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04.01.2010

17:49 Uhr

Berlin

Grüne und Linke machen sich Hoffnung auf Bürgermeisteramt

VonBarbara Gillmann

In der Hauptstadt liegen mit Ausnahme der FDP alle Parteien um die 20 Prozent. Damit zeichnet sich in Berlin das ab, was in den nächsten Jahrzehnten womöglich weiten Teilen der Republik bevorsteht: Die einst stolzen Volksparteien SPD und CDU sinken in der Wählergunst – und müssen nun auf Augenhöhe konkurrieren.

Für Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geht es bei der Landtagswahl im Sommer 2011 um alles. Quelle: dpa

Für Berlins regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geht es bei der Landtagswahl im Sommer 2011 um alles.

BERLIN. Damit scheint nicht mehr ausgeschlossen, dass 2011 eine Grüne oder ein Linkspolitiker den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aus dem Amt jagt. Seit Monaten pendeln SPD, CDU, Grüne und Linke in Umfragen um die 20-Prozent-Marke. Es war Gregor Gysi, der kurz vor Heiligabend daraus öffentlich Nägel mit Köpfen machte: „Wir haben den Anspruch, den Regierenden Bürgermeister zu stellen“, verkündete Gysi mit Blick auf die Abgeordnetenhauswahl 2011.

Der beste Kandidat sei Wirtschaftssenator Harald Wolf, empfahl Gysi. Das ärgerte zwar manche im Landesverband, ist aber schlüssig: Der pragmatische Wolf übernahm 2002 das Amt, das Gysi nicht mehr wollte, und gilt schon lange als politisches Schwergewicht im Senat. Der gebürtige Hesse ist einer der beliebtesten Politiker der Stadt – mitunter noch vor Wowereit. Wolf soll auch dafür sorgen, dass die Linkspartei erstmals aus einer Regierung heraus ihr Wahlergebnis verbessert.

Das Klima in Berlins rot-roter Koalition hat Gysis Vorstoß nicht verbessert. Schon länger ärgert sich die Hauptstadt-SPD über den „Populismus“ ihres lange Jahre äußerst zahmen Juniorpartners. Punkte machte Wolf unlängst mit dem Vorstoß, die Wasser- und Gasbetriebe wieder in den Besitz der Stadt zurückzuholen und sogar einen eigenen Stromversorger aufzubauen. Die SPD läuft nur noch hinterher.

Für Wowereit geht es um alles

Was den Linksaußen recht ist, ist den Grünen billig: Sie liebäugeln schon länger mit einer Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Stemmen soll das Renate Künast. Die bundesweit bekannte und beliebte frühere Bundesministerin für Verbraucherschutz machte Jahrzehnte Politik in Berlin, handelte die Bildung des rot-grünen Senats mit aus und war Fraktionschefin. Laut Forsa trauen 60 Prozent der Berliner Künast eine erfolgreiche Kandidatur zu – das gilt selbst für eine Mehrheit der CDU- und FDP-Anhänger. Schon allein die Kandidatur für den Chefposten „hätte eine ganz eigene Strahlkraft“, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland: „Der Anspruch wäre motivierend.“

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