Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.08.2016

08:20 Uhr

Bertelsmann-Studie

Deutsche Migranten sind ein Jobmotor

Mehr als 700.000 Unternehmer haben Migrationshintergrund. In den vergangenen Jahren haben sie die Stellenzahl um ein Drittel gesteigert. Doch ein Problem bleibt: Sie verdienen weniger als deutsche Unternehmer.

Neue Bertelsmann-Studie

Wachstum der Migranten-Selbstständigkeit ist Jobmotor für Deutschland

Neue Bertelsmann-Studie: Wachstum der Migranten-Selbstständigkeit ist Jobmotor für Deutschland

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

GüterslohUnternehmer mit ausländischen Wurzeln sorgen in Deutschland für eine wachsende Zahl von Jobs. Die Zahl der Arbeitsplätze, die durch Selbstständige mit Migrationshintergrund geschaffen wurden, ist zwischen 2005 und 2014 um mehr als ein Drittel von 947.000 auf 1,3 Millionen Stellen gestiegen, wie aus einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Die Zahl der Unternehmer mit Migrationsgeschichte stieg im selben Zeitraum um ein Viertel auf 709.000 Personen. Das sei umso bemerkenswerter, da im Vergleich zu 2005 der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Bevölkerung nur um knapp neun Prozent gewachsen sei.

Wie groß die Effekte für den Arbeitsmarkt sind, hängt dabei stark vom jeweiligen Bundesland ab: Besonders deutlich stieg die Zahl der Jobs durch Migrantenunternehmen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Berlin. Auf niedrigem Niveau ging sie jedoch in den ostdeutschen Flächenländern zurück, ebenso in Niedersachsen, Hamburg und Rheinland-Pfalz.

Auch in welcher Branche sich Menschen mit Zuwanderungsgeschichte selbstständig machen, wandelt sich: „Wer an Migrantenökonomie in Deutschland denkt, denkt oft noch immer am ehesten an den Kiosk um die Ecke oder das Chinarestaurant, in dem die ganze Familie mitarbeitet. Die Daten zeigen, dass wir uns mehr und mehr von diesen Klischees verabschieden können“, sagte Studienleiter Armando Garcia Schmidt von der Bertelsmann-Stiftung.

So ist laut Studie der traditionell hohe Anteil der Selbstständigen mit ausländischen Wurzeln im Handel- oder Gastgewerbe im Vergleich zu 2005 um zehn Prozent zurückgegangen (auf 28 Prozent im Jahr 2014) – zugunsten anderer Dienstleistungsbereiche, des Baus oder verarbeitender Betriebe. Es zeige sich, dass Migrantenunternehmer auch außerhalb von Niedriglohnsektor und arbeitsintensiven Tätigkeiten einen unternehmerischen Beitrag leisteten: „Das geht vom Steuerberater, über den Start-up-Gründer bis hin zum erfolgreichen Maschinenbauer“, sagte Garcia Schmidt.

Gleichzeitig sei Selbstständigkeit für Zuwandererfamilien ein Treiber für Einkommen: Sie verdienen als Unternehmer im Schnitt mit 2.167 Euro netto pro Monat 40 Prozent mehr als angestellte Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund. Im Vergleich zu Menschen ohne Zuwanderergeschichte klafft jedoch eine Lücke. Zuwanderer und ihre Nachkommen erzielen in Deutschland im Schnitt ein rund 30 Prozent niedriges Einkommen als Menschen ohne Zuwanderergeschichte.

Gründe hierfür sehen die Experten im durchschnittlich niedrigeren Bildungsniveau von Migrantenunternehmern. Da sie länger am Markt seien, hätten viele einheimische Unternehmer auch einen Vorsprung, erklärt Garcia Schmidt. „Gerade beim Vordringen in die ertragreicheren Branchen beginnt die Aufholjagd von Zuwanderern erst jetzt.“ Bildung sei hier der entscheidende Schlüssel, wie auch der Blick in die Bundesländer zeigt. Je besser ausgebildet die Selbstständigen Zuwanderer in einem Land sind, desto höher sei häufig die Selbstständigenquote.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×