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09.10.2012

10:38 Uhr

Berechnungen der Netzagentur

Stromkunden müssen mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen

Steigende Strompreise seien kaum vermeidbar, erklärt die Bundesnetzagentur. Investitionen in Stromleitungen lässt die Ökostromumlage um 50 Prozent steigen. Ein Vier-Personen-Haushalt muss 2013 bis zu 50 Euro mehr zahlen.

Investitionen in das Stromnetz treiben die Ökostromumlage nach oben. dpa

Investitionen in das Stromnetz treiben die Ökostromumlage nach oben.

MünchenStromkunden in Deutschland müssen im nächsten Jahr mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen. „Die Ökostromumlage wird für 2013 wohl über fünf Cent liegen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, der „Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag. Nach 3,6 Cent in diesem Jahr wäre das ein Anstieg von rund 50 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden würde dies zusätzliche Kosten von mehr als 50 Euro jährlich bedeuten.

Doch ist die Umlage nicht der einzige Preistreiber. „Auch die Netzentgelte werden in Zukunft höher ausfallen, denn wir müssen in Stromleitungen investieren", kündigte Homann an. Mehr grüner Strom, mehr konventionelle Reserven und mehr Netze seien nicht zum Nulltarif zu haben.

Die Probleme bei der Versorgungssicherheit nach der Energiewende hält Homann noch nicht für gelöst. „Die Gefahr eines Engpasses besteht", sagte er der Zeitung. Vor allem in Süddeutschland könnten in Extremsituationen Kraftwerke fehlen. Deshalb habe die Bundesnetzagentur die Kaltreserve für Notsituationen von 1.600 Megawatt im vergangenen Winter auf gut 2.000 Megawatt erhöht - auch mit Hilfe von Kraftwerken in Österreich. "Wir sind ziemlich sicher, dass wir den Bedarf decken können", sagte der Netzagenturchef.

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Sie gelten als der Platz, an dem der Preis für Strom ausgehandelt wird: Die Strombörsen in Leipzig, Oslo und Paris. Die Energiewende hat das Geschäft beschleunigt. Verbraucher spüren davon wenig, bisher jedenfalls.

Sorgen bereiten dem Chef der Aufsichtsbehörde allerdings Pläne der Stromkonzerne, in den kommenden Jahren unrentable Kraftwerke stillzulegen. Ausgerechnet im ohnehin unter Kraftwerksmangel leidenden Süddeutschland zeichne sich ein weiterer Rückgang der Kapazitäten um 1.700 Megawatt ab. Das zwinge die Netzagentur zum vorsorglichen Handeln. Homann betonte, in zwei bis drei Jahren müssten Pläne für neue Kraftwerke auf den Weg gebracht werden.

Nach Plänen der Bundesregierung soll die Bundesnetzagentur künftig auch direkt in den Strommarkt eingreifen und „systemrelevante" Kraftwerke in Notsituationen unter staatliche Aufsicht stellen können. Laut Homann treibt die Behörde diese Vorbereitungen derzeit voran. „Die Netzbetreiber haben uns inzwischen eine Liste von 51 Gaskraftwerken erstellt, die sie für systemrelevant halten. Diese sollten möglichst nicht abgeschaltet werden", sagte er der „Süddeutschen Zeitung". Es sei auch möglich, dass noch andere Kraftwerkstypen dazukommen.

Höhere Netzentgelte treiben Strompreis nach oben

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Gut ein Drittel machen Energiebeschaffung und Vertrieb aus, heißt es im Monitoringbericht 2011 der Bundesnetzagentur. Die Steuern liegen derzeit bei 25 Prozent, hinzu kommen die Umlage des Erneuerbare-Energie-Gesetzes und weitere staatliche Abgaben (zusammen 16 Prozent). Das Netto-Netzentgelt macht 21 Prozent aus, plus Kosten für Abrechnung und Messungen (3 Prozent). Im Jahr 2011 kostete eine Kilowattstunde den Haushaltskunden 25,45 Cent, knapp zwei Cent mehr als ein Jahr zuvor. 2006 lag der Preis noch bei 18,93 Cent.

Was genau sind denn Netzentgelte?

Hinter dem Begriff Netzentgelte verbergen sich die Kosten für den Transport und die Verteilung des Stroms. Die für die Genehmigung zuständige Bundesnetzagentur geht in den jetzt bekanntgewordenen Hochrechnungen davon aus, dass sie in den kommenden Jahren um 16 bis 24 Prozent steigen werden. Hauptursache ist der teure Ausbau der Netze, um sie besser auf den Transport von Strom aus erneuerbaren Energieb auszurichten. Die Netzentgelte machen zusammengenommen heute bereits rund ein Viertel des Strompreises aus. Sie werden von den Verbrauchern beziehungsweise den Stromlieferanten an die Netzbetreiber gezahlt.

