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11.07.2013

13:48 Uhr

Betreuungsquote

Schröder sieht beim Kita-Ausbau keine Probleme

Kurz vor dem Stichtag zum Betreuungsanspruch für unter Dreijährige geben sich die Städte und Kommunen gut vorbereitet, Familienministerin Schröder gut gelaunt. Doch noch könnte alles anders kommen.

Glaubt man der Familienministerin Kristina Schröder, wird die Betreuungsquote von rund 39 Prozent ab dem 1. August 2013 erreicht werden. Eltern könnten in Zukunft jedoch weite Strecken bis zur Betreuungsstätte ihres Kindes zurücklegen. dpa

Glaubt man der Familienministerin Kristina Schröder, wird die Betreuungsquote von rund 39 Prozent ab dem 1. August 2013 erreicht werden. Eltern könnten in Zukunft jedoch weite Strecken bis zur Betreuungsstätte ihres Kindes zurücklegen.

Düsseldorf/BerlinEltern in Deutschland haben ab Sommer gute Aussichten auf die Betreuung ihrer Kleinkinder in einer Kindertagesstätte. Vor allem außerhalb der Großstädte stünden zum Stichtag 1. August genügend Kita-Plätze für unter Dreijährige zur Verfügung, während es in Ballungszentren noch zu Engpässen kommen könne, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) am Donnerstag in Berlin. Für das bevorstehende Kita-Jahr hätten die Bundesländer rund 813.000 Kita-Plätze gemeldet und damit bundesweit etwa 30.000 mehr als der veranschlagte Bedarf, sagte Schröder.

Am 1. August tritt ein Rechtsanspruch für Eltern auf Betreuung für Kinder unter drei Jahren in Kraft. Kommunen und Bundesländer hätten in den vergangenen Monaten einen „beachtlichen Endspurt“ hingelegt, um dieses Ziel umzusetzen, sagte die Ministerin.

Bis Frühjahr summierte sich das verfügbare Angebot nach Ministeriumsangaben bereits auf 712.000 Plätze bundesweit. Momentan würden 90.000 weitere Plätze vorbereitet. Mehrere zehntausend davon seien bereits prinzipiell vergabefertig und müssten nur noch die behördliche Betriebserlaubnis erhalten. Die Genehmigungsverfahren liefen derzeit auf Hochtouren. Weitere 11.000 Plätze würden derzeit mit Mitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau eingerichtet.

Die wichtigsten familienpolitischen Leistungen – ein Überblick

Kindergeld und Kinderfreibetrag

Für die ersten beiden Kinder zahlt der Staat jeweils 184 Euro, für jedes dritte Kind 190 Euro und für jedes weitere Kind 215 Euro monatlich. Zusammen mit dem steuerlichen Kinderfreibetrag kostet das den Staat 38,8 Milliarden Euro jährlich (Angaben jeweils für das Jahr 2010). Zuletzt wurde das Kindergeld 2010 um 20 Euro erhöht.

Elterngeld

Bis zu 14 Monate nach der Geburt eines Kindes können Mütter und Väter Elterngeld bekommen. Es orientiert sich am bisherigen Einkommen und beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro im Monat. Nutzt nur einer der Partner die Elternzeit, wird die Leistung für maximal zwölf Monate gezahlt. Im Haushalt schlägt sie mit 4,6 Milliarden Euro zu Buche. Die Elternzeit ist den Analysen zufolge für Väter ein starker Anreiz, sich an der Betreuung zu beteiligen.

Ehegattensplitting

Das Ehegattensplitting, von dem vor allem Paare mit unterschiedlicher Einkommenssituation profitieren, kostet den Fiskus jährlich Einnahmen in Höhe von etwa 20 Milliarden Euro. Umstritten ist die Leistung, weil auch Ehepaare ohne Kinder profitieren.

Kinderbetreuung

Die Kinderbetreuung kostet die öffentliche Hand 16,2 Milliarden Euro. Über 15 Milliarden davon entfallen auf Tageseinrichtungen wie wie Krippe, Kindergarten und Hort. Seit August erhalten Familien, die ihre Kleinkinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr zu Hause betreuen, ein Betreuungsgeld. Für 2014 kalkulierte die Bundesregierung für diese Leistung mit Kosten von 1,2 Milliarden Euro.

