Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.03.2012

09:22 Uhr

Berufsbildungsbericht

Immer weniger Betriebe bilden aus

Die deutsche Wirtschaft klagt über den Fachkräftemangel, bildet aber immer weniger aus. Laut DIHK fehlt es an Bewerbern. Der DGB widerspricht und bemängelt wenig Engagement.

Schüler informieren sich beim „Tag der Berufe“ in Erfurt. dpa

Schüler informieren sich beim „Tag der Berufe“ in Erfurt.

MünchenTrotz des Fachkräftemangels bilden immer weniger Betriebe aus. Das geht aus dem Entwurf des Berufsbildungsberichts 2012 hervor, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch zitierte. Demnach bildeten 2010 nur knapp 22,5 Prozent der Firmen aus, 2009 waren es noch 23,5 Prozent gewesen. Auch 2009 und 2008 war die Zahl der Ausbildungsbetriebe bereits gesunken. Das Kabinett will den Bildungsbericht laut „SZ“ Anfang April verabschieden.

Die Zahlen beruhen auf Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA). Danach hatten 2010 knapp 470.000 Firmen in Deutschland mindestens einen Auszubildenden - bei insgesamt 2,08 Millionen Betrieben mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 2009 zählte die BA laut Bericht noch 485.000 Ausbildungsbetriebe, 2008 waren es 494.000.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begründete die Entwicklung mit dem Rückgang der Zahl der Schulabgänger. Zugleich gebe es einen Trend zum Hochschulstudium, sagte DIHK-Ausbildungsexperte Thilo Pahl der Zeitung. Deshalb gebe es weniger Bewerber. Wenn Betriebe keine Auszubildenden mehr fänden, fielen sie auch als Ausbildungsbetriebe aus.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock dagegen sagte der Zeitung, die Wirtschaft könne ihr sinkendes Engagement in Sachen Ausbildung nicht mit dem demografischen Wandel begründen. „Bewerber gibt es genug.“ In Wahrheit übersteige die Zahl der unversorgten Bewerber die Zahl der offenen Plätze um mehr als das Doppelte.

Von

afp

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Vlady

07.03.2012, 10:10 Uhr

Die jungen Leute werden doch heutzutage derart dumm aus der Schule entlassen, dass sie einfach nicht ausbildungsfähig sind.
Beweis: TV-Sendung. 6 Bewerber, Frage: 2.5m x 1m, ? qm
Antwort: 1 falsch und 5 x Schweigen.

So sieht es aus.

Account gelöscht!

07.03.2012, 11:33 Uhr

Die Mär vom Fachkräftemangel.
Aber nein, es gibt den Mangel : an jungen, billigen , ausbeutbaren Fachleuten, die schon fertig geschult ankommen und in die man Nichts mehr investieren muß.
Akademiker ab 50 sind keine Fachkräfte sondern gesellschaftlicher Sondermüll. Das ist die Moral der Wölfe (oder heißt es jetzt neudeutsch Wulfe :-)

Gurkenschwurbler

07.03.2012, 11:47 Uhr

Mich wundert es nicht.

In meinem Betrieb haben wir teilweise bis zu 30 Lehrlinge gleichzietig ausgebildet(Spezialchemie, Mittelstand).

Mich hat ein Lehrling fast so viel gekostet wie ein ausgebildeter Facharbeiter. Der Betrieb musste die Kosten dafür übernehmen, dass die gesamte theoretisch überfrachtete Ausbildungspalette des Lehrberufes abgedeckt wurde. Dazu gehörten Laborstunden und Beschulung, die wir im Betrieb nicht selbst abdecken konnten. Außerdem müssen wir dann noch eine angemessene Betreuung der Frischlinge im Unternehmen sicher stellen.

Handwerks- und Handelskammer quatschen mit rein. Außerdem wissen die Berufsschullehrer die Sachen auch noch "besser" als unsere Fachleute, die mit 20 Jahren Berufserfahrung den Arbeitsplatz ausfüllen.

Wir konnten uns von einem jungen Mann, der ständig zu spät kam, krank feierte und durch sein unmotiviertes Verhalten die anderen Mitauszubildenden "runterzog" nicht trennen. Laut Arbeitsrichter hätte er nach drei schriftlichen Abmahnungen und unzähligen Ermahnungen im Betrieb noch eine "Chance" verdient. Man müsse doch die "Konsequenzen" sehen. Außerdem seien von uns Formalien im Kündigungsprozess nicht eingehalten worden.

Die Regelungen für Auszubildende im Arbeitsrecht sind vollkommen durchgeknallt und überfrachtet. Die Ausbildung in etlichen Teilen sinnentleert und praxisfern.

Haben wir uns durch die gesamte Ausbildung durchgebissen, gehen die jungen Leute woanders hin, weil es näher am Wohnort liegt, weil man 10 Cent pro Stunde mehr verdient, weil woanders die Vorgesetzten netter sind.... Loyalität gegenüber dem Ausbildungsbetrieb gibt es nicht mehr. Es besteht eine einzige Anspruchshaltung bei den jungen Leuten, die von Medien und Politik auch noch geschürt wird.

Wir bilden nicht mehr aus. Ende der Durchsage.

Es braucht sich niemand zu wundern, wenn wir mit Deutschlands Freizeitgesellschaft den Bach runtergehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×