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17.09.2014

10:11 Uhr

Berlin-Visite des Emirs

Merkel unter Zugzwang wegen Besuch aus Katar

VonDietmar Neuerer

ExklusivKanzlerin Merkel will heute in Berlin mit dem Emir von Katar hauptsächlich über Wirtschaftsthemen sprechen. Das ist der SPD zu wenig. Und auch Grüne und Linke fordern, dass das Thema Terrorfinanzierung zur Sprache kommt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Hoher Besuch aus Katar. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): Hoher Besuch aus Katar.

BerlinPolitiker von CDU, SPD, Linken und Grünen haben Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, den Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, bei seinem Besuch in Berlin auch auf kritische Themen anzusprechen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer, plädierte allerdings auch dafür, die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Golfstaat weiter auszubauen. „Katar ist ein wichtiger Wirtschafts-, Handels- und Investitionspartner der Bundesrepublik Deutschland und einer der wenigen Stabilitätsanker auf der arabischen Halbinsel“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online. Daher gelte es, in die deutsch-katarische Beziehung weiter zu investieren. „Selbstverständlich stehen dabei auch kritische Fragen, wie die Rolle Katars in Syrien und die Menschenrechtsverletzungen auf der Tagesordnung“, fügte Pfeiffer hinzu.

In diese Richtung äußerte sich auch die SPD. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass beim Besuch al-Thanis nicht über die Situation im Irak und Syrien gesprochen wird – und über die Rolle Katars in den Konflikten“, sagte der Vize-Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Klaus Barthel (SPD), dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Es gebe „hohen“ Aufklärungsbedarf.

„Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie dem Deutschen Bundestag und der Öffentlichkeit gegenüber darstellt, wer den Islamischen Staat (IS) unterstützt und welche Rolle Katar dabei spielt. Dann haben wir zu entscheiden, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen“, so Barthel.

Der SPD-Bundesvize Ralf Stegner sagte mit Blick auf Katar. „Länder, die finanziell oder politisch den Terrorismus des IS unterstützen, dürfen weder deutsche Waffenlieferungen bekommen, noch sollte es mit solchen Staaten privilegierte Wirtschaftsbeziehungen geben.“ Auch eine Fußball-WM in Katar sei „eine gravierende Fehlentscheidung, die weltweit Kopfschütteln auslösen muss“.

Bei dem Treffen zwischen Merkel und dem Emir wird es um die Wirtschafts- und Energiebeziehungen zwischen beiden Ländern gehen, hatte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz vergangene Woche angekündigt. Auch die Lage im Irak und Syrien werde Teil der Beratungen sein.

Die größten Staatsfonds der Welt

Platz 10

Qatar Investment Authority (QIA) - Katar

Verwaltetes Vermögen: 170 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Öl und Gas

Gründung: 2005

Quelle: SWF Institute; Stand: April 2014

Platz 9

Temasek Holdings - Singapur

Verwaltetes Vermögen: 173 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Diversifiziert

Gründung: 1974

Platz 8

Government of Singapore Investment Corporation - Singapur

Verwaltetes Vermögen: 320 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Diversifiziert

Gründung: 1981

Platz 7

Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio - Hongkong

Verwaltetes Vermögen: 327 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Diversifiziert

Gründung: 1993

Platz 6

Kuwait Investment Authority - Kuwait

Verwaltetes Vermögen: 410 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Öl

Gründung: 1953

Platz 5

SAFE Investment Company - China

Verwaltetes Vermögen: 568 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Diversifiziert

Gründung: 1997

Platz 4

China Investment Corporation - China

Verwaltetes Vermögen: 575 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Diversifiziert

Gründung: 2007

Platz 3

SAMA Foreign Holdings - Saudi-Arabien

Verwaltetes Vermögen: 676 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Öl

Gründung: keine Angabe

Platz 2

Abu Dhabi Investment Authority - Vereinigte Arabischen Emirate

Verwaltetes Vermögen: 773 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Öl

Gründung: 1976

Platz 1

Government Pension Fund Global - Norwegen

Verwaltetes Vermögen: 838 Milliarden Dollar

Hauptquelle: Öl

Gründung: 1990

Katar ist ein wichtiger Investor und Wirtschaftspartner für Deutschland und zugleich ein bedeutender Abnehmer deutscher Rüstungsgüter. Mehrere deutsche Politiker hatten zuletzt den Verdacht geäußert, dass Katar die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak unterstützt.

Sie stellten in diesem Zusammenhang das Engagement des Wüstenemirats als Investor in Deutschland infrage. Katar weist den Vorwurf zurück, IS zu finanzieren.

Kommentare (11)

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Herr Thomas Brunkhorst

17.09.2014, 07:57 Uhr

„Gerade von Bundespräsident Gauck, den wir immer wieder als umsichtigen und kritischen Politiker erleben, erhoffe ich mir klare Worte.“
Worte allein sind wie Schall und Rauch. Die Wirtschaftslobby und höhere Interessen stehen hier deutlich im Vordergrund. Was interessieren da schon ein paar radikale Islamisten, die vermutlich nur wg. der Öffentlichkeitswirkung weltweit inszeniert wurden??

Herr C. Falk

17.09.2014, 09:22 Uhr

Von Herrn Gauck wird "nichts" kommen. Die Terrorfinanzierung nicht nur von Katar sondern auch von Saudi-Arabien und den Vereinigten Emiraten ist Teil einer Gesamtstrategie, um die
staatliche Ordung in der Region, so wie sie sich nach WKI und der Niederlage der Osmanen etabliert hat zu revidieren.

Syrien und der Irak sind "Kunststaaten" von England und Frankreich mit ziemlich willkürlichen Grenzen inauguriert.

Das passt vielen Sunniten nicht und der Terror ist eines der Instrumente, dieser "Nachkriegsornung" ein Ende zu bereiten. Der Krieg der Nachkriegsordnung ist in diesem Fall WKI, so wie viele Ereignisse des Jahres 2014 auf 1914 und folgende zurückzuführen sind.

Herr Johann Brädt

17.09.2014, 09:43 Uhr

Das "wir" sind die 80% der Bevölkerung die mit seiner Arbeit zufrieden sind.

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