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14.09.2012

16:30 Uhr

Berliner Reaktionen

Die Angst vor dem „Großkonflikt“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Proteste gegen ein Islam-kritisches Video aus den USA richten sich inzwischen auch gegen deutsche diplomatische Vertretungen. Die Politik in Berlin ist alarmiert und warnt vor einer weiteren Eskalation.

Reichstag in Berlin. dpa

Reichstag in Berlin.

BerlinDie jüngste Gewalteskalation im Nahen Osten hat im politischen Berlin große Besorgnis ausgelöst. „Wir verurteilen die brutalen Angriffe auf Botschaften. Alle Regierungen sind gefordert religiösen Fanatismus entgegenzutreten und sich klar und deutlich von Scharfmachern auf allen Seiten zu distanzieren und die Sicherheit der Botschaften zu garantieren“, sagte der Grünen-Fraktionsvize Frithjof Schmidt Handelsblatt Online. „Wenn dies erfolgreich gelingt, dann lässt sich auch die Ausweitung auf einen Großkonflikt verhindern.“

Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich sagte, die gewalttätigen Angriffe auf Botschaften in arabischen und asiatischen Ländern seien auch angesichts des „primitiven und provokanten“ Films durch nichts zu rechtfertigen. „Die Regierungen und Behörden haben sowohl den Schutz der diplomatischen Einrichtungen als auch den der ausländischen Bürger zu gewährleisten“, sagte Mützenich Handelsblatt Online.

Gerade staatliche Repräsentanten aus islamisch inspirierten Parteien hätten eine  große Verantwortung. Sie müssten weitere friedliche Proteste gewährleisten und gleichzeitig die Demonstranten zu Besonnenheit mahnen. „Nur so können die positiven Impulse der arabischen Umbrüche bewahrt werden.“

Eine Chronik islamistischer Anschläge auf US-Einrichtungen im Ausland

7. August 1998

Bei zeitgleichen Anschlägen auf die Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen, Tausende werden verletzt. Drahtzieher ist Osama bin Laden.

12. Oktober 2000

Bei einem Anschlag auf den US-Zerstörer „USS Cole“ sterben im Hafen von Aden (Jemen) 17 Soldaten und zwei Täter, 39 Menschen werden verletzt. Hinter dem Anschlag steht eine mit Osama bin Laden verbündete Terrorgruppe.

14. Juni 2002

Vor dem US-Konsulat im pakistanischen Karachi explodiert ein Auto. Zwölf Pakistaner sterben. Im Februar hatte ein Attentäter vor dem Konsulat drei pakistanische Polizisten erschossen.

15. Oktober 2003

Bei einem Sprengstoffanschlag auf US-Bürger in den palästinensischen Autonomiegebieten sterben am Grenzübergang Eres drei Sicherheitsbeamte der US-Botschaft in Israel.

26. Mai 2004

Bei einer Explosion zweier Autobomben vor dem Pakistanisch-Amerikanischen Kulturzentrum im pakistanischen Karachi wird ein Polizist getötet.

6. Dezember 2004

Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im saudi-arabischen Dschidda werden fünf Konsulatsmitarbeiter und vier Attentäter getötet. Al-Kaida bekennt sich zur Tat.

18. März 2008

Bei einem Attentat auf die US-Botschaft in Sanaa stirbt ein jemenitischer Wachmann. Daraufhin werden große Teile des Personals abgezogen.

9. Juli 2008

Bei einem Feuergefecht vor dem US-Konsulat in Istanbul sterben drei türkische Polizisten und drei der vier Angreifer. Die Männer werden Al-Kaida zugerechnet.

4. März 2011

Ein Kosovo-Albaner beschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main einen Bus mit US-Soldaten. Zwei Amerikaner werden getötet, zwei weitere schwer verletzt. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Als Motiv nennt er Rache für US-Angriffe auf Muslime.

