Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2005

13:06 Uhr

Besserung am Arbeitsmarkt nur bei Anspringen der Konjunktur

IfW-Chef Snower rechnet mit bis zu acht Millionen Arbeitslosen

Die Zahl der Arbeitslosen liegt nach Ansicht von IfW-Chef Snower deutlich höher als die Bundesagentur für Arbeit ausweist. Bis zu acht Millionen sind seiner Meinung nach arbeitslos - mit einer Besserung rechnet er nur bedingt.

HB BERLIN. Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist noch schwieriger als die jüngste Arbeitsmarktstatistik ausweist. «Das Problem ist viel größer als die neue Statistik zeigt», sagte der Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Snower geht von tatsächlich sieben bis acht Millionen Arbeitslosen in Deutschland aus. «Es ist jämmerlich und beschämend, dass die Arbeitslosigkeit so lange in Schüben gestiegen ist», sagte Snower. Da «haben wir 30 Jahre zugesehen, ohne richtig Anreize zu schaffen».

Die Hartz-Reformen seien zwar «ein Schritt in die richtige Richtung, aber unvollkommen», kritisierte Snower. Es fehlten die Jobs, um eine Wende am Arbeitsmarkt zu erreichen. Wenn «die Konjunktur nicht anspringt, erwarte ich keine Trendwende am Arbeitsmarkt», betonte Snower.

Der IfW-Chef bekräftigte außerdem seinen Vorschlag, die Vermittlung von Arbeitslosen über die Ausgabe von Beschäftigungsgutscheinen zu beschleunigen, mit denen Arbeitgeber einen Teil der Lohnkosten vom Staat erstattet bekommen sollen. So könnten Arbeitslose schneller vermittelt werden, weil auch Unternehmen einen Anreiz erhielten, Stellen zu schaffen. «Schaffen wir mehr Anreize, dass die Menschen mehr davon haben, wieder in Beschäftigung einzutreten, und überlassen wir es dem Markt zu reagieren», schlug Snower vor.

Am Mittwoch hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Arbeitsmarktdaten für Januar bekannt gegeben und eine Rekordarbeitslosigkeit von mehr als fünf Millionen Arbeitslosen gemeldet. Durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe werden erstmals auch erwerbsfähige frühere Sozialhilfebezieher in der Arbeitslosenstatistik erfasst.

Statistisch ist damit die Arbeitslosenquote deutlich gestiegen: Zwischen 200.000 und 300.000 der erstmals arbeitslos Gemeldeten erhielten früher Sozialhlife. «Wir verstecken sehr viel Arbeitslosigkeit, und jetzt verstecken wir etwas weniger», sagte Snower.

Auch der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz, geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen noch nicht erfasst werde. Franz rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitslosen sieben Millionen beträgt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×