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16.01.2015

18:25 Uhr

Berlin und Dresden – auch wegen Pegida

Behörden fürchten Anschläge auf Bahnhöfe

Den Sicherheitsbehörden liegen Meldungen vor, in denen die Hauptbahnhöfe in Berlin und Dresden als mutmaßliche Anschlagsziele genannt werden. Auch die Pegida-Demonstrationen gelten als gefährdet.

Offenbar ist der Berliner Hauptbahnhof ins Fadenkreuz des islamistischen Extremismus geraten. dpa

Offenbar ist der Berliner Hauptbahnhof ins Fadenkreuz des islamistischen Extremismus geraten.

BerlinDie Sicherheitsbehörden haben Hinweise auf islamistische Anschläge auf die Hauptbahnhöfe in Berlin und Dresden erhalten. Entsprechende Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" bestätigten Sicherheitskreise am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Aus einer Quelle hieß es zudem, auch die wöchentlichen Pegida-Demonstrationen gälten als gefährdet. Extremisten gehe es heute um Anschläge ohne großen Aufwand, ohne lange Vorbereitungszeit und unter größtmöglicher Aufmerksamkeit, hieß es in den Kreisen.

Der „Spiegel“ berichtete, mehrere ausländische Nachrichtendienste hätten übereinstimmende Meldungen an die deutschen Behörden weitergeleitet, in denen die Bahnhöfe in Berlin und Dresden als mutmaßliche Anschlagsziele genannt würden. Die Dienste hätten auch Kommunikationsinhalte internationaler Dschihadisten abgefangen. Diese hätten Anschläge auf die Aufmärsche der islamkritischen Pegida-Bewegung diskutiert. „Wir nehmen diese Hinweise sehr ernst“, zitiert das Magazin einen hochrangigen Sicherheitsbeamten. Die Polizeipräsenz an den Bahnhöfen in Großstädten sei verstärkt worden.

Die Islamisten-Szene in Deutschland

Terrorgefahr in Deutschland

Nach Einschätzung der Bundesregierung verändert das Pariser Attentat nicht die Bedrohungslage in Deutschland. Die Terrorgefahr gilt nach wie vor als „abstrakt hoch“. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne haben die deutschen Sicherheitsbehörden nicht. Sie betonen aber immer wieder, dass es keinen absoluten Schutz vor Terror geben könne - vor allem vor möglichen Angriffen fanatischer Einzeltäter. Bislang gab es nur einen islamistischen Anschlag auf deutschem Boden: Im März 2011 tötete ein Kosovo-Albaner am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten. Mehrere andere Attentate wurden bislang verhindert oder schlugen fehl.

Islamistische Szene in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43 000 Menschen zur islamistischen Szene. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Dschihadisten

Mehr als 550 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Etwa 180 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon - etwa 30 Personen - ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Gefährliche Islamisten

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

Überwachung von Islamisten

Im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum in Berlin tauschen Polizei und Nachrichtendienste Informationen über auffällige Islamisten aus. Mit dabei sind 40 Behörden aus Bund und Ländern. Sie setzen sich mindestens einmal am Tag zusammen. Islamistische „Gefährder“ und kampferprobte Syrien-Rückkehrer haben Polizei und Geheimdienste besonders im Blick. Eine Komplettüberwachung ist aber kaum möglich. Um einen gefährlichen Islamisten rund um die Uhr zu observieren, sind mehrere Teams von Beamten nötig. Je nach Gefährlichkeit gibt es daher abgestufte Varianten der Beobachtung. Dass dies nur begrenzten Schutz liefern kann, zeigt auch der Fall Paris: Die beiden gesuchten Tatverdächtigen waren nach Angaben von Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve überwacht worden. Auf einen bevorstehenden Terrorakt habe es allerdings keinerlei Hinweise gegeben.

Das Bundesinnenministerium wollte die Meldungen aus Sicherheitskreisen weder bestätigen noch dementieren. Die Behörden erhielten nach den Anschlägen von Paris eine Vielzahl von Hinweisen aus unterschiedlichen Richtungen. Darunter seien belastbare und weniger belastbare. Alle Hinweise würden sorgfältig bewertet. Ernstzunehmenden Anhaltspunkten werde mit Hochdruck nachgegangen. „Die deutschen Sicherheitsbehörden unternehmen alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen“, sagte Innenminister Thomas de Maiziere. Nicht jede Maßnahme sei zu sehen und werde öffentlich gemacht. „Die Lage ist ernst, es besteht Grund zur Sorge und Vorsorge, jedoch nicht zu Panik und Alarmismus“, sagte der Minister.

Die Regierung weist seit langem darauf hin, Deutschland stehe im Fadenkreuz des islamistischen Extremismus. In den vergangenen Tagen fanden mehrere Polizeiaktionen gegen islamistische Zellen in Deutschland, Belgien und Frankreich statt. Während die belgischen Sicherheitsbehörden erklärten, mit der Aktion seien geplante Anschläge verhindert worden, gibt es nach Angaben der deutschen Behörden keine Hinweise darauf, dass die in Berlin festgenommenen Islamisten Anschläge in Deutschland geplant hatten.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Günther Schemutat

16.01.2015, 18:55 Uhr

Die hunderte von Gefährdern können nicht alle überwacht werden. Ein Anschlag in Deutschland ist nicht zu verhindern (Politiker).Über 8000 Salafisten stehen in Wartestellung wie 30 000 Tausend weitere agressive Muslime un Deutschland.

Die Amerikaner decken 99,9 % der Anschlagsversuche bei uns auf nach Aussage etlicher Terrorexperten, was bedeutet wir können es nicht.

Sollte der Trend sich fortsetzen, dass Muslime Kaufhäuser oder Firmen überfallen, dann muss ganz schnell das Waffengesetz ausgeschaltet werden. Jeder hat das Recht sich zu verteidigen
nicht nur Politiker die sich in Panzerlimosinen mit Wachpersonal durch die Gegend schaukeln lassen.

Mir ist wohler wenn ich und andere z.B am Bahnhof oder Kaufhaus angegriffen werde und ich mich verteidigen kann. Sonst muss ich wie heute warten bis ich tot bin nach jetzigem Recht.

Wenn nicht... nimmt man sich das Völkerecht!

Herr Wolfgang Trantow

16.01.2015, 19:06 Uhr

Anschläge durch den Islam werden befürchtet? Ernst wenn Leute wie Frau Merkel, Hr. Gauxck, Hr. Wulff ihre hemmungslose, gewissenlose Unterstützung für den Islam (Tötet Andersgläubige ) aufgeben, einstellen. Gibt es eine Änderung. Warum weigern sich die hauptamtlichen Christen, wie Fr. Käßmann und Hr. Germer, Pfarrer in Berlin in den IS-Staaten zu missionieren? Wollen Sie nur tote Deutsche sehen?

Herr Teito Klein

16.01.2015, 19:11 Uhr

Islamisten geben neue Anschlagziele bekannt
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Darunter auch den Berliner und Dresdener Hauptbahnhof.
Aber auch die Montagsdemos in Dresden werden als Anschlagziel genannt. Nur würden dort die Zottelbärte auffallen außer sie verstecken sich bei den "Gegendemonstranten" von der Antifa und der extremen Linken. Dort sind sie dann "Brothers in arms".

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