Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2012

16:11 Uhr

Berlins Oberbürgermeister

Der ewige Klaus Wowereit

VonLenz Jacobsen
Quelle:Zeit Online

Flughafen-Debakel, Umfrage-Tief, na und? Klaus Wowereit macht in Berlin einfach weiter. Ihm ist das Kunststück gelungen, mit seiner Stadt zu verschmelzen. Nahaufnahmen eines Bürgermeisters mit Durchhaltevermögen.

Synonym für Berlin: Klaus Wowereit. dpa

Synonym für Berlin: Klaus Wowereit.

BerlinDas muss der Chef jetzt selbst retten, das geht ja so nicht.

An einem Dienstagmittag sitzen vor dem Brandenburger Tor rund 30 Kinder auf einer kleinen Bühne in der Sonne und müssen sich von einem schwitzenden, älteren Herrn anbrüllen lassen. Der Mann ist Chef des Berliner ADAC und hat die Kinder zuvor in knallige Westen stecken lassen. Sie sind jetzt im Dunkeln schon auf 150 Meter Entfernung gut zu erkennen, die Kinder, und das ist natürlich toll, besonders für die Autofahrer, und deshalb ruft der Autofahrer-Lobbyist ihnen entgegen: „Habt ihr gehört? An-zieh-en!“ Da gucken die Leuchtwesten-Kinder verstört.

Dann, Auftritt Klaus Wowereit: „Liebe Erstklässler der Grundschule am Brandenburger Tor“, sagt er, wendet sich ihnen direkt zu: „Das seid ihr, ne?“ „Jaaa!“, schallen die Kinderstimmen zurück. Und weiter: „Macht's Spaß?“ „Jaaaa!“ „Sind die Westen schick?“ „Jaaa!“ Er dreht sich wieder um: „Ne, jawoll, janz schicke Westen sind das!“ Erleichtertes Lächeln bei den PR-Damen, zufriedener Wowereit. Das hat er wieder mal gewuppt.

Absturz in den Umfragen

Ja, Klaus Wowereit ist immer noch da. Seinen Hauptstadtflughafen hat er verkorkst, er wird viel teurer und kommt viel später als geplant. Seine rot-schwarze Koalition verliert alle paar Monate einen Senator oder eine Senatorin aus eher skurrilen Gründen, und eine Idee davon, wo er mit dieser Stadt hin will, scheint der Regierende Bürgermeister schon länger nicht mehr zu haben. Im Juni überholte ihn dann auch noch sein Innensenator Frank Henkel in der Wählergunst, und das muss man ja erst einmal schaffen, hinter diesem mindestens unscheinbaren CDU-Politiker zu landen. Mittlerweile ist Henkel zwar wieder abgestürzt, aber Wowereit auch: Zum ersten Mal überhaupt rutschte er im Oktober in den Minusbereich der Beliebtheitsskala von minus fünf bis plus fünf, wie Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung ermittelte.

Berlin: Wowereit im Umfragetief nach Flughafen-Pleite

Berlin

Wowereit im Umfragetief nach Flughafen-Pleite

Die Planungspannen rund um den neuen Berliner Flughafen hat der Beliebtheit des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit einer Umfrage zufolge erheblich geschadet. Auch seine Partei, die SPD, sackt in der Wählergunst ab.

Und wie reagiert Klaus Wowereit, was macht er jetzt? Einfach weiter, immer weiter.

Bei den Bürgern, im Parlament, bei der Wirtschaft: Wer ihn in diesen drei Welten, in denen ein Politiker seine meiste Zeit verbringt, beobachtet, erlebt das Phänomen Wowereit: Der Regierende Bürgermeister, der länger im Amt ist als alle anderen Ministerpräsidenten, wirkt, als könne er noch ewig so weitermachen. Weil er den Trick beherrscht, mit seiner Stadt zu verschmelzen.

Wowereit gibt den Zerknirschten

Ein Donnerstagnachmittag im Berliner Abgeordnetenhaus, Regierungserklärung zum Flughafen. Wowereit drückt sich aus seinem Stuhl, macht vier, fünf Schritte, legt die Hände auf das Rednerpult, spricht ein paar einleitende Worte, sagt dann: „Ich bitte im Namen der Flughafengesellschaft um Entschuldigung für diese Verzögerung und die Dinge, die damit im Zusammenhang stehen. Durch die Verzögerung ist viel Vertrauen verlorengegangen, das ist wahr.“ Hinter ihm hängen drei große Flaggen, die hoheitliche Aura verbreiten sollen: Deutschland links, Europa rechts, Berlin in der Mitte. Wowereit steht jetzt genau vor dem Berliner Bären, das rote Wappentier ist schon ziemlich ausgeblichen.

Wowereit soll für Flughafen-Desaster einstehen

Video: Wowereit soll für Flughafen-Desaster einstehen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Er gibt den Zerknirschten. „Wir alle hätten uns einen früheren Eröffnungstermin gewünscht“, sagt er. Da ist es, das Wowi-Wir. Es sagt: Ich ärgere mich doch genauso wie ihr, wenn etwas schief läuft, liebe Mitbürger. Es soll verdecken, das Wowereit eben mehr ist: Nicht Aufsichtsratvorsitzender des Flughafens, sondern ein einfacher, halb empörter, halb resignierter Berliner.

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Vicario

13.10.2012, 16:31 Uhr

Bei diesem Paradisvogel kann man nur froh sein, daß er nicht so oft ausserhalb Berlins in Erscheinung tritt ! Das wäre eine echte Schande für unser Land, wenn der seine SEXi-Ideologie noch ausserhalb unserer Landesgrenzen verbreiten würde.Ein armseliger Nichtskönner, der sich auf Kosten anderer arbeitenden Leute ein Gigolo-Leben leistet ! Und die Berliner dulden diese Kreatur...?!

Account gelöscht!

13.10.2012, 17:10 Uhr

Wowereit ist kein Problem-Löser, sondern ein Zyniker der Macht.
Beispielhaft war sein (Nicht-)Handeln in der Flugrouten Frage.
Als die Bewohner im Süden, Osten und Westen der Stadt erkennen mussten, dass sie jahrelang von der Flughafengesellschaft (Aufsichtsratvorsitzenden Wowereit) belogen worden waren, was den tatsächlichen Verlauf der Flugrouten des neuen Flughafens betrifft, hat sich Wowereit nicht um eine Lösung, bzw. Abwendung dieses Problems bemüht, sondern hatte für die betroffenen Bürger nur zynische Kommentare übrig.
Ich will mich auf dieses Beispiel beschränken, andere sind stadtbekannt.
Einen Regierenden Bürgermeister, der die Sorgen seiner Bürger nicht ernst nimmt, hat die Stadt nicht verdient und lange genug ertragen.

tjaja

13.10.2012, 17:51 Uhr

nicht nur duldet man herrn wowereit, man hat ihn letztes jahr erst wiedergewählt. in berlin gilt in der politik was in der BRD im finanzwesen gilt: das eigene handeln und haftung sind vollends entkoppelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×