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26.04.2012

07:18 Uhr

Betreuungsgeld-Pläne

Kinderschutzbund und Kirche stellen sich gegen Regierung

Die Pläne der Bundesregierung für ein Betreuungsgeld stoßen bei der Evangelischen Kirche und dem Kinderschutzbund auf massive Kritik - ganz besonders eine mögliche Anrechenbarkeit auf die Hartz-IV-Leistungen.

Sollen Eltern für die Betreuung ihrer kleinen Kinder zu Hause Geld vom Staat bekommen? Die Debatte darüber ist lebhaft. dpa

Sollen Eltern für die Betreuung ihrer kleinen Kinder zu Hause Geld vom Staat bekommen? Die Debatte darüber ist lebhaft.

BerlinDer Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD, Nikolaus Schneider, hat sich gegen die Pläne der schwarz-gelben Regierung für ein Betreuungsgeld gewandt. Geld dürfe „nicht an Einzelne ausgezahlt werden“, sondern müsse in den Ausbau von Krippen und Kindertagesstätten fließen, sagte Schneider den „Ruhr Nachrichten“. „Damit kämen wir auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit und zu verbesserten Lebenschancen für benachteiligte Kinder einen guten Schritt weiter.“

Die aktuelle Debatte über die Anrechenbarkeit des geplanten Betreuungsgeldes auf die Hartz-IV-Leistungen „verstärkt das Störgefühl, das ich bei dem Thema habe. Wir müssen doch vor allem fragen: Was dient benachteiligten Kindern?“, sagte Schneider. Elisabeth Bußmann, Präsidentin des Familienbundes der Katholiken, sagte den „Ruhr Nachrichten“: „Wir sehen die Gefahr einer sozialen Schieflage beim Betreuungsgeld. Eine Anrechnung auf Hartz-IV-Leistung benachteiligt die Familien, die das Geld am dringendsten benötigten.“

Professor Chiffre: Familienpolitik ist kein Wunschkonzert

Professor Chiffre

Familienpolitik ist kein Wunschkonzert

Das Betreuungsgeld ist eine verkorkste Idee. Es leistet keinen Beitrag dazu, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern oder die Gründung einer Familie zu motivieren.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, warf der Bundesregierung vor, mit ihren Plänen zum Betreuungsgeld arme Kinder bewusst ins Abseits zu schieben. Im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ warf er Union und FDP eine „Ausgrenzungspolitik“ vor. Mit dem christlichen Menschenbild von CDU und CSU, jeden einzelnen Menschen wertzuschätzen und zu fördern, habe dies wenig zu tun.

Nordrhein-Westfalens SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft appellierte an die Bundesregierung, auf das geplante Betreuungsgeld zu verzichten und stattdessen das Land beim Ausbau der U3-Betreuung zu unterstützen. „Wir brauchen diese Mittel für die Betreuung in Kitas und Krippen“, sagte Kraft der „Rheinischen Post“.

Von

dpa

Kommentare (14)

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Hermann.12

26.04.2012, 08:46 Uhr

In der Tat ist die Ausgrenzung von Hartz IV Empfängern moralisch nicht vertretbar. Das lässt sich nur mit bürokratischen Gründen und Vorurteilen vertreten. Selbst wenn die Vorurteile teilweise zutreffen, ist das keine Rechtfertigung.
Aber auch der Ausbau der der Kinderkrippen und Kindertagesstätten ist kein Argument gegen das Betreuungsgeld.
Hier wird ein widerspruch konstruiert, der nur dahingehend existiert, das Eltern vielleicht dieses Angebot gar nicht wahrnehmen möchten, wohl aber andere Lösungen bevorzugen.
Sollten Krippen und Tagesstätten den Bedarf hinreichend befriedigen, können sie auch mit dem Betreuungsgeld finanziert werden und Eltern werden ein gutes Angebot mit Sicherheit dann auch nutzen.
Hinter dem Anspruch stattdessen Krippen und Tagesstätten zu finanzieren steckt nur das Bewustsein, das eltenr möglicherweise doch nicht so angetan von diesne Angeboten sind, wie das die Forderer gerne hätten.
Sie wollen keine Wahlfreiheit, sie wollen faktischen Zwang.
Sie fühlen sich dazu auch berechtigt, wei lsie der Meinung sind, sie wüßten es besser.
Doch wie sehr sie es besser wissen, kann man gut an 40 Jahren gescheiterte Schulpolitik ablesen.
Angebote die top down gemacht werden, sind eben selten gut. Der wirkliche Bedarf schafft sich seinen Markt selbst.
Der Staat wäre gut beraten sein Angebot an der wirklichen Nachfrage zu orientieren, aber dazu ist er leider nicht im Stande.

H.

Wahlgeschenke_Nein_Danke

26.04.2012, 08:50 Uhr

Stilblüten einer immer irrer werdenden Politik: Betreuungsgeld nur für die "Guten" http://bit.ly/I4XFs1

Piratenpartei lehnt Betreuungsgeld ab: http://bit.ly/IoG7aJ #piraten , auch grade aus diesen Gründen!

Offener Brief an Ministerin Kristina Schröder wegen ihres Buches – nichtmeineministerin.de

Wahlgeschenke Nein Danke. Betreuungsgeld stoppen! BdSt gegen schuldenfinanzierte Politikgeschenke.

Hervorragender Kommentar in der SZ: moderne Zeitpolitik statt Betreuungsgeld http://www.sueddeutsche.de/politik/warum-das-betreuungsgeld-schlechte-familienpolitik-ist-gebt-uns-zeit-nicht-geld-1.1341940

Der Trend zu einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz von öffentlicher Kinderbetreuung ist doch sowieso unaufhaltsam und kann von keinem Betreuungsgeld der Welt verhindert werden. Einfach deshalb, weil hier zwei starke gesellschaftliche Kräfte an einem Strang ziehen: Die Frauen, die heute mit sehr großer Mehrheit und Klarheit darauf bestehen, dass sie sowohl berufstätig sein als auch Kinder haben möchten, und die Unternehmen, die mehr und mehr qualifizierte Fachleute brauchen und nicht länger auf die Human Ressources in Form von gut ausgebildeten jungen Frauen verzichten möchten.

NICHT MEINE POLITIK!!

Betreuungsgeld, immer mehr Ausnahmen u Sonderregelungen machen, weil die Idee wohl doch unnütz ist!

tetsuo

26.04.2012, 10:06 Uhr

Ganz ruhig bleiben. Frau Schröder ist immer noch FAMILIEN- und nicht FRAUENministerin. Zum Glück gibt es doch (noch) einen Unterschied. Auf der Webseite mit dem offenem Breifchen befindet man sich ja wirklich in guter Gesellschaft, wenn man die UnterschreiberInnen mal genau betrachtet. Vom grünen ewig betroffenem Brüllfrosch und halbseidenen "Vereinen" bis hin zum obligatorischen Böotchen der Piraten. Nicht Ihre Ministerin? Zur Kenntnis genommen. Meine schon.

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