Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2013

08:26 Uhr

BER

Platzeck soll nur Übergangs-Chef werden

Matthias Platzeck (SPD) soll den Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft nur vorübergehend führen. Darauf haben sich nach Informationen des „Focus“ die Flughafen-Gesellschafter geeinigt.

Nach Medienberichten vom vergangenen Mittwoch gibt es von Seiten des Bundesfinanzministeriums Vorbehalte gegen die Berufung von Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Berliner Flughafengesellschaft. dapd

Nach Medienberichten vom vergangenen Mittwoch gibt es von Seiten des Bundesfinanzministeriums Vorbehalte gegen die Berufung von Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Berliner Flughafengesellschaft.

BerlinBrandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) soll nach einem „Focus“-Bericht den Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft nur vorübergehend führen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins haben sich die Gesellschafter - also der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg - verständigt, diskret nach einem erfahrenen Experten zu suchen. Dieser solle die Kontrolldefizite an der Spitze des Aufsichtsrates dann schnell aufarbeiten, hieß es.

Zuletzt war der Widerstand gegen die Berufung Platzecks gewachsen. Sowohl der Bund als auch Koalitionspolitiker hatten sich für einen ausgewiesenen Fachmann ausgesprochen.

In der kommenden Woche soll jedoch zunächst Platzeck das Amt vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) übernehmen. Dieser hatte den Posten nach neuen Verzögerungen auf der Skandal-Baustelle abgegeben und muss sich am Samstag einem Misstrauensantrag der Opposition stellen.

Die Gesellschafter nehmen dem Bericht zufolge die Flughafengesellschaft auch finanziell enger an die Kandare, obwohl diese von akuten Liquiditätsengpässen bedroht ist. Anstatt der avisierten Finanzhilfen von 325 Millionen Euro hätten sie am Freitag nur 191,6 Millionen Euro überwiesen. Die drei Gesellschafter wollten nach ihrem Treffen bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Mittelausgaben des Großflughafens viel stärker kontrollieren, schreibt das Magazin.

Der Rat der Ahnungslosen

Klaus Wowereit

Regierender Bürgermeister von Berlin
Vorsitzender des Aufsichtsrates
Beruf: Jurist

Vertreter des Landes Berlin

Michael Zehden
Geschäftsführer
A-Z Hotelmanagement und Beratungs-GmbH & Co.KG
Beruf: Kaufmann

Frank Henkel
Senator
Senatsverwaltung für Inneres und Sport
Beruf: Diplom-Kaufmann

Margaretha Sudhof
Staatssekretärin
Senatsverwaltung für Finanzen
Beruf: Juristin

Vertreter des Landes Brandenburg

Matthias Platzeck
Ministerpräsident
Landesregierung Brandenburg
Beruf: Diplom-Ingenieur, Jurist

Ralf Christoffers
Minister
Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg
Beruf: Schiffsbauer, Diplom-Gesellschaftswissenschaftler

Helmuth Markov
Minister
Ministerium für Finanzen des Landes Brandenburg
Beruf: Diplom-Ingenieur

Günther Troppmann
Ex-Vorstandsvorsitzender
Deutsche Kreditbank AG
Beruf: Bankmanager

Vertreter der Bundesrepublik Deutschland

Rainer Bomba
Staatssekretär
Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung
Beruf: Maschinenbau-Ingenieur

Werner Gatzer
Staatssekretär
Bundesministerium der Finanzen
Beruf: Jurist

Arbeitnehmervertreter

Holger Rößler
Gewerkschaftssekretär Verdi Bezirk Berlin

Peter Lindner
Betriebsrat Berliner Flughafengesellschaft (BFG) und Flughafen Tegel

Claudia Heinrich
Betriebsrat Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg

Franziska Hammermeister
BFG Abteilung Projekte und EDV

Sven Munsonius
Betriebsrat BFG

Der wegen der verschobenen Eröffnung nötige Parallelbetrieb des alten Flughafens Berlin-Tegel könnte dem Bericht zufolge bis zum nächstmöglichen Termin für die Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens weitere 120 Millionen Euro verschlingen. Nächstmöglicher Termin ist demnach der Beginn des Sommerflugplans im Mai 2014. Hinzu kommen laut „Focus“ noch Mehrkosten für die am Flughafen zuständige Bundespolizei und die Airport-Sicherheitsdienste.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.01.2013, 09:00 Uhr

