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08.03.2013

15:42 Uhr

Berliner Pannen-Flughafen

Merkel wünscht Mehdorn Glück

VonDietmar Neuerer

Dass Mehdorn den neuen Berliner Flughafen retten soll, stößt in der Politik auf ein geteiltes Echo. Die Hoffnung einiger ist, dass es ihm gelingt, den zerstrittenen Aufsichtsrat zu bändigen und das Projekt zum Erfolg zu führen.

Hartmut Mehdorn, früherer Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft. dpa

Hartmut Mehdorn, früherer Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft.

BerlinDer frühere Bahn- und Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn soll das Pannenprojekt Berliner Hauptstadtflughafen BER wieder auf Kurs bringen. Wie er das anstellen will, ist noch eine unbeantwortete Frage. Denn schon kurz nachdem Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) die Entscheidung der drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund mitteilte, deuteten sich schon erste Konfliktlinien an.

So machte Mehdorn deutlich, dass er ein strengeres Nachtflugverbot ablehnt. Damit stellt er sich gegen Aufsichtsrats-Chef Matthias Platzeck (SPD), der angekündigt hatte, sich als Brandenburgs Ministerpräsident für mehr Nachtruhe am Flughafen einzusetzen. Er will das bisher geplante Flugverbot auf die Zeit von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr ausdehnen. „Ich bin kein Freund von dieser Einschränkung“, sagte dagegen Mehdorn. Er wolle „sehen, ob es nicht andere Kompromisslinien gibt“. In anderen Hauptstädten gebe es auch keine Restriktion der Flugzeiten - Berlin müsse sich an diese internationalen Standards gewöhnen. Ein strengeres Nachtflugverbot sei schlecht für Flughafen und Standort, sagte Mehdorn.

Hartmut Mehdorn: Vom Flugzeugliebhaber zum Bahnchef

Kindheit in Kriegswirren

Hartmut Mehdorn kam am 31. Juli 1942 als jüngstes von vier Kindern in Warschau zur Welt, wo sein Vater als Soldat stationiert war. Er wuchs zunächst in Berlin auf. Die Familie flüchtete in den Kriegswirren nach Bayern, und der Vater gründete 1948 eine Fabrik für Kunststoff-Spritzgussteile.

Gelernter Ingenieur und Reserveoffizier bei der Bundeswehr

Mehdorn besuchte Schulen in Kipfenberg (Altmühltal), Karlsruhe, Nürnberg und Berlin und absolvierte ab 1961 in Berlin ein Ingenieurstudium der Fachrichtung Maschinenbau. Nebenher arbeitete er im väterlichen Betrieb mit. Als Reserveoffizier stieg er bei der Bundesluftwaffe zum Hauptmann auf.

Wurzeln im Flugzeugbau

Mehdorn startete seine Karriere im Flugzeugbau: Er kam 1965 zum Bremer Flugzeughersteller Focke-Wulf und wirkte dort an der Entwicklung eines ersten deutschen Zivil-Jets mit. Ab 1974 leitete er ein Programm für die Serienfertigung der ersten Airbusse (A 300).

Aufstieg bei Airbus

1979 rückte Mehdorn in den Vorstand der Holding Airbus Industrie in Toulouse ein. Er verantwortete dort bis 1984 Produktion, Einkauf und Qualitätssicherung. Damals erreichten die Flugzeugtypen A 310, A 300-600 und A 320 die Produktionsreife.

Bei der Deutsche Aerospace AG übernahm er im Dezember 1989 den Vorsitz der Geschäftsführung der damaligen Deutsche Airbus GmbH (DA) mit über 17.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3 Milliarden DM. 1993 rückte er als ordentliches Mitglied in den DASA-Vorstand unter Jürgen E. Schrempp auf und übernahm das Ressort Luftfahrt.

Abschied von den Flugzeugen

1995 verabschiedete sich Mehdorn von den Flugzeugen und wechselte als Nachfolger des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hilmar Dosch zur Heidelberger Druckmaschinen AG.

Die Geburt des „Bahnchef Mehdorn“

Im Dezember 1999 bekam Hartmut Mehdorn einen neuen Vornamen. Nachdem er zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn berufen wurde, war er in den Medien nur noch als „Bahnchef Mehdorn“ bekannt. Er trat dabei die Nachfolge von Johannes Ludewig an, der im September 1999 nach zwei engagierten, aber glücklosen Jahren abgetreten war.

