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03.06.2015

08:49 Uhr

Berlin-Besuch von Ägyptens Präsident Al-Sisi

Der Milliardenkoffer des Pharao

VonMathias Brüggmann

Was wir vom Berlin-Besuch des ägyptischen Präsidenten erwarten können? Die deutsche Wirtschaft hofft auf Mega-Deals, Menschenrechtler werfen dem Nil-Staat schwere Vergehen vor. Vier harte Fakten zum unbeliebten Besucher.

Ägyptens Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sisi ist heute in Berlin. dpa

Unerwünschter Besuch

Ägyptens Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sisi ist heute in Berlin.

BerlinSein Besuch in Deutschland war lange unerwünscht, und erst als Ägyptens Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sisi dem Münchner Elektroriesen Siemens einen Milliarden-Auftrag in Aussicht stellte, lud die Bundesregierung Kairos neuen Pharao zum Staatsbesuch nach Berlin. Mit dabei: Der zehn Milliarden Euro schwere Auftrag, den Siemens-Chef Joe Kaeser bei al-Sisis Staatsvisite endgültig unterzeichnen will an diesem Mittwoch.

Der Multi-Milliarden Deal umfasst den Bau eines 4,4 Gigawatt Stromkapazität umfassendes neues Gas-Kraftwerk in Beni Suef in Oberägypten, die Errichtung von Windparks zur Gewinnung von zwei Gigawatt Strom sowie die Planung für Kraftwerkskonzepte für weitere 6,6 Gigawatt und zehn Umspannstationen.

Fakt 1: Es geht um sehr viel Geld – nicht nur für Siemens

Die deutsche Wirtschaft will vom Aufbruch am Nil profitieren. Das Land, das al-Sisi nach dem faktischen Militärputsch gegen den gewählten, der Moslembruderschaft entstammenden Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 beherrscht, will in den nächsten Jahren Megaprojekte für 60 Milliarden Dollar umsetzen. Das Geld kommt von den großzügigen Golf-Staaten, allen voran Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die das Militärregime massiv unterstützen. Dabei geht es auch um eine zweite Fahrrinne für den weltberühmten Suez-Kanal sowie den Bau einer nagelneuen Hauptstadt in der Wüste zwischen Kairo und dem Kanal.

Profitieren davon dürften auf deutscher Seite Anbieter von Kraftwerkstechnologie, von Solar- und Windkraftanlagen, von Wartungsdienstleistungen von Kraftwerken und auch Umrüster, die die Kraftwerksbefeuerung von teurem Diesel auf billige Kohle umstellen sollen. Denn laut Rainer Herret, dem Chef der deutsch-arabischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Kairo, „wird die Lösung der Energieknappheit in der ägyptischen Wirtschaftspolitik vorrangig betrieben“. Auch Zulieferer und Planer für die angedachten Projekte im Infrastrukturausbau – Hafenanlagen, Eisenbahn, Logistikzentren, urbane Planung – dürften am Ende zu Vertragsabschlüssen mit den neuen, alten Herren am Nil kommen.

Doch andere deutsche Firmen dürften das Nachsehen haben: „Vor allem Exporteure von Maschinen und Anlagen und von Investitionsgütern sehen mit Sorge die andauernde Knappheit von Devisen“, sagte Herret dem Handelsblatt. Kairos Kassen sind leer, Devisen für Importe bekommen nur Ausgewählte, die Folge: Die deutschen Ausfuhren in den ersten drei Monaten diesen Jahres blieben 10,5 Prozent hinter dem Vorjahresvergleichszeitraum zurück.

Kommentare (11)

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Sergio Puntila

03.06.2015, 09:42 Uhr

Der die Reissleine zog...

Herr Edmund Stoiber

03.06.2015, 09:43 Uhr

Herzlich Willkommen in D, Herr Präsident!

Herr Ragin Allraun

03.06.2015, 10:01 Uhr

Was für ein Pharao ? Dümmliche Schlagzeile !

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