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12.01.2013

09:45 Uhr

BER-Debakel

Dem Aufsichtsrat fehlt jeder Sachverstand

Die Geschäftsführung beim Berliner Großflughafen hat versagt – und die Aufsichtsräte haben nichts bemerkt. Nun soll ein Politiker einen Politiker an der Spitze des Kontrollgremiums ablösen. Das sorgt für Ärger.

Stabwechsel: Klaus Wowereit überlässt Matthias Platzeck den Aufsichtsratsvorsitz. dapd

Stabwechsel: Klaus Wowereit überlässt Matthias Platzeck den Aufsichtsratsvorsitz.

BerrlinDie Rochade soll in der nächsten Aufsichtsratssitzung vollzogen werden. Dann tritt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit als Chefkontrolleur der Flughafen-Gesellschaft zurück ins zweite Glied und überlässt den Posten Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, der selbst seit 2003 im Gremium sitzt. Politiker ersetzt Politiker.

Dabei werden die Rufe nach mehr Expertise im Aufsichtsrat lauter. Vor allem FDP-Politiker wenden sich gegen Platzecks Beförderung. „Aktive Politiker sind mit solchen Aufgaben eigentlich immer überfordert“, wird der FDP-Obmann im Haushaltsausschuss des Bundestags, Jürgen Koppelin, zitiert. Er schlägt den CDU-Politiker Klaus Töpfer als Aufsichtsratschef vor. „Er hat sich schon als Umzugsbeauftragter der Bundesregierung in einer ähnlichen Aufgabe sehr bewährt.“

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle fordert ebenfalls einen personellen Neuanfang: „Der Berliner Flughafen braucht jetzt einen Feuerwehrmann wie Red Adair“, sagte Brüderle dem „Handelsblatt“. Dem Airport helfe nur noch ein Macher von außen mit Sachverstand und schnellem Organisationsvermögen. Und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagt bei „Welt Online“, dass es klüger wäre, wenn „ein fachlich ausgewiesener Unabhängiger die Aufgabe übernehmen würde. Ein unabhängiger Fachmann hätte nicht nur mehr Autorität nach innen und nach außen, sondern vor allem die notwendige Zeit für die intensive Begleitung und Beaufsichtigung hochkomplexer Bauvorhaben.

Der Rat der Ahnungslosen

Klaus Wowereit

Regierender Bürgermeister von Berlin
Vorsitzender des Aufsichtsrates
Beruf: Jurist

Vertreter des Landes Berlin

Michael Zehden
Geschäftsführer
A-Z Hotelmanagement und Beratungs-GmbH & Co.KG
Beruf: Kaufmann

Frank Henkel
Senator
Senatsverwaltung für Inneres und Sport
Beruf: Diplom-Kaufmann

Margaretha Sudhof
Staatssekretärin
Senatsverwaltung für Finanzen
Beruf: Juristin

Vertreter des Landes Brandenburg

Matthias Platzeck
Ministerpräsident
Landesregierung Brandenburg
Beruf: Diplom-Ingenieur, Jurist

Ralf Christoffers
Minister
Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg
Beruf: Schiffsbauer, Diplom-Gesellschaftswissenschaftler

Helmuth Markov
Minister
Ministerium für Finanzen des Landes Brandenburg
Beruf: Diplom-Ingenieur

Günther Troppmann
Ex-Vorstandsvorsitzender
Deutsche Kreditbank AG
Beruf: Bankmanager

Vertreter der Bundesrepublik Deutschland

Rainer Bomba
Staatssekretär
Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung
Beruf: Maschinenbau-Ingenieur

Werner Gatzer
Staatssekretär
Bundesministerium der Finanzen
Beruf: Jurist

Arbeitnehmervertreter

Holger Rößler
Gewerkschaftssekretär Verdi Bezirk Berlin

Peter Lindner
Betriebsrat Berliner Flughafengesellschaft (BFG) und Flughafen Tegel

Claudia Heinrich
Betriebsrat Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg

Franziska Hammermeister
BFG Abteilung Projekte und EDV

Sven Munsonius
Betriebsrat BFG

Denn bislang fehlt unternehmerischer Sachverstand in der illustren Runde von Ministerpräsidenten, Ministern und Senatoren aus Berlin und Brandenburg, die das Gremium seit Jahren prägen. Die Riege besteht vor allem aus Spitzenpolitikern, die weder Bauexpertise noch Kenntnisse der Luftfahrt vorweisen können. Allenfalls Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov hat als Ex-Geschäftsführer wenigstens unternehmerische Erfahrung. Thematisch überfordert sind auch die Arbeitnehmervertreter: Als gute Mitarbeiter werden sie beschrieben, für die Kontrolle eines solchen Milliardenprojekts haben sie aber nichts Wesentliches vorzuweisen und beizusteuern gehabt.

