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29.10.2013

13:58 Uhr

Beitragssatz

Rentenbeitrag könnte um 0,6 Prozentpunkte sinken

Nach einer Vorausberechnung könnte der Rentenbeitrag im nächsten Jahr fallen. Denn die gut gefüllten Rentenkassen geben das her. Auch Rentner würden von der Beitragssenkung profitieren.

Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund: Senkung des Beitragssatzes möglich. dpa

Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund: Senkung des Beitragssatzes möglich.

WürzburgIn der Rentenversicherung könnte der Beitragssatz im kommenden Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1993 fallen und damit die Beitragszahler um etwa sechs Milliarden Euro entlasten. Angesichts einer Rekordrücklage von voraussichtlich 31 Milliarden Euro könne der Beitrag auf 18,3 von 18,9 Prozent des Bruttolohns sinken, teilte die Deutsche Rentenversicherung Bund am Dienstag in Würzburg mit.

Ob er aber tatsächlich sinkt, ist fraglich. In den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD gibt es Überlegungen, den gesetzlich vorgegebenen Automatismus für eine Beitragssenkung auszuhebeln. Zudem will die Union Mütterrenten aufstocken, was die Rentenkasse mit etwa 6,5 Milliarden Euro zusätzlich belasten und damit den Spielraum für eine Beitragssenkung deutlich einschränken würde.

Eine Senkung um 0,6 Prozentpunkte würde die Beitragszahler – also Arbeitnehmer und Arbeitgeber – um zusammen etwa sechs Milliarden Euro im Jahr entlasten. Ein Durchschnittsverdiener hätte im Jahr etwa 90 Euro mehr in der Tasche. Der Bund würde nach Berechnungen der Rentenversicherung um fast 1,5 Milliarden Euro entlastet. Auch die Anhebung der Renten würde – mit einem Jahr Verspätung – im Jahr 2015 um knapp 0,8 Prozentpunkte höher ausfallen, weil die Nettolöhne durch niedrigere Beiträge steigen würden.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Alexander Gunkel, zeigte sich bei der Vorhersage äußerst zurückhaltend: Es fehlten noch belastbare Zahlen über die für die Rentenanpassung wichtige Lohnentwicklung. Diese Angabe sei erst Ende März zu erwarten.

Derzeit liege der vorläufige Wert der Lohnrate bei plus 2,3 Prozent. Dieser Wert werde aber erfahrungsgemäß noch korrigiert. Er wolle vermeiden, dass die Prognose als „Versprechen“ aufgefasst werde, das sich dann nicht einhalten lasse. Am 1. Juli waren die Renten im Westen um 0,25 Prozent angehoben worden, im Osten um 3,29 Prozent.

Der Beitragssatz war bereits in den vergangenen zwei Jahren in zwei Schritten gesunken, von 19,9 Prozent im Jahr 2011 auf 18,9 Prozent in diesem Jahr. Dennoch erwartet die Rentenversicherung für 2013 einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro, der ihre Rücklagen auf rund 31 Milliarden Euro anwachsen ließe. Das entspräche dem 1,75-Fachen einer Monatsausgabe. Ermöglicht wird dies durch die hohe Zahl von rund 29 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dadurch stiegen die Beitragseinnahmen stärker als erwartet.

Nach geltendem Recht muss der Beitragssatz gesenkt werden, wenn die Rücklage das 1,5-Fache einer Monatsausgabe übersteigt. Bliebe der Leistungsumfang der Rentenversicherung unverändert, müsste der Beitragsatz nach deren Berechnungen erst 2018 auf dann 18,8 Prozent wieder anhoben werden. Niedriger als 18,3 Prozent war der Beitrag zuletzt 1993. Damals betrug er 17,5 Prozent, um im Jahr darauf auf 19,2 Prozent zu springen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fürchtet jedoch, dass der Beitrag konstant gehalten werden könnte. „Die Sozialpolitiker in Berlin liebäugeln mit der Idee, man könne den Beitragssatz konstant halten, um die überlaufenden Rücklagen zum Beispiel zur Finanzierung einer zusätzlichen Mütterrente, einer abschlagsfreien Frühverrentung oder einer Zuschussrente einzusetzen“, schreibt das IW in einer Mitteilung. „Gelackmeiert wären allerdings die Beitragszahler, denn ihnen würde gleich in beide Taschen gegriffen: Zum einen wird den Arbeitnehmern und Arbeitgebern eine fällige Entlastung vorenthalten.“

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

29.10.2013, 12:37 Uhr

Besser wäre es, die Rente wieder zu erhöhen, statt kurzfristig mit den Beiträgen zu jonglieren!

Freidenker

29.10.2013, 12:49 Uhr

Die Renten könnten um 1000 Euro steigen, wenn die verkommenen Parteienplünderer nicht immer ihr Volk auspressen würden und sich die schwer erarbeitetenden Steuergelder nicht selber einverleiben würden!! sich damit Grund und Boden aneigenen würden!

[...]


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Freidenker

29.10.2013, 12:51 Uhr

Von dieser lächerlichen Senkung der Beiträge profitiert eh nur wieder die Besserverdienenden!

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