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16.01.2015

14:44 Uhr

Beschluss in Schwerte

Flüchtlinge im ehemaligen KZ

Wider der Erinnerung: Ungeachtet heftiger Kritik werden Flüchtlinge in die Schwerter Außenstelle des berüchtigten KZs Buchenwald einziehen. Schwerte ist nicht die einzige Stadt, die Flüchtlinge im KZ unterbringen will.

Die Baracke des ehemaligen Außenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald in Schwerte: In dem Gebäude will die Stadt Flüchtlinge unterbringen. dpa

Die Baracke des ehemaligen Außenlagers des Konzentrationslagers Buchenwald in Schwerte: In dem Gebäude will die Stadt Flüchtlinge unterbringen.

Schwerte/DüsseldorfDürfen Flüchtlinge auf einem Areal untergebracht werden, das die Nazis teilweise als KZ-Außenlager genutzt haben? Die nordrhein-westfälische Stadt Schwerte sagt ja.Als bekannt wurde, dass die Ruhrgebietsstadt Schwerte Asylsuchende in einer Baracke auf dem Gelände eines ehemaligen KZ-Außenlagers unterbringen will, gab es einen Aufschrei. Anfangs hieß es sogar, das dafür vorgesehene Gebäude sei eine ehemalige Baracke der SS-Wachmannschaft.

Das habe sich als falsch erwiesen, sagt Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU). Die Auswertung von Luftbildaufnahmen habe jetzt ergeben, dass das Haus erst in den 50er Jahren gebaut worden sei. Die ursprünglichen Lagerbaracken seien nach dem Krieg abgerissen worden.

Der Bürgermeister war überrascht, dass Berichte über Schwerte um die Welt gingen. Er wehrt sich jetzt gegen die Verurteilungen und hat dazu die Rückendeckung des Rates, nur die Linken sind kurzfristig ausgeschert. Die Stadt habe ihre Vergangenheit beispielhaft aufgearbeitet und sogar eine Gedenkstätte errichtet.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

„70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dürfen nicht alle Gebäude tabu sein“, sagt Böckelühr und: „Wir haben in Schwerte keinen Nachholbedarf an Erinnerungskultur.“ Die Revierstadt ist auch nicht allein mit ihrem Vorhaben.

Schon im Herbst verfolgte Augsburg einen ähnlichen Plan. Und das Vorhaben ist noch aktuell. Bis auf Politiker aus dem linken Spektrum stört das in der schwäbischen Stadt wohl auch niemanden im Rathaus. „Die Stimmung in der Politik ist gut“, heißt es. Zurzeit wird eine Analyse erstellt, ob das Gebäude, das zuletzt von der US-Armee als Bibliothek genutzt wurde, geeignet ist. Ein Aufregerthema ist das in Augsburg nicht.

In Schwerte kommen Stadtrat und Bürgermeister nicht so glimpflich davon. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach mit Vertretern jüdischer Verbände und appellierte anschließend an die Stadtoberen, die Entscheidung zu überdenken. Zuvor hatten schon ihr Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) und der Landes-Flüchtlingsrat von dem Vorhaben abgeraten.

Kommentare (1)

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Frau Margrit Steer

16.01.2015, 16:44 Uhr

Naja, ob das so richtig ist, da habe ich aber meine Zweifel

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