Karrieremakel I: Das Unglück mit dem Bahn-Börsengang

Nicht erreichen konnte Mehdorn sein erklärtes Ziel, die Bahn an die Börse zu bringen, obwohl er dieses gegen alle Widerstände vorangetrieben hatte. Nach jahrelangen Debatten waren zwar 2008 von Bundestag und Bahn die Weichen für die umstrittene Teilprivatisierung gestellt worden, knapp 25 % der Anteile an der Verkehrsholding der Bahn sollten verkauft werden. 18 Tage vor dem geplanten Termin am 27. Oktober 2008 scheiterte Mehdorns Vision vom Börsengang dann jedoch kurz vor dem Ziel aufgrund des durch die Weltfinanzkrise generierten schlechten Marktumfeldes und wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Karrieremakel II: Die Datenschutzaffäre der Bahn

Zum Verhängnis wurde Mehdorn, dessen Vertrag bei der Bahn im Juni 2007 bis 2011 verlängert worden war, schließlich die im Januar 2009 öffentlich gewordene Datenschutzaffäre bei der Bahn. Im Rahmen der konzerneigenen Korruptionsbekämpfung hatte das Unternehmen in großem Ausmaß persönliche Daten von Mitarbeitern mit Lieferantendaten verglichen und darüber hinaus täglich bis zu 150.000 E-Mails von Bahnbeschäftigten überwacht.

Laut Mehdorn, der den Vorwurf einer Art Rasterfahndung zurückwies und sich in einem Brief an seine Mitarbeiter für die Überprüfungsaktionen entschuldigte, handelte es sich bei dem Ganzen jedoch „nicht um einen Datenskandal, sondern um eine Kampagne zur Veränderung der Unternehmensführung und der Unternehmenspolitik“.

Rücktritt bei der Bahn

Mit dem Bekanntwerden der Datenaffäre hatte Mehdorn nicht nur das Vertrauen der Gewerkschaften und der Belegschaft, sondern auch den Rückhalt in der Politik verloren. Der scheidende Konzernchef zog dennoch ein positives Fazit über seine Arbeit: „Das, was wir erreicht haben, hat uns keiner zugetraut“, bilanzierte er und nannte seine Zeit im DB-Chefsessel „eine tolle Zeit. Manchmal ein bisschen irre, immer aufregend“.

Kurzes Intermezzo als Berater

Ab Februar 2010 betätigte sich Mehdorn in einer Bürogemeinschaft mit dem langjährigen Bahn-Finanzchef Diethelm Sack und dem früheren Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter als Berater. Vermisst habe er nichts in dieser Zeit, sagt er in dem Buch „Macht. Geschichten von Erfolg und Scheitern“ von Katja Kraus. Wenngleich er sich erst daran gewöhnen musste, „dass nicht täglich irgendein Affe meinen Rücktritt gefordert hat.“

Zurück zur Luftfahrt: Start bei Air Berlin

So ganz gewöhnen konnte er sich an die Beschaulichkeit als Berater jedoch nicht. Er war im Aufsichtsrat von Air Berlin, als die Fluglinie Ende 2011 in Turbulenzen geriet. „Dann haben mich alle angeschaut.“ Er hat seine Frau angerufen, diesmal hat sie gesagt: „Tu, was du nicht lassen kannst.“ Er wusste ohnehin, dass sie auch diesmal mitziehen würde. Also legt sie ihm am Morgen wieder die Anzüge raus, „weil sie davon mehr versteht“, heißt es in dem Buch „Macht. Geschichten von Erfolg und Scheitern“ von Katja Kraus.

Rücktritt bei Air Berlin

Am 7. Januar 2013 nahm Mehdorn den Hut bei Air Berlin. „Jetzt ist die richtige Zeit für den Führungswechsel“, kommentierte er seinen Abschied als Chef von Air Berlin. Doch das Loslassen bei der angeschlagenen Fluglinie kam früher als erwartet. Für die weitere Sanierung der Fluggesellschaft wollte vor allem James Hogan, der Chef des Großaktionärs Etihad, wieder einen Luftfahrtmanager.

Pannenflughafen BER – Mehdorns letztes berufliches Kapitel

Nur zwei Monate nach seinem Abgang bei Air Berlin übernimmt Mehdorn am 11. März 2013 den Pannenflughafen BER und wird Chef der Betreibergesellschaft. Mit seinen Äußerungen erregt der Manager des Öfteren den Unmut der Aufsichtsräte aus der Berliner und Brandenburger Landespolitik. Differenzen mit den Aufsehern führten am Ende wohl auch zum Rücktritt. Ende März 2015 tritt Mehdorn beim BER ab. Der Hauptstadtflughafen ist immer noch nicht eröffnet, doch Mehdorn hält sich zugute, das Chaos auf der Baustelle immerhin geordnet zu haben.

Quelle: Munzinger Personenarchiv

Auch mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dürfte es Mehdorn nicht einfach haben. „In der Tat hat er (Mehdorn) Ecken und Kanten, und die werden wir ihm auch nicht mehr abschleifen, nehme ich an“, sagte Wowereit. Es werde Spannungen geben, aber die seien dann immer produktiv. Der Berliner Regierungschef hatte mit Mehdorn in der Vergangenheit gelegentlich Differenzen. Wowereit hob hervor, Mehdorn habe die volle Unterstützung der drei Flughafen-Eigentümer Bund, Berlin und Brandenburg. Zwischen den Gesellschaftern hatte es in den vergangenen Wochen Querelen gegeben.