Kann man sich von den Netzentgelten befreien lassen?

Seit August gilt die neue Stromnetzentgeltverordnung. Paragraf 19 befreit Unternehmen mit einem hohen Verbrauch fast komplett von den Netzgebühren - und das rückwirkend für das laufende Jahr. Unternehmen, die mindestens 7000 Stunden pro Jahr am Netz hängen und mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen, müssen gar keine Netzentgelte mehr zahlen. Ab einem Stromverbrauch von 100 000 Kilowattstunden pro Jahr sinken die Netzkosten bereits so deutlich, dass tausende Unternehmen nicht wie die Verbraucher den vollen Preis zahlen müssen. Mehr als 1600 Unternehmen - darunter auch aus dem Lebensmittelhandel, Hotels und Gaststätten - haben laut Bundesnetzagentur bereits einen Antrag auf Ermäßigung gestellt. Die Behörde erwartet, dass die Rabatte zusammengerechnet mehr als 400 Millionen Euro ausmachen werden. Der Betrag wird auf alle übrigen Stromkunden umgelegt.

Warum gibt es diese Rabattangebote?

Dass die deutsche Industrie international wettbewerbsfähig sein müsse, sei völlig klar, meint Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Dass aber nun auch Hotels und Gaststätten davon profitieren, könne er nicht nachvollziehen. Da sei im vergangenen Jahr etwas „völlig aus dem Ruder gelaufen“.

Kann man sich durch langfristige Verträge schützen?

Das komme auf das Kleingedruckte im Vertrag an, sagt Sieverding. Allgemein rät er, sich zu informieren und gegebenenfalls den Anbieter zu wechseln. Nicht alle gäben solche Preisentwicklungen sofort an die Kunden weiter.

Im vergangenen Winter hatte das deutsche Energieversorgungssystem angesichts einer mehrwöchigen extremen Kältewelle an seiner Leistungsgrenze gearbeitet. Nur durch das Anzapfen auch ausländischer Kraftwerke und -netze konnte die Sicherheit der Versorgung nach Angaben der Netzbetreiber gewährleistet werden.

Kommentare (27)

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Account gelöscht!

09.10.2012, 09:04 Uhr

In ganz Europa habe ich nirgendwo solch horrende Strompreise gesehen wie in D. Wie kann das sein? Woanders in der EU haben auch alle ihren Strom. Ich hoffe der Bürger rechnet bald mit dieser gesamten politischen Landschaft gleich welcher Farbe in diesem Land ab!! Was hier passiert ist Lug, Betrug, Abzocke übelster Art am Volk.

HofmannM

09.10.2012, 09:22 Uhr

Diese Bundestagsparteine begehen mit Ihrer "Energiewende" "Euroschuldenländerrettung" "menschengemachtes CO2 Angstlügenmärchen" "Abschaltung der zukunftsweisenden Kernkraftwerkstechnik" und der "Green Economy" einen Verrat am deutschen Verstands und Vernunftsmenschen! Den ganzen Wohlstand, denn diese Verstands- und Vernunftsgeneration nach dem 2. Weltkrieg aufgebaut hat, macht ein politischer ökosozialistische Einheitsbrei in Berlin zu nichte. Die Ethik und der Glaube ersetzen keinen Volkswohlstand auf Basis von wirtschaftlicher und technischer Vernunft und Verstand! Das sollten Sie dies Marionetten im Berliner Bundestag mal hinter die Ohren schreiben!

vandale

09.10.2012, 09:24 Uhr

Der Satz..Investitionen in Stromleitungen lässt die Ökostromumlage um 50 Prozent steigen..ist falsch. Die EEG Umlage erfasst nicht die Kosten des Netzausbaus gleichwohl beides Kosten sind die durch die "Erneuerbaren Energien" verursacht sind. Aktuell werden die Kosten der Kapazitätsbereitstellung den Kraftwerksbetreibern aufgedrückt. Ich gehe davon aus, dass dies nicht dauerhaft möglich sein wird und diese Kosten künftig gleichfalls in den Strompreis einfliessen.

Die im Artikel genannten Kosten je Haushalt sind gleichfalls falsch als einerseits einige Kosten nicht erfasst sind und man auch nicht ausser Acht lassen kann, dass die Stromkosten des Gwerbes, vom Solarstudio bis hin zur S-Bahn, dem Verbraucher belastet werden.

Ein ökologischer Glaube hat eben seinen Preis.

Vandale
Vandale

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