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03.01.2017

15:20 Uhr

Beschäftigung

Arbeitslosenzahl so niedrig wie zuletzt 1991

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Jahresdurchschnitt erstmals seit 1991 unter die Marke von 2,7 Millionen gesunken. Auch zum Jahresende lief es auf dem Arbeitsmarkt besser als für diese Zeit üblich.

Arbeitsmarkt

„Wir rechnen 2017 mit noch weniger Arbeitslosen“

Arbeitsmarkt: „Wir rechnen 2017 mit noch weniger Arbeitslosen“

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NürnbergIn Deutschland waren 2016 so wenige Menschen arbeitslos wie seit 25 Jahren nicht mehr. Trotz Flüchtlingszuwanderung und weltwirtschaftlicher Risiken erwies sich der deutsche Arbeitsmarkt als konjunktureller Stabilitätsanker. „2016 war ein starkes Jahr für den Arbeitsmarkt, besser als 2015 und besser als wir erwartet haben“, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Dienstag in Nürnberg. Zugleich dämpfte er die Erwartungen für 2017: „Nach dem guten Jahr 2016 haben wir das Ziel, das Gute zu wiederholen.“ Angesichts der bereits historisch niedrigen Arbeitslosigkeit wäre es schon ein Erfolg, wenn diese nicht steigen würde.

Mit durchschnittlich 2,691 Millionen sei die Zahl der Erwerbslosen auf den niedrigsten Stand seit einem Vierteljahrhundert gesunken, berichtete die BA in ihrer Jahresbilanz. Dies seien 104.000 weniger Menschen ohne Job als im Jahr davor. Abermals gesunken ist auch die Jahresarbeitslosenquote, sie ging um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent zurück. Profitiert habe der Arbeitsmarkt 2016 sowohl von der guten Binnenkonjunktur als auch vom starken Export, sagte Weise.

Robust zeigte sich der deutsche Arbeitsmarkt auch zuletzt im Dezember: Zwar stieg die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen witterungsbedingt um 36.000 auf 2,568 Millionen. Der Anstieg lag aber unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr gab es in Deutschland zum Jahresende 113.000 weniger Jobsucher. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Punkt auf 5,8 Prozent.

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Zählt man allerdings auch jene Jobsucher hinzu, die derzeit Aus- und Fortbildungsmaßnamen absolvieren und daher in der offiziellen Arbeitslosenstatistik nicht auftauchen, gab es im Dezember 3,565 Millionen Menschen ohne Arbeit. Die sogenannte Unterbeschäftigung war zuletzt durch die steigende Zahl erwerbsloser Flüchtlinge, die derzeit noch an Sprach- und Eingliederungskursen teilnehmen, spürbar gestiegen.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zeigte sich in ihrem Ausblick am Dienstag dennoch zuversichtlich: „Es spricht viel dafür, dass der Arbeitsmarkt auch im neuen Jahr aufnahmefähig und der Schwung erhalten bleibt“, heißt es in einer Erklärung der Ministerin. Zwar wirkten sich die Wintermonate Januar und Februar dämpfend aus. „Aber die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt ungebrochen, sie steigt zum Jahresende nochmals an und liegt deutlich über dem Vorjahr“, betonte Nahles.

Erneut leicht gestiegen ist die Zahl der Flüchtlinge, die auf eine Arbeit hoffen. Insgesamt waren im Dezember 425.000 als arbeitssuchend registriert, 164.000 davon galten als arbeitslos. Ihre Zahl ist binnen eines Jahres um gut 60.000 gestiegen. Zugleich finden aber auch immer mehr Flüchtlinge eine Arbeit. Im Oktober 2016 hatten zuletzt 123.000 Menschen aus acht Asylherkunftsländern außerhalb Europas einen sozialversicherungspflichtigen Job - 37.000 mehr als im Oktober 2015.

Nicht mehr ganz so rasant wie in der ersten Jahreshälfte 2016 stieg zuletzt die Zahl der Erwerbstätigen. Mit 43,82 Millionen lag sie im November nur noch um 297 000 höher als vor einem Jahr. Dasselbe gilt für die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze: Ihre Zahl lag nach Hochrechnungen der Bundesagentur im Oktober bei 31,73 Millionen - und damit nur noch um 363.000 höher als vor einem Jahr. Im Juni 2016 hatte der entsprechende Zuwachs noch bei 602.000 gelegen.

Forderungen des Bunds der Steuerzahler nach einer Senkung der Arbeitslosenbeiträge wies Weise derweil zurück. Er erinnerte dabei an die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2009 und 2010. „Damals haben wir ohne Steuer- und Beitragsmittel rund 17 Milliarden Euro aus den BA-Rücklagen gegen die Krise geschoben“, sagte Weise. Mit dem Geld seien damals Kurzarbeitergeldprogramme finanziert worden, um Entlassungen im größeren Stil zu verhindern. „Daher stellt sich für mich momentan nicht die Frage, jetzt das Geld zu verteilen.“

Die Bundesagentur hatte im Jahr 2016 erneut einen größeren Überschuss erwirtschaftet und damit ihre Rücklagen auf mehr als 11 Milliarden Euro erhöht. Der Bund der Steuerzahler hatte sich daraufhin dafür ausgesprochen, den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung von derzeit 3,0 auf 2,5 Prozent zu senken. Für eine Beitragssenkung hatten sich auch der Freiburger Ökonom und „Wirtschaftsweise“ Lars Feld und der Vizechef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Michael Fuchs, ausgesprochen.

Von

dpa

Kommentare (11)

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Herr Hans-Jörg Griesinger

03.01.2017, 10:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Tim H

03.01.2017, 10:19 Uhr

Und wem haben wir die guten Arbeitsmarktzahlen zu verdanken?
GERHARD SCHRÖDER!
Schade, dass die SPD denkt sie müsste es der SED/Linke Recht machen und so jegliche Bindung zu den Steuerzahlern verliert.

Lothar dM

03.01.2017, 10:43 Uhr

Stimmt, die reine "Arbeitslosenzahl" ist nicht ehrlich für einen vergleich mit den 1990ern. Man muss mindestens die H4 dazu zählen. Auch der Blick auf die geleisteten Arbeitsstunden seit 2000 zeigt, dass es faktisch keine Zunahme gab, ergo die Arbeit nur auf mehr Menschen verteilt wurde, Stichwort aus Vollzeitjobs wurden Teilzeitjobs! Das ist die Wahrheit hinter der Fake News vom Jobwunder

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