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04.08.2011

20:00 Uhr

„Besorgnis erregend“

Wirtschaftsforscher warnt vor neuer globaler Krise

VonDietmar Neuerer

ExklusivAn den Börsen greift die Sorge vor einer neuen weltweiten Rezession um sich. Die Ängste sind nach Einschätzung des Wirtschaftsforschers Horn nicht unbegründet. Jetzt sei die Politik am Zug, Schlimmeres zu verhindern.

Weltkugel. Quelle: dpa

Weltkugel.

DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben sich angesichts der der dramatischen Verluste an den Börsen in Europa und den USA besorgt geäußert und die Politik aufgefordert, rasch gegenzusteuern. „Die Lage ist Besorgnis erregend. Denn die Panik an den Finanzmärkten kann schnell die Kreditvergabe und die Kreditnachfrage zum Absturz bringen“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. „Dies würde sofort eine globale Krise zur Folge haben.“

 Wichtig sei jetzt, dass die Politik Vertrauen erzeugt, betonte der IMK-Chef. „In Europa heißt dies,  dass der Europäische Rettungsschirm EFSF tätig werden muss, falls Staatsanleihen weiter unter Druck geraten. In den USA sollte die Fed entsprechend intervenieren“, sagte Horn.

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Für hoch verschuldete Länder wie Italien reiche eine neue Finanzpolitik alleine nicht aus. Es seien auch „ganz kurzfristige markttechnische Maßnahmen notwendig, um die Finanzmärkte zu stabilisieren“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Markteingriffe durch den Rettungsschirm EFSF stehen hier an erster Stelle, um selbstverstärkende Spekulationswellen gleich im Entstehen  abzufangen und damit zu verhindern, dass sie sich zu schweren Turbulenzen ausweiten.“

Das schwindende Vertrauen in das Krisenmanagement von Politik und Notenbanken hat am Donnerstag derweil weitere Anleger aus dem Aktienmarkt vertrieben. „Alle wissen, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, aber niemand hat eine Lösung, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist“, sagte ein Börsianer. Daran änderten auch Rettungsschirme und Anleihekäufe nichts. „Denn damit ist die Krise noch lange nicht überwunden.“

In Frankfurt brach der Dax um 3,5 Prozent ein und stürzt auf den tiefsten Stand des Jahres. In der Spitze rutscht der Index um fast vier Prozent auf 6.391 Punkte - das sind noch einmal fast 100 Punkte weniger als auf dem bisherigen Jahrestief aus dem März. In den vergangenen sieben Tagen hat der Dax rund 13 Prozent eingebüßt.

Kater sagte, auch wenn Italien bereits viel Reformbereitschaft und -erfolge vorzuweisen und schon seit zehn Jahren vor Zinszahlungen einen Überschuss im Staatshaushalt habe, verlange die gegenwärtige Marktsituation weitere Anstrengungen. „Mittelfristig müssen die Länder wieder fiskalische Glaubwürdigkeit aufbauen, das gilt nicht nur für Italien.“ Italien müsse hier vor allem das umsetzen, von dem Regierungschef Silvo Berlusconi am Mittwoch gesprochen habe. „Ein solcher Aufbau von Glaubwürdigkeit braucht allerdings Jahre: Schuldenberge, die innerhalb von Jahrzehnten aufgebaut wurden, lassen sich nicht in einem Jahr unsichtbar machen.“

Kommentare (17)

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ariane

04.08.2011, 17:59 Uhr

Diese Leute sind doch alle verrückt. Natürlich ist das Volumen des EFSF zu klein um Italien zu retten. Aber ein Volumen, das Italien retten könnte bedeutet den finanziellen Ruin für die Geberländer. Kurz und gut: Italien muss sich selbst helfen. Schluß mit immer größeren Rettungsschirmen!

herbert1949

04.08.2011, 18:19 Uhr

Die Verantwortungslosen Gesellen in der Politik und der Finanzwirtschaft haben uns doch erst in diese Situation gebracht. Der Fisch stinkt am Kopf. Die Probleme können nicht von denen gelöst werden die uns die probleme bereitet haben.
Muss ein Schweinestall gereinigt werden , müssen erst die Schweine aus dem Stall.

Account gelöscht!

04.08.2011, 18:49 Uhr

Kurzfristige Eingriffe nutzen keinem etwas, wenn man nicht bereit ist, diese langfristig aufrecht zu erhalten. Die EZB und die in Brüssel Handelnden haben jegliche Glaubwürdigkeit am Markt verloren. Sie sind Traumtänzer, die den Karren zielsicher immer noch tiefer in den Dreck schieben. Direkt aus Brüssel - "Ich möchte, dass sie alle gefeuert werden"

http://www.youtube.com/watch?v=n3xKhtph6d4

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