte gegen Null. In dieser ließen sich eben nicht mit Hilfe diverser Programme Mängel nachweisen. Sie würde auch wohl die heutigen Kontrollmechanismen der diversen Plags gut passieren. Nein, es bedarf eines wissenschaftlichen Gremiums, das die besagte Arbeit auf Grund der damaligen Forschungslage in der Erziehungswissenschaft ebenso würdigt wie die formalen Mängel. Wer dies nicht versteht, weil er es sich gern einfacher vorstellen und machen will, sollte sich etwas mehr zurückhalten. Altem Unrecht ist nicht neues Unrecht hinzuzufügen.

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