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05.11.2014

20:00 Uhr

Berlin

Razzia bei mutmaßlichen IS-Unterstützern

Ein IS-Gräuelvideo zeigt angeblich den deutschen Islamisten und Ex-Rapper Denis Cuspert. Während die Behörden die Authentizität des Films prüfen, hat die Berliner Polizei Wohnungen mutmaßlicher IS-Anhänger durchsucht.

Der Screenshot eines auf Twitter veröffentlichten Fotos zeigt den früheren Berliner Rapper und Radikalislamisten Denis Cuspert (alias Deso Dogg bzw. Abu Talha al-Almani). Cuspert ist in einem mutmaßlichen Enthauptungsvideo der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu sehen. dpa

Der Screenshot eines auf Twitter veröffentlichten Fotos zeigt den früheren Berliner Rapper und Radikalislamisten Denis Cuspert (alias Deso Dogg bzw. Abu Talha al-Almani). Cuspert ist in einem mutmaßlichen Enthauptungsvideo der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu sehen.

Berlin Die Polizei hat in Berlin die Wohnungen mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz IS durchsucht und Ferngläser, Nachtsichtgeräte sowie weitere Beweismittel beschlagnahmt. Gegen vier Türken zwischen 28 und 37 Jahren werde wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ermittelt, teilten die Ermittler am Mittwoch mit. Ihnen werde vorgeworfen, erhebliche Vermögenswerte für den Kampf der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gesammelt zu haben. Die Verdächtigen sind laut Polizei aber auf freiem Fuß.

Die Sicherheitsbehörden werten auch ein Internet-Video aus, das den deutschen Islamisten Denis Cuspert zusammen mit anderen IS-Kämpfern bei der Tötung mehrerer Männer zeigen soll. Eine Sprecherin des Berliner Verfassungsschutzes sagte, Sicherheitsbehörden des Bundes und des Landes prüften im gemeinsamen Internetzentrum, ob das Video authentisch und aktuell sei. Das Video war am Dienstagabend im Internet aufgetaucht. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte: „Dieses Video fügt sich ein in die Gefährdungsbewertung, die wir haben.“ Der Generalbundesanwalt gab keine Stellungnahme ab.

Zu sehen ist, wie mindestens ein Mann erschossen und ein weiterer enthauptet wird. Insgesamt sind drei Tote erkennbar. Ein Mann, bei dem es sich um den früheren Rapper „Deso Dogg“ Cuspert handeln könnte, hält für einen Augenblick einen abgeschnittenen Kopf in der Hand. Es ist jedoch nicht zu erkennen, ob er selbst tötete. Das Video wurde von Aktivisten aus Ostsyrien verbreitet, die über Bürgerkriegsverbrechen berichten. Cuspert soll nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in den engeren Frühungskreis des Islamischen Staates (IS) aufgestiegen sein.

In Stuttgart begann am Mittwoch ein weiterer Terrorprozess wegen Mitgliedschaft und Unterstützung des IS. Zwei Brüder im Alter von 24 und 34 Jahren sowie ein 38-jähriger Mitangeklagter müssen sich deswegen vor dem Oberlandesgericht verantworten. Ein weiterer Prozess wegen IS-Mitgliedschaft läuft bereits gegen einen 20-Jährigen in Frankfurt.

Islamischer Staat: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

Der Stuttgarter Hauptangeklagte wurde laut Anklage Mitte 2013 in Syrien zwei Monate militärisch ausgebildet und absolvierte Wachdienste. Zudem soll er bei Aleppo gegen Truppen des Machthabers Baschar al-Assad beteiligt gewesen sein. Die beiden Mitangeklagten sollen bei der Beschaffung von Ausrüstung geholfen haben.

Der Hauptangeklagte begründete zum Prozessauftakt seinen Einsatz für den IS mit der Geschichte seiner Familie, die vom syrischen Regime verfolgt worden sei. Ein Bruder sei bei einem Raketenangriff durch syrische Truppen im Libanon umgekommen, seine Oma in syrischer Haft vergewaltigt worden. „Meine Familie war stark traumatisiert“, sagte der Sohn einer Syrerin und eines Libanesen, dessen Familie Anfang der 90er Jahre nach Deutschland kam. Zu klären ist für das Gericht noch, ob es sich bei der Terrorgruppe nicht etwa um „Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar“ (JMA) gehandelt hat, die erst Ende 2013 im IS aufgegangen ist.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

06.11.2014, 07:36 Uhr

Wurden die Räume vom Islamunterstützer Gauck auch untersucht?

Herr Peter Spiegel

06.11.2014, 09:51 Uhr

Wulf nicht vergessen.

Herr Jens Muche

06.11.2014, 12:00 Uhr

Ich hoffe sehr, daß die staatlich Verantwortlichen, einschließlich der zuständigen Politiker, endlich den Knall gehört haben und die Anhänger dieser Mörderbande unter Druck setzen, sie nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Sollten sich Beweise finden, sind sämtliche gesetzlichen Möglichkeiten am oberen Rand auszuschöpfen und nach absitzen der Strafe die sofortige Abschiebung zu veranlassen. Wir haben schon genug eigene Staatsgefährder im Land, zugewanderte brauchen wir nicht. Hoffentlich begreifen die deutschen Islamversteher endlich, wem sie da hinterherlaufen.

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