Dieser Rat der Ahnungslosen sollte nach Auffassung von Kennern dringend umstrukturiert werden. „Wir brauchen Experten“, sagte Michael Knipper, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, dem Handelsblatt. Und auch Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, fordert mehr Fachleute in Aufsichtsräten von öffentlichen Großprojekten. „Ich spreche Politikern schlicht die Kenntnis darüber ab, wie Großbauprojekte durchzuführen und zu kontrollieren sind“, sagte er. „Hier muss man wirklich eine Kehrtwende vornehmen.“

Aufsichtsräte im Kreuzfeuer

Video: Aufsichtsräte im Kreuzfeuer

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Die Inbetriebnahme des Flughafens war zu Monatsbeginn zum vierten Mal seit dem Baustart im Jahr 2006 vorschoben worden. Ein neuer Termin ist nicht in Sicht. Berlin und Brandenburg halten jeweils 37 Prozent an der Flughafengesellschaft, der Bund ist mit 26 Prozent Minderheitsgesellschafter.

Völlig offen ist derzeit, wann der mit starken Baumängeln behaftete Flughafen in Berlin-Schönefeld eröffnet werden kann und welche Mehrkosten das zur Folge haben wird. Zuletzt hatte die Flughafen-Gesellschaft angegeben, dass die Kosten bei einer Eröffnung im Herbst 2013 um 1,2 Milliarden auf mehr als 4,3 Milliarden Euro steigen würden. Diese Schätzung sind mit der neuerlichen Verschiebung hinfällig.

Berliner Flughafen-Gesellschaft: Bund lässt Platzeck-Frage noch offen

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Bund lässt Platzeck-Frage noch offen

Der Bund signalisiert keine Zustimmung für Platzeck als Kontrolleur.

Den weiteren Bau wird wohl trotz aller Kritik Platzeck als Chefkontrolleur begleiten . Am Montag stellt der Ministerpräsident dem Parlament in Brandenburg zwar die Vertrauensfrage, doch die rot-rote Koalition in Potsdam hat sich bereits positioniert: Sie steht zu ihrem Regierungschef.

Am Mittwoch trifft sich dann der Aufsichtsrat. Dann könnten die acht der insgesamt 15 Aufsichtsratsmitglieder aus den beiden Ländern Berlin und Brandenburg Platzeck mit ihrer Mehrheit durchsetzen. Und sie scheinen dazu entschlossen: So erklärten die Anteilseigner bereits, sie wollten gemeinsam „das Flughafenprojekt erfolgreich zu Ende bringen“.

Kommentare (5)

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Vicario

12.01.2013, 10:52 Uhr

Nun soll ein Politiker einen Politiker an der Spitze des Kontrollgremiums ablösen.

Damit die Vertuschung auch richtig funktioniert in dem dilettantischen, korrumpirten Sozi-Klüngel..!

zottlschach

12.01.2013, 11:14 Uhr

Natürlich ist der Aufsichtsrat größtenteils fehlbesetzt. Die Verantwortlichen haben in der Regel nicht die Zeit um sich um solch komplexe Aufgaben zu kümmern. Dazu fehlt noch Fachwissen.

Viel zu wenig wird diskutiert warum die Misere entstanden ist. Die Geschäftsführung hat versagt. Ist der oberste Geschäftsführer immer noch im Amt? Stimmt es, dass er während der Bauphase seine Doktorarbeit geschrieben hat?

Account gelöscht!

12.01.2013, 11:21 Uhr

Der Rat der Ahnungslosen ! Ja, wir brauchen jetzt einen kompetenten und erfolgreicher Macher. Vor allem muß der sich explizit mit der Technik einer Abrissbirne auskennen. Alles andere ist nur noch rausgeworfenes Steuergeld.

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