Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.07.2012

14:40 Uhr

Beschneidungen

Bundesregierung will schnell Rechtssicherheit

Körperverletzung oder schützenswertes religiöses Ritual? Das Beschneidungsverbot eines Kölner Gerichts empört jüdische und muslimische Organisationen. Die Bundesregierung feilt an einer klaren rechtlichen Grundlage.

Chirurgische Instrumente werden zurechtgelegt, vor einer jüdischen Beschneidungszeremonie für einen acht Tage alten Jungen. dpa

Chirurgische Instrumente werden zurechtgelegt, vor einer jüdischen Beschneidungszeremonie für einen acht Tage alten Jungen.

BerlinDie Bundesregierung will schnell Rechtssicherheit für religiöse Beschneidungen schaffen. „Wir wissen, da ist eine zügige Lösung notwendig, da kann nichts auf die lange Bank geschoben werden“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. „Verantwortungsvoll durchgeführte Beschneidungen müssen in diesem Land straffrei möglich sein.“

Seibert und das Justizministerium wollten sich aber noch nicht festlegen, wie eine rechtliche Klarstellung aussehen kann. SPD und Grüne setzen sich für eine Gesetzesinitiative ein. Auch aus der FDP kam bereits eine entsprechende Forderung.

Das Landgericht Köln hatte Beschneidungen als Körperverletzung gewertet und damit Empörung bei jüdischen und muslimischen Organisationen auch im Ausland hervorgerufen. Sowohl im Judentum als auch im Islam ist die Beschneidung von Jungen ein Ritual mit langer Tradition.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, warnte vor verheerenden Auswirkungen, sollte sich das Kölner Urteil in der deutschen Rechtsprechung durchsetzen. „Wenn sich der Tenor des Gerichtsurteils bestätigt, würde jüdisches Leben in Deutschland wirklich auf Dauer unmöglich gemacht“, sagte Graumann. „Das bitte ich sehr ernst zu nehmen.“ Besonders verletzend sei der Vorwurf, dass den Kindern Schaden zugefügt würde. Die jüdische Liebe zu Kindern sei legendär. Da werde absolut keine Nachhilfe benötigt.

Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Beschädigung des Ansehens Deutschlands in der Welt bei anhaltender Rechtsunsicherheit. „Es muss klar bleiben, dass in Deutschland die freie Religionsausübung geschützt ist. Dazu zählt auch der Respekt religiöser Traditionen“, erklärte er.

SPD und Grüne machten sich für eine gesetzliche Klarstellung stark. „Religionsbedingte Beschneidungen bei Jungen dürfen in Deutschland nicht strafbar sein“, erklärten SPD-Chef Sigmar Gabriel und die Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion, Brigitte Zypries.

„Es kann nicht sein, dass Jahrtausende alte Traditionen von Millionen von Menschen auf diese Weise in Deutschland infrage gestellt werden.“ Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast erklärte, die Fraktionen müssten sich sehr bald zusammensetzen, um nach einer Lösung zu suchen.

Von

dpa

Kommentare (21)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.07.2012, 15:09 Uhr

Wo steht denn bitte in einem Koran dass Kinder zu beschneiden sind? oder wo lesen jüdische Glaubensgemeinschaften diesen Unsinn? Das Kind soll über solche Eingriffe einmal selbst entscheiden wenn es 16 ist von mir aus.

Was kommt denn als nächstes? Neugeborenen Silikonbrüste implantieren weil die Scientology das als Glaubensrecht sieht? oder was? Wo leben wir denn bitte?

karma

13.07.2012, 15:13 Uhr

grauenhaft dieses Land, ein Kind hat weniger Rechte und körperliche Unversehrtheit, als ein Hund. Wir alle sind froh, dass man den kleinen Hunden nicht mehr die Ohren und den Schwanz beschneiden darf. Aber den kleinen Kindern darf man die Vorhaut abschneiden.

Wehe dem Land, wo Tiere mehr Rechte als ein Mensch haben.

KARMA

13.07.2012, 15:15 Uhr

Wir leben in einem Land, wo Dummschätzer sich zu Sachen äußern dürfen, von denen sie NUR eine geBILDete Meinung haben.

Kein Wunder, das ESM sicher kommen wird

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×