Die Schlüsselfiguren des Flughafenbaus

Rainer Schwarz

Der ehemalige Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung war monatelang unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Mitte Januar musste Schwarz gehen.

Horst Amann

Der Technikchef und erfahrene Planungsmanager wurde im August als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt. Er versprach die Flughafeneröffnung im Oktober 2013, konnte das aber nicht halten.

Klaus Wowereit

Der regierende Bürgermeister von Berlin ist nach massiven Attacken als Chef des Flughafen-Aufsichtsrats zurückgetreten. Im Aufsichtsrat sitzt er jedoch nach wie vor. Die Opposition aus Grünen, Linken und Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus hatte einen Misstrauensantrag wegen des Flughafen-Desasters gegen Wowereit eingebracht, der jedoch scheiterte.

Matthias Platzeck

Der brandenburgische Ministerpräsident war zuerst Stellvertreter Wowereits im Aufsichtsrat und folgte ihm Mitte Januar als Chefaufseher. Angesichts der schwierigen Lage stellte Platzeck im brandenburgischen Landtag die Vertrauensfrage.

Peter Ramsauer

Der Bundesverkehrsminister hat in der Krise die Rolle des drängenden Aufklärers eingenommen. Im Ministerium richtete er eine Sonderkommission ein. Ramsauer verlangte massiv die Ablösung des ehemaligen Flughafenchefs Schwarz.

Rainer Bomba

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist Ramsauers Mann im Aufsichtsrat. Die Entscheidungen zu den Terminverschiebungen trug er ebenso mit wie die Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Mehdorn-Berufung zu sehen. Nicht überschwänglich, sondern nüchtern erklärte Merkel, dass Mehdorn eine komplexe Aufgabe übernehme, die einer allein nicht schaffen werde. Nun müsse im Sinne einer guten Projektsteuerung alles auf den Tisch kommen, was verbessert werden muss. „Und ich kann nur jedem, der an den Projekt mitarbeitet, eine glückliche Hand wünschen.“

Der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion und Chef der Berliner Liberalen, Martin Lindner, lobt die Personalentscheidung. „Ich schätze Herrn Mehdorn sehr. Er ist ein guter Sanierer, der jetzt hoffentlich Schluss macht mit dem roten Affentheater von Berlin und Brandenburg“, sagte Lindner Handelsblatt Online. Es gehe jetzt darum, den Flughafen erfolgreich zu Ende zu bauen. „Da ist einer mit dem Charisma und der Unabhängigkeit Mehdorns genau der Richtige.“

Der Ex-Bahnchef lasse sich von der Politik nicht den Schneid abkaufen. „Meine Hoffnung ist, dass er Klartext redet und den Schlafmützen Wowereit und Platzeck klipp und klar sagt, auf welch dünnem Eis sie sich bewegen“, sagte Lindner. „Mehdorn sollte in allen Belangen Tacheles reden, auch beim Thema Nachflugverbot.“ Lindner lobte in diesem Zusammenhang indirekt auch das Engagement von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). „Ich freue mich, dass der Bund hier offensichtlich seinen Einfluss geltend gemacht hat“, sagte er.

Lob kommt auch vom Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann. "Ich habe den Namen Mehdorn schon vor einem Jahr genannt. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings durch sein Engagement bei Air Berlin gehindert", sagte Wellmann Handelsblatt Online. Mehdorn sei eine gute Wahl. "Er verfügt über die notwendigen Managementfähigkeiten und Durchsetzungskraft, um das festgefahrene Projekt BER endlich voran zu bringen."

Kommentare (14)

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08.03.2013, 14:01 Uhr

Sehr gut. Dann kann ja der FDP Lindner auch jemand finden, der beim schwarz-gelben/DB Affentheater in Stuttgart aufräumen kann.

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08.03.2013, 14:16 Uhr

Mehdorn ist für diese Aufgabe ein Aushängeschild der Schwarz-Gelben
Insbesondere seine Tätigkeit bei Heideldruck empfiehlt ihn: Das Unternehmen erholte sich nicht mehr von seinem Tun. Ebenso erinnert man sich gerne an sein Fingerspitzengefühl und Intelligenz bei der Bahn. Auch AirBerlin dürfte für die Zukunft schlechte Karrten haben.

Allerdings darf man sich über eines gewiss sein, die Kosten werden explodieren. Ich tippe mal auf Vervierfachen - schließlich wollen viele Schwarz-Gelbe Politiker bedient werden.

Zu einem taugt des ganze Personaltheater: zur Ablenkung von der Schuld Ramsauers in dem ganzen Drama.

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08.03.2013, 14:21 Uhr

Ausgerechnet Mehdorn?
Haben wir denn schon den 1. April?

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