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01.06.2011

15:41 Uhr

Berufsordnung

Ärztekammer will Medizinern Sterbehilfe verbieten

Vertreter des deutschen Ärztetages haben sich gegen Sterbehilfe durch Ärzte ausgesprochen. Die Bundesärztekammer legt dazu einen Beschluss vor, der es Ärzten verbieten könnte, einem Todkranken beim Suizid zu helfen.

Todkranke Patienten sollen von Ärzten keine Hilfe beim Sterben bekommen dürfen. Quelle: ap

Todkranke Patienten sollen von Ärzten keine Hilfe beim Sterben bekommen dürfen.

KielÄrzte sollen auch todkranken Patienten ohne Hoffnung keine Hilfe beim Sterben leisten dürfen. Eine entsprechende Änderung der Berufsordnung sollten die Delegierten des 114. Ärztetags in Kiel am Mittwoch beschließen. Die Spitze der Ärztekammer rief zur Zustimmung in dieser ethisch heiklen Frage auf. Die ebenso umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) wollen die Ärzte in engen Grenzen zulassen. Angesichts des Mangels an Spenderorganen sollen die Bürger nach Vorstellung der Mediziner sich zu Lebzeiten zu ihrer Spendebereitschaft erklären.

"Wir wollen keine Öffnung zum ärztlich assistierten Suizid", sagte Kammervize Frank Ulrich Montgomery. "Der Vorstand der Bundesärztekammer hat einen Beschlussvorschlag erarbeitet, der unmissverständlich klarstellt, dass Ärzte keine Hilfe zur Selbsttötung leisten dürfen." Nach der bisherigen Berufsordnung dürfen Ärzte das Leben des Sterbenden "nicht aktiv verkürzen".

Nun soll es heißen: "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten." Doch in der Ärzteschaft gibt es auch Fürsprecher für eine Regelung, die einem Arzt erlaubt, einem Todkranken beim Suizid zu unterstützten - etwa mit tödlichen Medikamenten, die der Patient selbst einnimmt. In einer von der Kammer selbst in Auftrag gegebenen Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2009 waren 30 Prozent für so eine Regelung.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, Fälle, bei denen ein ärztlich assistierter Suizid vorkomme, würden selten bekannt. "Das ist ja ein Zweierbündnis, und der eine von beiden verstirbt." Noch vor wenigen Monaten hatte Hoppe gesagt: "Wenn Ärzte mit sich selbst im Reinen sind, brechen wir nicht den Stab über sie." Doch die Berufsordnung ist bindend - Verstöße können zur Aberkennung der Approbation führen.

Der Präsident der Gesellschaft für Palliativmedizin, Friedemann Nauck, zeigte sich zuversichtlich, dass weniger Patienten nach aktiver Sterbehilfe oder Hilfe beim Sterben fragen, wenn die Ärzte mit ihren Patienten offen über deren Ängste sprechen. Zentral sei ein weiterer Aufbau von Palliativmedizin in Deutschland. Dabei zähle auch gute Symptomkontrolle und gute Schmerzlinderung. "Es bestehen Defizite", sagte Nauck. Dies betreffe Ausbildung, Finanzierung und flächendeckende Angebote.

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