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15.07.2014

02:32 Uhr

Bierbrauer und Mineralwasserhersteller

Getränkehersteller warnen vor Fracking-Folgen

Die Macher von Bier und Mineralwasser mischen sich in die Fracking-Debatte ein. Ein neues Gesetz müsse die neuartige Gasgewinnung nahe von Quellen generell verbieten, fordern die Hersteller.

„Stop Fracking“: Ein Protestplakat in Brünen (Nordrhein-Westfalen). dpa

„Stop Fracking“: Ein Protestplakat in Brünen (Nordrhein-Westfalen).

BerlinBierbrauer und Mineralwasserhersteller warnen vor zu großen Risiken bei der gesetzlichen Regelung der Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten.

„Es wäre völlig unverständlich, sollten die Brunnen von Lebensmittel- und Getränkeherstellern in dem geplanten Gesetz weniger Schutz genießen als Trinkwasserbrunnen“, heißt es in einer Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die umkämpfte EEG-Reform

Ziele

Es gibt mehr als 4000 EEG-Vergütungssätze - immer wieder wurden Vergütungen gekürzt oder Boni verändert. Den jeweils zum Anschlussdatum gültigen Fördersatz gibt es auf 20 Jahre garantiert. Die Reform soll nun die schrittweise Abkehr von den auf 20 Jahren gesicherten Zahlungen einleiten, da die Differenz zwischen dem füeegr den Strom erzielten Preis und dem festen Vergütungssatz per EEG-Umlage über den Strompreis zu zahlen sind. Die Vergütung soll für neue Anlagen im Schnitt auf 12 Cent je Kilowattstunde sinken. Von heute 25 Prozent soll der Ökostromanteil günstiger als bisher auf 40 bis 45 Prozent bis 2025 und bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent steigen.

Windenergie

Es soll einen jährlichen Zubau von 2500 Megawatt geben. Strittig sind drei Dinge: Der „Ausbaudeckel“ von 2500 MW. Und ob der Austausch alter durch leistungsstärkere Windräder bei den 2500 MW miteingerechnet wird. Drittens der Stichtag 23. Januar 2014: Für Anlagen, die danach genehmigt worden sind, soll bereits die neue Regelung mit Förderkürzungen gelten. Mehrere Länder pochen auf einen deutlich späteren Stichtag.

Windkraft im Meer

Hier soll es zwar eine hohe Anfangsvergütung von rund 19 Cent je Kilowattstunde geben, aber die Ziele werden gekürzt. Statt 10 000 Megawatt sollen nur 6500 Megawatt bis 2020 installiert werden und 15 000 Megawatt bis zum Jahr 2030.

Biomasse

Auch wegen der Zunahme von Maisanbauflächen soll der Zubau auf nur noch 100 Megawatt pro Jahr gedeckelt werden - mehrere Länder fordern Korrekturen. Neue Anlagen sollen vor allem mit Abfall- und Reststoffen gefüttert werden. Da die Anlagen anders als Sonne und Wind berechenbar Energie liefern können, soll die Produktion stärker auf den aktuellen Bedarf ausgerichtet werden, dafür soll es dann einen „Flexibilitäts-Bonus“ geben.

Industrie-Rabatte

Rund 2100 Unternehmen sind derzeit begünstigt, sie bezahlen dadurch 5,1 Milliarden Euro weniger. Mit der EU-Kommission wird um eine zukunftsfeste und rechtssichere Lösung beim Ausmaß der Rabatte gerungen. Es gibt politischen Druck, etwa aus Nordrhein-Westfalen, möglichst wenige Verschärfungen zuzulassen.

Eigenstrom

Die Kosten für die Bürger steigen auch, weil zunehmend Unternehmen Strom selbst erzeugen und verbrauchen, so sind sie von Ökostrom-Umlage und Netzentgelten befreit. Künftig sollte die Eigenstromerzeugung mit einer Mindestumlage belegt werden, um andere Stromverbraucher zu entlasten. Aber auf Druck aus Union und SPD wurde dieser Vorschlag für bestehende Anlagen kassiert. Bei neuen Anlagen sollen Industrieunternehmen nun 1,2 Cent „Soli“ je Kilowattstunde zahlen, private Haushalte oder Supermärkte, die sich mit Solarstrom selbst versorgen, aber 4,4 Cent - die Solarlobby läuft dagegen Sturm.

In Einzugsgebieten von Mineral- und Heilquellen, von Braubrunnen, für die Herstellung von Getränken sowie für die Trinkwasserversorgung und für die Lebensmittelherstellung müsse Fracking generell verboten werden.

Die Erklärung des „Bündnisses zum Schutz von Wasser“ wird unter anderem von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, dem Brauerbund, Gelsenwasser und dem Verband Deutscher Mineralbrunnen getragen. Umstritten sind besonders die Chemikalien, die zum Aufbrechen von gasführendem Gestein verwandt werden.

Kritiker befürchten Schlupflöcher

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) wollen dem bisher weitgehend ungeregelten Umgang mit der umstrittenen unkonventionellen Gasförderung sehr enge Grenzen setzen. Die Regelungen für die konventionelle Gasförderung sollen verschärft werden.

„Fracking-Vorhaben zur Gasförderung aus Schiefer- und Kohleflözgestein oberhalb von 3000 Metern werden durch das Wasserhaushaltsgesetz verboten“, betonen die Minister. Kritiker sehen in mehreren Detailvorschlägen aber zu große Schlupflöcher.

Von

dpa

Kommentare (7)

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15.07.2014, 07:55 Uhr

Und die Grüne Propaganda geht weiter. Jetzt werden sogar schon die Bierbrauer und Mineralbrunnen Besitzer in diese Ideologie der Anti-Energiekampange der Öko-Sozialisten mit eingespannt.
Bevor man sich über das Fracking aufregt und die Gesellschaft mit der Angst vor Fracking für dumm verkauft, sollte man sich lieber über die tausenden von Biogasanlagen in Deutschland sorgen machen. Die Überdüngung der Felder und das Leckschlagen von Faulgasbehältern belastet wirklich das Grundwasser. Fracking findet weit,weit,weit unterhalb der Grundwasserspeicherschicht statt.
Biogasanlagen, die über das ganze Land verteilt sind, sind die wahren Verschmutzer für die Umwelt und damit eine Gefahr für unser ALLER Grund-Mineralwasser (Bier)!

Herr Thomas Ungläubig

15.07.2014, 09:52 Uhr

@Marc Hofmann: Und seit wann sind Sie Lobbyist?

Herr Manfred Zimmer

15.07.2014, 10:26 Uhr

Gesundheit ist kein Thema, dass mit Mehrheitsentscheidungen gehändelt werden kann. Auch der Begriff "alternativlos", der von den Politikern verwandt wird, ist kein Kriterium sich über Gesundheitsgefährdung hinwegzusetzen.

Es ist die Frage, ob die Politiker überhaupt ein verantwortungsvolles Forum darstellen, über Gesundheitsfragen entscheiden zu dürfen?

Wenn dort über die nötige Intelligenz verfügt würde, könnte man darüber nachdenken. Bekanntlich geht es dort aber lobbyistisch zu und den Bürgern mangelt es an Mitteln, das System nach Bedarf entsprechend zu schmieren.

Vielleicht brauchen wir auch eine neue Partei, die sich als alleiniges Ziel auf die Fahne schreibt, die Korruption zu bekämpfen und sowohl Geldgeber und Geldempfänger einzusperren.

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