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19.07.2015

21:43 Uhr

Bernd Lucke als Chef

AfD-Abtrünnige gründen neue Partei „Alfa“

Bernd Lucke positioniert sich mit einer neuen Partei gegen die Ex-AfD-Kollegen: Die Allianz für Fortschritt und Aufbruch („Alfa“) grenzt sich in ihrem Programm klar ab. Die SPD reagiert mit Hohn, die Grünen sorgen sich.

Allianz für Fortschritt und Aufbruch

Lucke: „Es ist eine Wiedergeburt der alten Partei“

Allianz für Fortschritt und Aufbruch: Lucke: „Es ist eine Wiedergeburt der alten Partei“

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KasselDie rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) bekommt wie erwartet Konkurrenz durch eine neue Partei um ihren früheren Chef Bernd Lucke. Dieser wurde am Sonntag bei einem nicht-öffentlichen Treffen in Kassel zum Vorsitzenden der Neugründung gewählt. Die Gruppierung nennt sich Allianz für Fortschritt und Aufbruch, kurz: Alfa.

Rund 70 Mitglieder des von Lucke gegründeten Vereins „Weckruf 2015“ hatten zuvor in einem Hotel in Kassel hinter verschlossenen Türen die Gründung beschlossen und den Vorstand der neuen Partei gewählt. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden der Europaabgeordnete Bernd Kölmel, der frühere Landessprecher der AfD-Hessen, Gunther Nickel, und der aus Nordrhein-Westfalen stammende Unternehmer Reiner Rohlje gewählt. Generalsekretärin wird die Europaabgeordnete Ulrike Trebesius.

Lucke sprach von insgesamt bis zu 5000 Interessenten für die neue Partei. „Es liegt viel Arbeit vor uns, dessen sind wir uns bewusst“, sagte er vor den Teilnehmern. Der Politiker war am 10. Juli aus der AfD ausgetreten. Zuvor hatten sich bei einem außerordentlichen Bundesparteitag die nationalkonservativen Kräfte in der AfD klar durchgesetzt. Zur ersten Vorsitzenden wurde die frühere Co-Vorsitzende Frauke Petry aus Sachsen gewählt. Vorangegangen war ein monatelanger Machtkampf zwischen Petry und Lucke, der eher für liberal-konservative Ansichten steht.

Wie schon bei der AfD-Gründung soll die Europapolitik eine zentrale Rolle spielen. Der Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel sprach sich im Vorhinein dafür aus, Alfa vor allem als Anti-Euro-Partei in Stellung zu bringen. „Das neue Programm sollte mit der Aussage „Wir sind die einzige Partei, die Alternativen zu und die Kompetenz für eine bessere Euro-Politik hat!“ beginnen. Damit werden wir identifiziert“, sagte Henkel dem Handelsblatt. „Wir sollten dieses Kapital auch bei der Neugründung gut anlegen und nicht zu sehr durch ein Sammelsurium anderer Themen entwerten.“

Tatsächlich startet das Parteiprogramm in der Präambel mit den Worten: „Alfa wurde gegründet, um politische Lösungen für Herausforderungen zu finden, die Deutschland und seine Bürger in einer globalisierten Welt zu meistern haben. Als politische Partei wollen wir den Anforderungen einer hochdifferenzierten, vielschichtigen und pluralistischen Industriegesellschaft gerecht werden, in der es für komplexe Probleme meist keine einfachen Lösungen gibt. Wir wenden uns gegen eine Politik der populistischen Schlagworte, die den unzutreffenden Eindruck vermittelt, dass mit „Schwarzweiß-Denken“ und Pauschalurteilen befriedigende Ergebnisse zu erzielen seien.“ Damit versucht sich Alfa deutlich von den populistischen Untertönen abzugrenzen, die in der AfD zuletzt besonders mit Blick auf die deutsche Einwanderungspolitik aufkamen.

Kommentare (47)

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Herr J.-Fr. Pella

20.07.2015, 07:53 Uhr

Ausgerechnet H. Stegner von der SPD hat es nötig, solche Töne zu spucken.
Er sollte lieber seine SPD auf "Vordermann" bringen, sonst befinden sich diese Genossen mit einem ca. 10%igen Anteil wieder.
Wer nicht "EURO-und Brüssel-hörig" ist oder sein will, findet dort eine politische Plattform, kann man annehmen.
Die Zeit und die Praxis wird es zeigen.

Dirk Meyer

20.07.2015, 08:18 Uhr

Es ist unerträglich, wie die etablierten Parteien mit einem neuen politischen Konkurrenten umgehen. Die Tonart ist nicht zu ertragen. Ob Herr Stegner oder Herr Beck. Sprechen von Chauvinismus, Gülle usw. Wissen die denn überhaupt noch etwas zu sagen? Was war die SPD unter Brandt noch eine Partei. Jetzt ist sie zu einem jämmerlichen Abnickverein verkommen. Geben wir Alfa eine Chance.

Herr Thomas Albers

20.07.2015, 08:25 Uhr

ALFA ist der Prüfstein für alljene, die sich im Sinne der AfD eurofeindlich verorten, aber von rechtem, völkischen sowie von Verschwörungstheorien oder Putinhörigkeit nichts wissen wollen. Das Programm ist weitgehend mit der AfD identisch, ALFA distanziert sich allerdings in der Präambel von rechten Anleihen und Populismus.

Wem die AfD nun zu rechts und populistisch ist, der hat nun eine Alternative. Seriöse Eurokritik gibt's allerdings auch bei der FDP.

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