Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2015

13:16 Uhr

Berliner Schaubühne

Deutscher Kulturrat verteidigt Anti-AfD-Collage

In den Streit um eine Anti-AfD-Collage an der Berliner Schaubühne hat sich nun der Deutsche Kulturrat eingeschaltet. Der Verband wies die Kritik an dem Stück zurück. Die AfD will sich nun mit juristischen Mitteln wehren.

Die Aufnahme zeigt eine Szene des Stücks „Fear“ an der Berliner Schaubühne. Das Theater wehrt sich gegen Vorwürfe, ihre Anti-AfD- und Anti-Rechtspopulismus-Collage rufe zu Gewalt auf. dpa

Theaterstück „Fear“ an der Schaubühne

Die Aufnahme zeigt eine Szene des Stücks „Fear“ an der Berliner Schaubühne. Das Theater wehrt sich gegen Vorwürfe, ihre Anti-AfD- und Anti-Rechtspopulismus-Collage rufe zu Gewalt auf.

BerlinDer Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, hat die Schaubühne in Berlin gegen Kritik an der Anti-AfD- und Anti-Rechtspopulismus-Collage „Fear“ verteidigt. Das Theater hatte von Druck gesprochen, der ausgeübt werde, um das Theaterstück abzusetzen. Der Autor und Regisseur des Stücks, Falk Richter, sieht sich auch Morddrohungen ausgesetzt.

Der Geschäftsführer des Kulturrates, Olaf Zimmermann, erklärte dazu in Berlin: „Selbstverständlich ist die Aufführung von „Fear“ durch die grundgesetzlich garantierte Meinungs- und Kunstfreiheit geschützt. Und selbstverständlich darf dem Druck aus der rechten Ecke zur Absetzung des Stückes nicht nachgegeben werden.“ Künstler dürften sich nicht nur, sie müssten sich gerade jetzt in die Debatten einmischen.

Seit seiner Premiere am 25. Oktober hat das satirische Stück schon für einigen Wirbel gesorgt. Am Dienstag vergangener Woche war es zu einem Eklat gekommen, nachdem der Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Christian Lüth, ohne Erlaubnis in einer Aufführung filmte und ein Schauspieler ihm mit Rausschmiss drohte. Lüth sagte danach, das Stück sei „beleidigend und geschmacklos“.

Netzwerk der AfD-Hardlinerin von Beatrix von Storch

„Freie Welt“ und „Abgordneten-Check.de“

Beatrix von Storch und ihr Mann Sven von Storch steuern die vielfach als rechts eingestufte Internet- und Blogzeitung FreieWelt.net und das Internetportal www.Abgordneten-Check.de, über die laut Lobbypedia für marktradikal-rechtspopulistische Positionen und eine christlich-konservative Familienpolitik geworben wird. Daher wird die Strömung auch als deutsche Tea-Party bezeichnet.

Quellen: Konrad-Adenauer-Stiftung; FH Düsseldorf; Lobbypedia; Handelsblatt-Recherchen

„Allianz für den Rechtsstaat“

Gründung 1966. Verantwortlich laut der Webseite: Beatrix von Storch. Initiierte die Kampagne der Studenten, die die Rückgabe der in der DDR beschlagnahmten Adelsgüter fordern sowie Aufklärung über den Verfassungsbruch der Regierung Kohl-Schäuble.

„Zivile Koalition“

2004 gegründet. Im Vorstand sitzen Beatrix von Storch und ihr Mann Sven von Storch. Kritiker verweisen auf die „marktfundamentalistischen und erzkonservativen“ Positionen der „Zivilen Koalition“ und sprechen von einer „deutschen Tea-Party-Bewegung“.

„Institut für Strategische Studien“

Öffentlich bemerkbar macht sich die „Zivile Koalition“ vor allem als Netzwerk verschiedener Initiativen, die sie von ihrem Sitz in Berlin aus betreibt; Berichten zufolge mit insgesamt 14 Angestellten. Bedeutsam sind hierbei das Institut für Strategische Studien Berlin (ISSB), welches von Beatrix' Ehemann Sven von Storch geleitet wird, sowie „Die Freie Welt“.

„BürgerKonvent“

Gründung 2003. Vorstand: Beatrix von Storch, Vera Lengsfeld, Klaus Peter Krause. Setzt sich als „Apo von rechts“ ein für die Rückführung des Staates auf Kernkompetenzen und den Abbau von Sozialleistungen zugunsten privater Vorsorge. Auf Politiker soll Druck in diese Richtung ausgeübt werden. Eingekaufte und professionelle Kampagnenpolitik, der so „von oben“ zum Protest aufruft. Die Strukturen sind intransparent und nicht demokratisch.

„Bürgerrecht Direkte Demokratie“

Verantwortlich laut der Webseite: Sven von Storch. Sprecherin: Vera Lengsfeld. Die Initiative „Bürgerrecht Direkte Demokratie“ ist eine Gemeinschaftsaktion von Lengsfeld und der der „Zivilen Koalition“ und startete im Januar 2013. Nach eigenen Angaben setzt sich die Initiative für die unmittelbare Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen ein.

„Familienschutz.de“

Die Initiative Familienschutz ist nach eigenen Angaben Teil einer organisierten bürgerlichen Basisbewegung der „Zivilen Koalition“. Eine zentrale Forderung an die Familienpolitik ist, dass die Ehe zwischen Mann und Frau Vorrang vor anderen Lebensgemeinschaften haben soll. Die Sprecherin der Initiative, Hedwig Freifrau von Beverfoerde, Initiatorin der Aktion „Staatliche Sexualisierung der Kindheit – Schützt uns davor!“, bemängelte einst in der „Freien Welt“, dass im Sexualkundeunterricht für sexuelle Selbstbestimmung geworben wird und nicht für sexuelle Enthaltsamkeit.

Besonders störte sich Lüth an einer Szene, in der die AfD-Europaparlamentarierin Beatrix von Storch in einer sexuell aufgeladenen Umarmung mit ihrem Großvater, Hitlers Finanzminister Lutz Graf Schwerin von Krosigk, dargestellt werde. Auch dass die Parteivorsitzende Frauke Petry in dem Stück in eine Reihe mit dem norwegischen Massenmörder Anders Breivik und der NSU-Extremistin Beate Zschäpe gestellt werde, sei inakzeptabel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×