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20.08.2013

12:35 Uhr

Bertelsmann-Studie

Oberhausen ist das deutsche Detroit

Unter den Top Ten der höchstverschuldeten Städte in Deutschland sind je fünf aus NRW und Rheinland-Pfalz. Die regionale Schere geht immer weiter auseinander. Vergleichsweise gut stehen die ostdeutschen Städte da.

Oberhausen hält einen traurigen Rekord: Die Stadt ist deutscher Schuldenmeister. dpa

Oberhausen hält einen traurigen Rekord: Die Stadt ist deutscher Schuldenmeister.

GüterslohDie finanzielle Schieflage der Kommunen in Deutschland hat sich einer Studie zufolge bis zum Jahr 2011 dramatisch verschärft. Von 2007 bis 2011 sei der Schuldenberg der Städte und Gemeinden von 111 auf 130 Milliarden Euro gewachsen, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Analyse der Bertelsmann Stiftung. Gleichzeitig nahmen die Unterschiede zwischen reichen und armen Kommunen drastisch zu.

„Die Schere geht weiter auseinander“, sagte René Geißler, Finanzexperte und Mitverfasser der Studie. Die Kassenlage der Kommunen unterscheidet sich demnach von Bundesland zu Bundesland erheblich. In Sachsen – dem einzigen Bundesland, dessen Kommunen seit 2007 die Kassenkredite spürbar reduzieren konnten – beträgt die kommunale Verschuldung durch Kassenkredite 13 Euro pro Einwohner. Im Saarland liegt sie hingegen bei 1754 Euro pro Kopf. Auf dem dritten Platz kommt NRW mit 1216 Euro, weit über dem Durchschnitt von 580 Euro.

Unter den Top Ten der höchstverschuldeten Städte Deutschlands sind je fünf aus NRW und Rheinland-Pfalz. An der Spitze steht Oberhausen mit 6870 Euro pro Kopf. Die bedrohlichsten Anstiege zwischen 2007 und 2011 verzeichneten der Kreis Herford und die Stadt Gelsenkirchen, die ihre Bestände pro Einwohner jeweils verfünffachten. In keiner kreisfreien Stadt oder Landkreis in NRW sanken die Kassenkredite.

Die deutschen Schuldenhochburgen (Stand: August 2013)

Platz 10

Auf dem zehnten Platz befindet sich die Stadt Essen. Mit Kassenkrediten von rund 3766 Euro pro Einwohner ist die Stadt zwar hoch verschuldet, im Jahr 2007 belegte sie allerdings noch Platz 9.

Platz 9

Auch Mainz ist hoch verschuldet. Mit Kassenkrediten von rund 3857 Euro pro Einwohner belegt die Stadt den neunten Platz. Im Jahr 2007 belegte sie Platz 8.

Platz 8

Ludwigshafen belegt mit 4043 Euro Kassenkredite pro Einwohner den achten Platz. 2007 war es noch Platz 7.

Platz 7

Die Einwohner in Wuppertal haben Kassenkredite von rund 4215 Euro pro Einwohner. Damit belegt die Stadt Platz 7.

Platz 6

Der sechste Platz geht an Zweibrücken. Die Einwohner hier haben Kassenkredite von rund 4230 Euro pro Kopf. Zum Vergleich: 2007 war Zweibrücken auf Platz 12 zu finden.

Platz 5

Remscheid hat sich leicht verbessert: War die Stadt 2007 noch auf den vierten Platz zu finden, ist sie jetzt mit 4998 Euro Kassenkredite pro Einwohner „nur“ noch auf Platz 5.

Platz 4

Auch Hagen hat sich verbessert: 2007 hat die Höhe der Schulden noch für Platz 3 gereicht, mittlerweile befindet sich die Stadt mit Kassenkrediten von 5618 Euro pro Einwohner auf dem vierten Platz.

Platz 3

Der dritte Platz geht an Kaiserslautern. Mit 6040 Euro Kassenkredite pro Einwohner schafft es die Stadt damit unter die ersten drei im Ranking. 2007 lag Kaiserlautern allerdings noch auf Platz 2.

Platz 2

Pirmasens ist ein echter „Aufsteiger“: Von Platz 5 im Jahr 2007 bis zu Platz 2 im Jahre 2013. Allerdings ist es kein Aufstieg der guten Sorte. Die Kassenkredite pro Einwohner betragen 6215 Euro.

Platz 1

Oberhausen bleibt auf dem ersten Platz: Mit Kassenkrediten von 6870 Euro pro Einwohner hat sich die Stadt nicht verbessert - auch 2007 war Oberhausen Platz 1 im Ranking.

Vor kurzem sorgte die Stadt Detroit in den USA für Aufsehen. Dort waren die Schulden so hoch, dass die Stadt sie nicht mehr tragen konnte und Pleite ging. Ein solcher Fall ist in Deutschland allerdings gesetzlich ausgeschlossen. Im Extremfall müssen die Länder für ihre Kommunen und der Bund für die Länder einstehen.

In NRW ballen sich laut der Studie die Problemlagen in den kreisfreien Städten, vor allem im Ruhrgebiet. Auf der anderen Seite gebe es auch in NRW gesunde Regionen wie das Münsterland oder Ostwestfalen. Oft sei die genaue Höhe des Defizits schwer zu erkennen, weil fast 60 Prozent der Schulden ausgelagert wurden, etwa in Beteiligungen an Versorgungs- oder Wohnungswirtschaftsunternehmen, heißt es im Finanzreport. Um zu verhindern, dass bislang stabile Kommunen in die Verschuldung abrutschen, empfehlen die Autoren, eine kommunale Schuldenbremse in den Kommunalverfassungen zu verankern.

Der Studie basiert auf den amtlichen Rechnungsergebnissen. Danach ist der Anteil der Kassenkredite an den Gesamtschulden zwischen 2007 und 2011 von einem Viertel (29 Milliarden Euro) auf gut ein Drittel (44 Milliarden Euro) gestiegen. Höhere Kassenkredite führen zu weniger Spielraum für Investitionskredite. Das hemmt den Bau und die Instandhaltung von Straßen, Schulen und sonstiger Infrastruktur. In Ländern mit steigenden Kassenkrediten wie Nordrhein-Westfalen und dem Saarland lägen die kommunalen Bauausgaben mittlerweile ein Drittel unter dem Bundesdurchschnitt.

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Kommentare (38)

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Tabu

20.08.2013, 13:03 Uhr

In Sachsen,beträgt die kommunale Verschuldung 13 Euro pro Einwohner.
In NRW mit 1.216 Euro, weit über dem Durchschnitt von 580 Euro.
Die Autoren empfehlen, eine kommunale Schuldenbremse zu verankern
----------------
Ich würde eine Zuzugsbremse empfehlen.
Möge Sachsen,noch lange verschont bleiben.


Account gelöscht!

20.08.2013, 13:19 Uhr

So isses.

Nicht nur massenhaft Gewaltverbrechen an Deutschen; uns wird abgepreßt, die rundum zu versorgen und zu bezahlen. Da wir soviel Geld nicht mehr aufbringen können, verschuldet sich der Staat bei der Finanzoligarchie, die das natürlich ideal finden. Besser als jeder Goldesel.

Account gelöscht!

20.08.2013, 13:22 Uhr

Die Saat wurde in den 70er und 80er Jahren im roten Filz gelegt. Massenweise Spaßbäder und anderer Unfug, den man sich nicht leisten konnte. Heute stöhnt man über die Folgen und tut so, als seien sie vom Himmel gefallen.

Je mehr SPD-Einfluss, desto schlechter die Finanzen.

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