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02.04.2006

11:30 Uhr

Bevölkerungsentwicklung

Wie die Demographie zum Topthema wurde

Wieso erst jetzt? Seit vielen Jahren ist die demographische Entwicklung in Deutschland bekannt. Nicht nur die Politik, auch die Medien rücken den Geburtenschwund ins Zentrum der Diskussion – ein Blick darauf, wie eine solche Themensetzung entsteht.

Die Altersstruktur in Deutschland verschiebt sich. Foto: dpa Quelle: dpa

Die Altersstruktur in Deutschland verschiebt sich. Foto: dpa

HB HAMBURG. Die Geburtenrate geht seit vielen Jahren stark zurück, zugleich steigt die Lebenserwartung stetig. Altersstrukturen verschieben sich in einem Staat mit mehr als 82 Millionen Einwohnern nicht von heute auf morgen. Trotzdem ist erst jetzt, wo es nach Ansicht vieler Fachleute eigentlich schon zu spät ist, die Demographie plötzlich zum Topthema im Lande geworden.

Politik und Medien gleichermaßen nehmen sich des Themas an. Allen voran der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, mit seinem Bestseller „Minimum“ und der Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, der sich jüngst mehrere Tage lang auf der Titelseite dem Thema widmete.

Wie aber entsteht eine solche Themensetzung? „Es gibt niemals nur den einen Auslöser für eine solche Diskussion. Niemals kann ein einziger Akteur, können die Medien allein oder aber die Politik ein solches Thema setzen“, sagt der Direktor des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg, Prof. Uwe Hasebrink. „Ein hinreichendes Interesse muss immer von mehreren Seiten vorhanden sein, insbesondere auch bei der Bevölkerung.“

Dies ist derzeit der Fall. „Breite Teile der Bevölkerung werden im Alltag mit den negativen Auswirkungen des Geburtenrückgangs konfrontiert, sei es durch die Rentendebatte oder durch die Schließung von Schulen“, erläutert Hasebrink. Zurzeit kämen die Interessen von Politik, Medien und Bevölkerung zusammen. „Und genau so entstehen dann Topthemen in der Öffentlichkeit.“

Der Medienforscher mutmaßt, dass die Politiker das Problem des Bevölkerungsrückgangs lange Zeit deshalb nicht thematisieren wollten, weil es „eine schlechte Nachricht für alle“ bedeutet. „Damit profiliert sich keine Partei - aber jetzt, nach der Bundestagswahl, ist die Bereitschaft etwas größer, auch die unangenehmen Themen ans Tageslicht zu bringen.“

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