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12.03.2013

09:32 Uhr

Beispiel Bosch

Kinder und Karriere – geht doch!

VonDietmar Neuerer

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird nicht in jeder Firma gelebt. Die Politik will das ändern, notfalls per Gesetz. Dabei ist Zwang nicht unbedingt nötig, wie das Beispiel eines Großunternehmens zeigt.

Ein Betriebskindergarten macht Unternehmen familienfreundlich. dpa

Ein Betriebskindergarten macht Unternehmen familienfreundlich.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät heute mit Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft über familienfreundliche Arbeitszeiten in Unternehmen und die Errichtung von mehr Betriebskindergärten. In mehreren Foren werden bei dem Treffen gute Beispiele aus der Praxis von kleineren, mittleren und auch großen Unternehmen diskutiert.

Merkel wird nicht lange überlegen müssen bei der Frage, welches Unternehmen sie für besonders vorbildlich hält. Sie selbst hat im vergangenen Jahr den schwäbischen Technikkonzern Bosch zu Deutschlands familienfreundlichstem Unternehmen gekürt.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

In der Kategorie „große Unternehmen“ mit mehr als 1.000 Beschäftigten ging Bosch damals als Gesamtsieger hervor. Insgesamt mehr als 530 Unternehmen hatten sich bei dem Wettbewerb „Erfolgsfaktor Familie 2012“ beworben. 42 schafften es in die Endrunde, darunter Airbus, Deutsche Telekom, DZ Bank, Henkel, Tchibo oder Vodafone.

Doch auch wenn Großkonzerne inzwischen versuchen, mit gezielten Programmen Kinder und Karriere gleichzeitig zu ermöglichen, herrscht noch viel Unsicherheit bei dem Thema – auf beiden Seiten. Es braucht einen Kulturwandel, meint Martin Sonnenschein von der Unternehmensberatung A.T. Kearney. „Wir müssen das Paradigma umdrehen“, sagt er. „Elternschaft ist eine Karrierechance.“

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

Bosch ist auch hier ein Hoffnungsträger für Familien. Der Konzern versucht nun, genau den von Unternehmensberater Sonnenschein angesprochenen Kulturwandel in neuen Leitlinien umzusetzen. Bosch-Mitarbeiter können sich seit Ende 2012 Zeit mit der Familie als Karrierebaustein anrechnen lassen, um die nächste Hierarchiestufe zu erreichen. Auf diese Weise wird Elternzeit zum Beispiel Auslandsaufenthalten von Managern gleichgesetzt. Bosch wolle „familiäre Verpflichtungen genauso wertschätzen wie das berufliche Engagement“, sagte Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel am Montag. In der Politik kommt das gut an.

Kommentare (8)

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12.03.2013, 10:27 Uhr

Kinder und Familie gehts doch! Weiß ich, weil meine Eltern uach uns Kinder hatten und auch viele Verwandte und Freunde. Was ist so neu daran? Was ist so schwierig daran? Aber wenn man für alles mit Gesetzen regeln will bzw. muß, dann ist hierzulande ernsthaft etwas nicht in Ordnung!

Account gelöscht!

12.03.2013, 10:44 Uhr

Ist das HB eigentlich ein Wirtschaftmagazin oder ein Lifestyle-Magazin für die "grüne" Selbstverwirklichung?
Wovon wird gerade abgelenkt, daß solche Softthemen überwiegen, anstatt harter Wirtschaftsartikel?

Wenn schon ablenken, warum reden wir nicht übers Klima (aka Wetter), mir fehlt die wöchentlich Gehirnwäsche zu diesem Thema. Außerdem kann man darüber immer einen guten Smalltalk machen, insbesondere heute.

Ich wundere mich schon, daß man heute keinen "Piep" darüber von Euch hört. Während es im Dezember große Schlagzeilen machte, daß es "Schnee mitten im Winter" gab, schneit es heute Mitte März in meiner Gegend und er bleibt zentimeterhoch liegen - was es in den 20 Jahren, die ich dort wohne noch nie gab (die Hälfte der Winter blieb gar kein Schnee liegen).

Auch wenn sich der Gute heute mißverstanden fühlt, das waren die Prognosen im Jahr 2000:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/winter-ade-nie-wieder-schnee-a-71456.html

Meier

12.03.2013, 10:55 Uhr

Wenn Bosch die Möglichkeiten bietet, kann sich meine Frau dafür nichts kaufen. Als sie nach der Elternzeit ihre Arbeitszeit reduzierte, war das ihr "Todesurteil", ihr Arbeitgeber war in der Folge nicht mehr bereit zu einer - wie auch immer gearteten - Aufstockung.
Im Teilzeit- und Befristungsgesetz fehlt einfach die Vorschrift die Arbeitszeit wieder aufstocken zu können.
Freiwillige Regelungen fände ich auch besser, nur in der Praxis kann man sie nicht einfordern bzw. einklagen.

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