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24.04.2012

21:40 Uhr

Berliner Presse Club

Lammert kritisiert Talkshowflut im Fernsehen

Bundestagspräsident Lammert hat die Schwämme von Talkshows im deutschen TV bemängelt. Er kritisierte außerdem, dass die Unterhaltung Vorrang vor der Information hätte und Schnelligkeit zu oft die Gründlichkeit ausstäche.

Bundestagspräsident fürchtet um das politische Urteilsvermögen der Bevölkerung. dpa

Bundestagspräsident fürchtet um das politische Urteilsvermögen der Bevölkerung.

BerlinBundestagspräsident Norbert Lammert hat die Flut von Talkshows im Fernsehen als problematisch für das politische Urteilsvermögen der Bevölkerung kritisiert. „Das Format schließt aus, dass die Sachverhalte ernsthaft diskutiert werden“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen des Berliner Presse Clubs. Kritischer und analytischer Journalismus sei in Zeiten des medienpolitischen Umbruchs angesichts der wachsenden Bedeutung des Internets und der digitalen Medien „noch wichtiger geworden“.

Talkshows stünden „an prominenten Zeiten im Abendprogramm - da, wo früher andere Formate sich um die sorgfältige Analyse komplexer Sachverhalte bemüht haben“, bemängelte Lammert. Es sei bemerkenswert, dass im Jahr rund 28 Stunden lang Bundestagsdebatten übertragen würden. Dagegen sende allein der öffentlich-rechtliche Rundfunk pro Woche 22 Stunden lang Talkshows, im Jahr seien es 1000 Stunden.

Die Dominanz der digitalen Medien bewirke, dass die Gesellschaft „mit einem zunehmenden Vorrang von Bildern gegenüber Texten, mit einer immer stärkeren Dominanz von Personen gegenüber Themen, mit dem immer höheren Gewicht von Überschriften gegenüber komplexen Sachverhalten, der Schlagzeile vor den Analysen“ konfrontiert sei. Es gebe einen „grausamen Vorrang der Schnelligkeit vor der Gründlichkeit in der Informationsvermittlung“ und einen „geradezu deprimierenden Vorrang der Unterhaltung vor der Information“, sagte Lammert.

Dem 1952 gegründeten Berliner Presse Club gehören gut 100 ordentliche Mitglieder aus regional und überregional arbeitenden Medien an. Der Verein hat regelmäßig Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu Gast. Dabei werden im vertraulichen Rahmen Hintergrundgespräche geführt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.04.2012, 07:19 Uhr

Man muß Herrn Lammert uneingeschränkt recht geben: Schnelligkeit und Schlampigkeit gehen heutzutage leider vor Gründlichkeit. Und das im Internet sogar noch viel schlimmer als im Fernsehen.

Account gelöscht!

25.04.2012, 14:03 Uhr

In vielem hat Lammert Recht. Man muß sich ja nur mal Illner und Will ansehen. Nie sind sie intensiv auf das Thema vorbereitet. Dem Bürger wird dann von den geladenen "Experten" und drittklassigen Politikern die Unwahrheit erzählt und die Moderatorinnen können nicht kontern, weil sie selbst keine Ahnung haben
Das war seinerzeit bei Erich Böhm mit Talk im Turm anders
Will ist stramm links, jeden der eine andere Meinung vertritt die ins konservative Lager geht, den unterbricht sie.
Gute Talkshows mit guten Moderatoren, ja, aber Unterschicht-Geschwafel nein.
Aber vielleicht ist das Unterschicht- und unwahre Geschwafel ja gewollt zur Bürgerverdummung

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