12. und 13. September 2012

Als Reaktion auf ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed stürmen Muslime US-Botschaften in mehreren Ländern. Beim Angriff auf das Konsulat im libyschen Bengasi werden vier Amerikaner getötet, darunter der Botschafter. Ägyptische Demonstranten greifen die Botschaft in Kairo an. Im Jemen stürmen am folgenden Tag mehrere hundert Demonstranten die US-Vertretung in Sanaa. Drei Angreifer sterben.

In der sudanesischen Hauptstadt Khartum hatten zuvor Demonstranten die deutsche Botschaft angegriffen. Das bestätigte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin. Die Mitarbeiter in dem ostafrikanischen Land seien aber in Sicherheit. Der Fernsehsender Al-Dschasira zeigte Bilder, auf denen hohe Flammen vor dem Botschaftsgebäude zu sehen sind. Korrespondenten zufolge riss die Menge die deutsche Flagge nieder und hisste eine islamische.

Kommentar : Amerikas Dilemma in Nahost

Kommentar

Amerikas Dilemma in Nahost

Seit Jahren fließen Unsummen aus den Kassen der USA nach Kairo. Auch jetzt noch – denn Ägypten ist der Schlüssel zur Dauerkrisenregion in Nahost. Einfluss haben die USA dadurch aber noch lange nicht.

Auch die britische und die US-Botschaft waren demnach Ziel der Angriffe. Auslöser ist ein Islam-kritisches Video aus den USA. In anderen Ländern in Nordafrika und Asien demonstrierten nach den traditionellen Freitagsgebeten ebenfalls zahlreiche Menschen. Im Libanon kam bei gewaltsamen Protesten mindestens ein Mensch ums Leben.

Kommentare (5)

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Tabu

14.09.2012, 17:02 Uhr

männliche Jugendliche im Testoschub..
gerade dort,gibt es mehr davon,als die Welt
zur Erhaltung der Art braucht..
Acht Wochen Ausgangssperre und nur Frauen und
Mädchen auf die Strasse..wie wundervoll friedlich
wäre das Leben für diese..Bloß nach Hause zurück
in die aggressive Stimmung dürften sie nicht mehr
gehen..Auch nicht gut der Einfall..hm..

gerhard

14.09.2012, 17:40 Uhr

"Ich verurteile diese Angriffe auf die deutsche Botschaft auf das Schärfste", sagte Westerwelle. (Zitat)
Die Worte werden wenig die Demonstranten beeindrucken und diese auch nicht dazu bringen, sofort wieder die deutsche Flagge aufs Dach zu stellen? Aber Spaß beiseite. Diese Ausdehnung von USA auf die westlich- europäischen Staaten zeigt deutlich, wie man im `“Muslim Bereich“ die Politik sieht. Es dürfte in der dominierenden Politik der USA in Sachen Irak und später Afghanistan zu suchen sein. Dieses nun aufgetauchte fragwürdige Video war sicherlich nur ein Auslösungseffekt. Die Einmischung von USA in Gefolgschaft europäischer Staaten auf diese zwei asiatischen Länder wurde in den vorwiegend muslimischen Staaten jeweils nur „gespeichert“ , um die Religion für die „ausufernde“ Aktion dann zu benutzen. Die freie Meinungsäußerung darf man deshalb bei uns nicht einschränken, aber ein gewisses Taktgefühl in religiösen Fragen sollte durchaus berücksichtigt werden. Natürlich kann man nicht von vornherein solche von Provokateuren gesteuerte Aktionen im Internet unterbinden. Damit muss man also rechnen – weniger damit zu rechnen ist bei korrekter Einlassung durch Volksabstimmung in eine Kriegshandlung. So gesehen- kann man dieses - also als „Strafe“ für leichtsinniges Handeln der Regierung – wenn man so will – jetzt auch sehen!

Account gelöscht!

14.09.2012, 18:56 Uhr

Ich hab doch heute Mittag in einem Artikel schon gesagt, ich wäre gespannt, wann das bei uns anfängt.
Nicht nur die deutschen und amerikan. Botschaften in arabischen Ländern dürften gefährdet sein, sondern auch bei uns.
Dafür habe wir zu viele nicht integrationswillige Muslime hier im Lande.

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