Ob Bürgermeister, Aufsichtsratsvorsitzender oder Bundeskanzler, in dem Bereich ist das Arbeitsprofil gleich. Man muss nicht wissen wie ein Projekt entwickelt wird, wie ein Kindergarten funktioniert oder wer was in einer Forschungseinrichtung forscht. Man muss in der Lage sein, seinen Arbeitsbereich auf Funktion bzw. Missmanagement kontrollieren zu können. Vor allem, muss man das Zeitmanagement beherrschen um Zwischenergebnisse prüfen zu können. Für das Fachwissen hat man seine Leute.

Da bekanntlich Fehler von Ebene zu Ebene gern unterm Tisch fallen gelassen werden, sind Basiskontrollen als Stichprobe unerlässlich. Und hier liegt das eigentliche Problem. Viele aus dem oberen Management sind sich zu schade mit einer einfachen Führungskraft zu sprechen und werden dann plötzlich, von kaum lösbaren Problemen überrascht.

Deshalb sind auch gute Manger / Politiker, Produkt- / Ministerienübergreifend austauschbar.

Wowereit war nicht in der Lage, seine Arbeit als Aufsichtsratsvorsitzender angemessen zu erfüllen. Man kann deshalb durchaus seine Inkompetenz auf sein Bürgermeisteramt übertragen. Oder seine Aufgabe als Bürgermeister hat ihn so in Anspruch genommen, dass er für das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender schlicht überfordert war. So etwas nennt man Selbstüberschätzung. Die Gier nach einer zusätzlichen Vergütung will ich mal nicht unterstellen.

Eigentlich kann er nur zurücktreten, wenn er nicht das Amt des Politikers schwer beschädigen will. Erst recht im Wahlkampf, Da wird seine Inkompetenz auf seine Partei übertragen werden.

Er kann sich dann später wieder zu Wahl aufstellen lassen. Wähler sind ja so vergesslich.^^

Platzeck als Ersatz ist Zeitverschwendung. Er wir kaum die Fehler offenlegen und damit seinen Parteigenossen ans Bein pinkeln. Einfach, vermutlich ohne Begründung Gelder zurückhalten ist genauso kontraproduktiv. Vermutlich wird es das Fußvolk treffen, die …, die ihre Arbeit gemacht haben und kaum die Verantwortlichen.

Account gelöscht!

12.01.2013, 09:00 Uhr

Dann noch einen nächstmöglichen Eröffnungstermin nennen zu können bedeutet eigentlich, dass alle Fehler bekannt sind.

Ich sehe, es läuft in gewohnter Qualität weiter.^^

Mazi

12.01.2013, 20:34 Uhr

Ihrem Beitrag stimme ich grundsätzlich zu, frage mich aber bei welchem Betrag ein Aufsichtsrat die Konsequenzen ziehen muss?

Wollen wir das Thema nicht verkomplizieren. Platzeck hat doch auch keine besseren Qualitäten als Wowereit. Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender hatte er doch die gleichen Informationen wie Wowereit auch und hätte die Bremse ziehen müssen.

Hat er aber nicht. Ich glaube auch nicht, dass er nun Wowereit den Pelz wäscht. Was kann dann seine Aufgabe überhaupt sein?

Seine Aufgabe kann nur sein, weiterhin zu vertuschen!

Es geht um zuviel Bürgergeld als dass man hier großzügig zur Tagesordnung gehen könnte. Schließlich geht es hier um größere Beträge als alle "Schweizer Steuer-CDs" zusammen einbringen.

Wir erinnern uns an das Schauspiel "Zumwinkel" und die Fotografen, die schon die Lichtverhältnisse vor Ort ausgemessen hatten, bevor die Steuerfahndung überhaupt erschien.

Es ist nicht mehr eine "Ecke in Deutschland", die aus dem Ruder läuft. Es sind zu viele und mitten drin stehen unsere Politiker.

Am Rande möchte ich noch auf den Fall "Mollath" hinweisen. Ein ganz anderer Fall, aber er zeigt, dass Politiker, Staatsanwaltschaften und Gerichte alle am gleichen Strang ziehen. Aber auf gleicher Seite gegen das Volk!

Wer steigt in den Ring und räumt auf?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×