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07.10.2011

15:51 Uhr

Besuch in Athen

Das Schweigen des Herrn Rösler

VonThomas Sigmund

Bei seinem Besuch in Athen gab sich Griechenland-Kritiker Philipp Rösler lammfromm. Offiziell wollte er die Wut nicht weiter anheizen. Hinter den Kulissen aber wurde Tacheles geredet.

Griechen wollen Schulden bei deutschen Firmen zahlen

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AthenMinisterpräsident Georgios Papandreou und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler stellen sich nach ihrem Gespräch gar nicht erst den Fragen der Journalisten. Protokollarische Gründe verhinderten dies, heißt es im Umfeld des Vizekanzlers. Doch hinter verschlossenen Türen trug Rösler dem griechischen Premier in einem gut einstündigen Gespräch die Beschwerden der deutschen Wirtschaft vor. Nur zu seinen Gedankenspielen über eine Insolvenz Griechenlands schwieg der FDP-Vorsitzende.

Stattdessen sagte er, Deutschland wolle „alles tun, um Griechenland in der Eurozone zu halten.“ Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos bedankte sich, indem er Verständnis für das Unbehagen in Deutschland angesichts der möglichen Kosten der Euro-Rettung zeigte. Sein Land werde sicherstellen, „dass alles bis zum letzten Euro zurückgezahlt wird“, versicherte Venizelos.

Für Rösler war die Visite in Griechenland ein  Besuch in der Höhle des Löwen.  Mit seinen Äußerungen zu einer Pleite des Landes  im Vorfeld der Reise hatte er die Griechen gegen sich aufgebracht. Wohl um die Wut nicht weiter anzufachen, hatten Papandreou und Rösler über ihr Gespräch  Verschwiegenheit vereinbart. Doch Teilnehmer des Gesprächs berichteten dem Handelsblatt danach, Rösler habe die Forderungen der mitgereisten deutschen Wirtschaftsdelegation ungeschminkt vorgetragen. Dazu zählen kürzere Genehmigungsverfahren für Projekte, mehr Rechtssicherheit und das Begleichen von alten Rechungen, die deutsche Firmen noch an den griechischen Staat haben. Als Altfälle bezeichnet das Rösler. Papandreou soll eine Lösung in Aussicht gestellt haben, hieß es nun. Rösler verkündete später sichtlich stolz: „Wir können schon in den nächsten Tagen mit konkreten Schritten rechnen“.

Die Pläne des Wirtschaftsministers über eine Insolvenzordnung für von der Pleite bedrohten Euro-Staaten hätten keine Rolle gespielt. Rösler habe wohl die Debatte nicht weiter anheizen wollen, spekulierten die Teilnehmer des Gesprächs.

Kommentare (13)

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Hingucker

07.10.2011, 15:59 Uhr

"Rösler"....die "Maus", die brüllte.

Pseudoaussenminister, statt Wirtschaftsminister, erst will er Libyen retten und jetzt Griechenland, unglaublich und das alles auf Kosten der Allgemeinheit.

berkmann

07.10.2011, 16:36 Uhr

Demonstration gegen den Euro-Rettungswahnsinn in Frankfurt am 22.10.2011
Details unter http://eurodemostuttgart.wordpress.com/

Oder wie lange wollen wir uns das noch bieten lassen?

Novaris

07.10.2011, 16:50 Uhr

In dem ganzen Rettungstrubel scheint untergegangen zu sein, daß die griechische Regierung in den USA 400 Kampfpanzer vom Typ M1A1 Abrams und 75 bis 100 gepanzerte Militärfahrzeuge bestellt hat, die einige 10 Millionen Dollar kosten sollen.
Wofür benötigt Griechenland dieses Schießzeug ??
Es wäre wohl besser gewesen, wenn Herr Rösler noch etwas mit seinem Griechenland-Besuch gewartet hätte, um dann mit der wahrscheinlich neuen Militärjunta über neue Wirtschaftsprojekte, z.B. im Verteidigungssektor, zu verhandeln.

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