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13.12.2012

12:14 Uhr

Bertelsmann-Studie

Deutsche Mittelschicht schrumpft weiter

Eine neue Studie zeigt: Immer weniger Menschen schaffen den Aufstieg aus den unteren Einkommen in die Mittelschicht. Zudem haben insbesondere Reiche von den Steuerreformen der Vergangenheit profitiert.

Die Studie zeigt, dass die sogenannte Mittelschicht immer kleiner wird. dpa

Die Studie zeigt, dass die sogenannte Mittelschicht immer kleiner wird.

BerlinDie deutsche Mittelschicht schrumpft: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sank seit 1997 um 5,5 Millionen Menschen oder von 65 auf 58 Prozent. „Immer weniger Menschen gelingt der Aufstieg aus den unteren Einkommen in die Mittelschicht“, lautet das Fazit einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Und selbst eine gute Ausbildung ist heute Garant mehr für ein Leben in gesichertem Wohlstand.“ Jeder Vierte in der Mittelschicht habe die latente Sorge, seinen Status zu verlieren.

Der Aufstieg in die Mittelschicht gelingt demnach immer seltener. „Die Mitte wächst nicht mehr durch einen Zustrom aus unteren Einkommensschichten“, so die Forscher. Gleichzeitig verfüge die Mittelschicht aber über zunehmend bessere Bildung und höhere berufliche Positionen, was Aufstiegschancen aus der Mitte heraus nach oben eröffne. „Auch aus diesem Grund schrumpft die Mittelschicht.“ Allerdings gebe es deutlich mehr Abstiege als Aufstiege. Untere Einkommen der Mittelschicht seien zudem gefährdet, in einkommensschwache Bereiche abzurutschen.

Auch die Steuerpolitik trägt den Forschern zufolge eine Mitschuld daran, dass die Mittelschicht schrumpft. Von den seit Mitte der 1990er Jahren durchgeführten Steuerreformen hätten vor allem Reiche profitiert. „Die Mittelschicht wurde dagegen deutlich weniger von den geänderten Steuertarifen entlastet.“ Arbeitsmarktreformen und der Rückgang normaler Arbeitsverhältnisse seien eine weitere Ursache. „Die entstandenen atypischen Beschäftigungsverhältnisse sind in der Regel durch eine unterdurchschnittliche Entlohnung gezeichnet“, hieß es. Hinzu komme der Trend zu mehr Ein-Personen-Haushalten. Diese führten zu größerer Einkommensungleichheit, „da keine Ersparnisse durch gemeinsames Wirtschaften wie in größeren Haushalten erzielt werden“.

Die Studie beruht auf dem sogenannten sozioökonomisches Panel, für das jährlich 20.000 Erwachsene Befragt werden. Zur Mittelschicht gehört, wer zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Das sind beispielsweise Familien mit zwei Kindern unter 18, die rund 2400 bis 5100 Euro monatlich zur Verfügung haben.

Von

rtr

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

13.12.2012, 13:08 Uhr

Wer hätte das jetzt erwartet? Jedenfalls ist klar: die deutsche Mittelschicht braucht einen Rettungsschirm.

Wie wärs damit:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/hilfsgeldzahlungen-eurogruppe-gibt-34-milliarden-euro-fuer-athen-frei/7516544.html

Hagbard_Celine

13.12.2012, 13:44 Uhr

Nicht das was wir verdienen macht uns vermögend, sondern das was wir sparen.

Ein Raucher gibt pro Jahr über 1000 Euro aus, in 50 Jahren kommen so mit Zinsen weit über 100,000 Euro zusammen.

Wer rauchen kann, kann sparen und wer sein Geld halbwegs vernünftig in Aktien anlegt kann mit einer langfristigen Rendite über 8% rechnen.

So gesehen könnte man sich anstelle des Rauchens in den meisten Gegenden eine ETW leisten.

Auslaender

13.12.2012, 13:55 Uhr

Tja, traurig aber wahr. Wie definiert sich aber Mittelschicht? Welches Einkommen oder Vermögen macht die Mittelschicht aus? Nach meiner persönlichen Definition bin ich: Im Ausland lebend, 50J. verheiratet, 2 Söhne beide Akademiker; untere Mittelschicht. Einkommen schwankend zwischen 160 000 u. 200 000 p.a. je nach Jahresbonifikation. Vermögen ca. 1 Mio. angelegt in zusätzlicher privater Altersvorsorge/Pensionskasse und Wertpapieren, 100k als Barvermögen. Die obere Mittelschicht würde ich als nicht mehr vom Erwerbseinkommen abhänig bezeichnen. Die kann von der Rendite ihres Vermögens leben. Ich jedenfalls nicht.

Leider habe ich oft den Eindruck viele definieren sich mit dem Kreditkauf eines Mittelklasse Automobils als Mittelschicht. Kleiner Scherz.

Der Staat legt seine Definition der Mittelschicht grosszügig nach unten aus. Nach der Devise: Zählt der Steuerzahler zur Mittelschicht ist er bereit dafür eine höhere Steuerbelastung zu tragen, definiert er die eigentliche Unterschicht zur Mittelschicht. Desgleichen ist die Ignoranz der Kalten Progression durch die Fiskalbehörde gerade für die untere Mittelschicht der Grund des Absackens. Es kann schlicht zuwenig Vermögen mit dem Einkommen aufgebaut werden.

Hingegen kann gesagt werden. Beamte sind generell Mittelschicht. Sie sind durch einen liebevollen Vater Staat gut versorgt. Sie sind nicht Altersarmut gefährdet oder durch eine starke Inflation. Denn Pensionisten bekommen dieselbe Erhöhung der Pension wie aktive Beamte.

Das ist die deutsche staatlich verordnete Gerechtigkeit.

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