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13.04.2006

15:37 Uhr

Benzinpreis

Tiefensee ruft Autofahrer zum Widerstand auf

Der Benzinpreis ist kurz vor dem Osterfest erneut auf ein Jahreshoch gestiegen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee attackierte daher die Ölkonzerne scharf, warf ihnen Preistreiberei vor. Zudem rief er alle Autofahrer zum Widerstand auf.

Der Benzinpreis kletterte vor Ostern auf einen Rekordstand 2006. Foto. dpa

Der Benzinpreis kletterte vor Ostern auf einen Rekordstand 2006. Foto. dpa

HB BERLIN. "Autofahren in Deutschland muss bezahlbar bleiben - dafür tragen die Ölkonzerne die Verantwortung mit", erklärte Tiefensee in der "Bild"-Zeitung. Autofahrer sollten "sich das Abkassieren an der Zapfsäule nicht gefallen lassen". Der SPD-Minister forderte alle Autofahrer zum Widerstand auf. "Wer da tankt, wo der Liter Benzin ein oder zwei Cent billiger ist, durchkreuzt die Preistreiberei", sagte er.

"Die Preisrunde der vergangenen Woche Woche mit rund vier Cent ist nicht mit dem Anstieg der Ölpreise zu erklären", schimpfte Tiefensee außerdem. "Es ist doch immer das gleiche Spiel. Pünktlich zur Reisezeit, egal ob Sommerferien, Weihnachten oder Ostern drehen sie an der Preisschraube." Er könne absolut verstehen, wenn die Bürger darüber "stocksauer" seien. Selbst sei er allerdings gegen die Politik der Ölmultis machtlos, gesteht der Verkehrsminister ein. "Die Politik kann die Preise nicht regulieren - und solange keine illegalen Absprachen der Konzerne nachweisbar sind, können wir nicht eingreifen."

Der Benzinpreis stieg kurz vor dem Osterfest erneut auf ein Jahreshoch. Im Bundesschnitt wurden für einen Liter Super 1,34 Euro fällig, wie der Hamburger Fachdienst EID am Donnerstag mitteilte. Das ist ein Cent mehr als der bisherige Höchststand vom Wochenbeginn. Auch der Dieselpreis liegt mit über 1,14 Euro auf dem höchsten Stand in diesem Jahr. Die Ölkonzerne begründen ihr Vorgehen mit dem rasant ansteigenden Ölpreis. Im Computerhandel an der New Yorker Rohstoffbörse wurde ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl für 68,05 Dollar gehandelt.

Der verkehrspolitische Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Gerd Lottsiepen, kritisierte ebenfalls die Ölkonzerne. Ein Grund für die steigenden Benzinpreise sei zwar, dass die USA zurzeit so knapp mit eigenen Raffineriekapazitäten wie lange nicht mehr seien und viel Benzin in Europa kauften, sagte er. Doch dies allein rechtfertige nicht die hohen Preise vor Ostern. „Denn andererseits ist in Deutschland die Benzinnachfrage deutlich gesunken, danach könnte man eigentlich erwarten, dass auch die Preise zurückgehen.“

„Der Staat ist der eigentliche Preistreiber“

Der MWV-Hauptgeschäftsführer wies die Kritik zurück und verwies unter anderem auf die Mineralölsteuer: „Der Staat ist der eigentliche Preistreiber.“ In den vergangen Wochen sind nach Darstellung Picards die Preise für Benzin und Diesel in Rotterdam um 30 Prozent gestiegen. Amerikanische Unternehmen hätten massiv in Europa eingekauft und dadurch zur Verteuerung beigetragen. Zudem sei der Rohölpreis im gleichen Zeitraum um 14 Prozent gestiegen. Ein Sprecher des Marktführers in Deutschland, Aral, verwies ebenfalls auf die hohen Beschaffungspreise. „Da bleibt kein Handlungsspielraum.“ Exxon-Mobil-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann sagte, nicht nur die großen Mineralölkonzerne, sondern auch freie Tankstellen hätten die Preise erhöht.

Offenbar reagieren die deutschen Autofahrer inzwischen auf das hohe Preisniveau: Der Benzinabsatz ist im März nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) um 9,1 Prozent auf 1,83 Millionen Tonnen eingebrochen. Im ersten Quartal des Jahres fiel der Absatz um 6,3 Prozent auf 5,23 Millionen Tonnen. Der Absatz von billigerem Diesel stieg im März um 4 Prozent.

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