Kinderzuschlag

Wenn Eltern wegen des Bedarfs ihrer Kinder in den Hartz-IV-Bezug zu rutschen drohen, haben sie Anspruch auf einen Kinderzuschlag. Die Leistung kann von Elternpaaren mit einem Mindesteinkommen von 900 Euro (Alleinerziehende 600 Euro) in Anspruch genommen werden. Die Höhe bemisst sich nach Einkommen und Vermögen der Eltern und der Kinder; er beträgt höchstens 140 Euro pro Monat. Das Familienministerium weist für die Leistung für das Jahr 2010 knapp 400 Millionen Euro aus.

Sozialversicherung

In der Kranken- und Pflegeversicherung sind nicht erwerbstätige Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert. Dies verursacht Schätzungen zufolge allein bei den Krankenkassen Kosten von etwa 30 Milliarden Euro im Jahr. Für solche versicherungsfremden Leistungen gibt es einen Zuschuss des Bundes, der aber mit etwa elf Milliarden Euro deutlich geringer ausfällt. Die restlichen Kosten fangen alle Versicherten durch ihre Beitragszahlungen auf.

Arbeitslosenversicherung

In der Auflistung der Bundesregierung summieren sich die familienspezifischen Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf gut 1,8 Milliarden Euro, darunter die Kinderkomponenten beim Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld. Quelle: dpa

Zum Stichtag am Monatsersten würden also „zahlenmäßig nahezu ausreichende Kitaplätze“ zur Verfügung stehen, sagte die Ministerin - dies allerdings mit großen regionalen Abweichungen: In den Landkreisen werde der Bedarf fast vollständig gedeckt sein. In den Ballungszentren, wo sich ein besonders hoher Anteil von Eltern für einen Kita-Platz interessiert, könne es zunächst noch Engpässe geben.

Die Stadt Köln hat deswegen bereits im Vorfeld die Betreuungsplätze stärker ausgebaut, als es laut Versorgungsquote notwendig war. Die Stadt sieht daher dem Stichtag eher gelassen entgegen, hat dafür aber ein ganz anderes Problem. „Das Hauptproblem liegt darin, dass Eltern mit dem nicht zugewiesenen Platz zufrieden sind. Es geht darum, einen Platz und nicht unbedingt den Wunschplatz zu finden“, sagt Nicole Turm von der Stadt Köln. Für Eltern bedeutet dies, dass die Betreuungsstätte der Kinder auch weit entfernt vom eigentlichen Wohnort der Familie liegen kann. Rund 11.933 Kitaplätze gibt es aktuell in der Stadt Köln. Davon entfallen 8.463 auf Kindertagesstätten und 3.470 auf Tagesmütter. Damit werden nur rund 70 Prozent der unter Dreijährigen in Kitas betreut. Dieser Wert liegt unter dem vom Statistischen Bundesamt ermittelten bundesweiten Wert von 84,4 Prozent.

Kommentare (3)

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RDA

11.07.2013, 17:16 Uhr

Frau Schröder sieht ja auch in den ökonomisch nachgewiesenen negativen Beschäftigungsanreizen des Ehegattensplittings oder des Kindergelds kein Problem, sondern positiv eine Wahlfreiheit. Und ich dachte, im Rahmen des demografischen Wandels hätten wir sowas wie Fachkräftemangel?

Nachwuchs

11.07.2013, 19:42 Uhr

Richtig, es gibt keine Probleme. Schon Hr. Schröder und die gesamte SPD führte mit Hartz IV die Kinderarbeit gesetzlich ein. Die Kinder, so die SPD, sollen arbeiten und nicht betreut werden in Kitas. Kinderbetreuung dedarf Qualifikation und nicht wie die Politiker es wollen, jeder Arbeitslose = Quereinsteiger ist dafür geeignet. Die Ausbildungzeit für Quereinsteiger = ca 10 Tage und für Erzieher ca. 5 Jahre incl. Praktika und Anerkennung.

Account gelöscht!

12.07.2013, 08:36 Uhr

Alles Schwachsinn... Meine Tochter ist noch nicht mal geboren und ich suche bereits seit 6 Monaten einen Kindergrippen bzw. Kindergartenplatz... ...und finde keinen. In der Metropolregion Nürnberg-Erlangen-Fürth kommen auf einen Platz 10 Bewerbungen. Und selbst wenn ich einen kriege kostet der 400 Euro im Monat. Aber schön, dass es in Ostdeutschland (von wo ich komme) genug Plätze gibt, die ich als Ingenieur zusammen mit einer Ingenieurin bezahlen darf. So wie oben geschrieben. Meine Frau soll schnell wieder in die Arbeit um das Geld zu verdienen, von dem wir dann irgendeine private Tagesmutter bezahlen. Hauptsache die Steuern fließen...

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