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17.03.2017

06:16 Uhr

Big Data zur Gefahrenabwehr

Mit der Methode Bayern gegen Wohnungseinbrecher

VonDietmar Neuerer

Bayern gilt als das Bundesland mit dem geringsten Einbruchsrisiko. Ermittler führen das auch auf eine spezielle Einbruchs-Prognosesoftware zurück. Die könnte bundesweit zum Einsatz kommen, doch Datenschützer warnen.

Mit der Prognosesoftware "PreCobs" dürfte das Einbruchsrisiko in Bayern auch 2016 bundesweit am niedrigsten gewesen sein, sagt Landesinnenminister Herrmann. dpa

Wohnungseinbruch.

Mit der Prognosesoftware "PreCobs" dürfte das Einbruchsrisiko in Bayern auch 2016 bundesweit am niedrigsten gewesen sein, sagt Landesinnenminister Herrmann.

BerlinBayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kann zufrieden sein. Auch wenn die Zahl der Straftaten in seinem Bundesland leicht zugenommen hat, scheint die bayerische Polizei das Problem der Wohnungseinbrüche offenbar immer besser in den Griff zu bekommen. Schon 2015 sind die Einbruchszahlen deutlich zurückgegangen; im vergangenen Jahr konnte das Niveau immerhin stabilisiert werden.

Die Gefahr, so Herrmann am Montag bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik, in Bayern Opfer eines Wohnungseinbruchdiebstahls zu werden, sei in ganz Deutschland am geringsten. „In NRW war sie sogar rund fünfmal so hoch wie in Bayern“, betonte der Minister. Er könne daher mit Stolz auch weiterhin sagen: „In Bayern leben, heißt sicherer leben.“

Die positive Entwicklung führt Herrmann auf eine, wie er sagte, „optimierte Lagearbeit“ zurück. Als Beispiel hierfür nannte er die Einbruchs-Prognosesoftware „PreCobs“, die in Bayern seit nunmehr drei Jahren eingesetzt wird. Das Kürzel steht für „Pre Crime Observation System“ - ein Computerprogramm, das anhand von Straftaten-Statistiken in einem Gebiet voraussagen soll, wann mit hoher Wahrscheinlichkeit mit neuen Verbrechen zu rechnen ist – was wiederum einen möglichst effizienten Einsatz von Polizeikräften unterstützen soll.

Das sind die deutschen Sicherheitsbehörden

Bundeskriminalamt

Das BKA mit Sitz in Wiesbaden koordiniert die Zusammenarbeit des Bundes und der Länder in der Verbrechensbekämpfung. Grundsätzlich sind die Landespolizeien für die Verfolgung und Aufklärung von Straftaten zuständig. Das BKA übernimmt dennoch in bestimmten Fällen der internationalen und der schweren Kriminalität die Strafverfolgung, etwa wenn es um Terrorismus, Waffen- oder Drogenschmuggel, Geldwäsche oder schwere Computersabotage geht. Bei terroristischen Straftaten übernimmt das BKA die Strafverfolgung in der Regel im Auftrag des Generalbundesanwaltes.

Bundesnachrichtendienst

Der BND ist der Nachrichtendienst im Ausland. Er sammelt Informationen über bedeutsame Sachverhalte, die die Sicherheit Deutschlands betreffen.

Bundespolizei

Die Bundespolizei ist im Jahr 2005 aus dem damaligen Bundesgrenzschutz hervorgegangen und hat mehr als 40.000 Bedienstete. Sie ist zuständig für den Grenzschutz und Grenzkontrollen sowie den Schutz des Bahn- und Luftverkehrs. Sie hilft auch bei der Kriminalitätsbekämpfung, wobei die Schleuserkriminalität einen Schwerpunkt bildet. Die Bundespolizei unterstützt auch die Länder bei großen Veranstaltungen wie Fußballspielen.

Gemeinsames Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum

Das 2012 als Lehre aus der rechtsextremen NSU gegründete GETZ arbeitet ebenfalls behördenübergreifend. Es dient der Bekämpfung von Rechts-, Links- und Ausländerextremismus.

Gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum

Das 2004 als Reaktion auf islamistische Bedrohungen eingerichtete GTAZ im Berliner Stadtteil Treptow konzentriert Experten für Terrorismusabwehr aller Sicherheitsbehörden an einem Ort. Die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern sind ebenso vertreten wie das BKA, die Landeskriminalämter, der BND, die Bundespolizei, das Zollkriminalamt, der MAD, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und die Generalbundesanwaltschaft. Im GTAZ wird auch über so genannte islamistische Gefährder gesprochen - auch der Berliner Attentäter war in den Monaten vor dem Anschlag mehrfach Thema.

Landespolizeien

Das Grundgesetz weist den Bundesländern grundsätzlich die Polizeihoheit zu. Daher verfügen die 16 Länder über eigene Polizeien, wozu eigene Landeskriminalämter (LKA) mit je sehr unterschiedlicher Ausstattung gehören.

Militärischer Abwehrdienst

Der MAD ist der Geheimdienst der Bundeswehr. Er hat die Aufgabe, extremistische, sicherheitsgefährdende und geheimdienstliche Bestrebungen innerhalb des Militärs zu beobachten

Verfassungsschutz

Neben dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) existieren 16 Landesbehörden. Dabei unterhalten sieben Bundesländer eigene Ämter, in den anderen ist der Verfassungsschutz als Abteilung im jeweiligen Innenressort angesiedelt. Klassische Aufgabenfelder des Inlandsgeheimdienstes sind die Beobachtung und Analyse extremistischer Bestrebungen, die sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richten, sowie die Abwehr von Spionage fremder Staaten.

Wie viele Einbrüche durch die Software in Bayern bisher verhindert wurden, lässt sich nur schwer beziffern, zumal die Einbruchsrate von zu vielen Faktoren abhängt. Herrmann spricht von „vielversprechenden“ Erfahrungen mit „PreCobs“. „Dadurch können unsere Polizeistreifen noch gezielter einbruchsgefährdete Bereiche überwachen“, sagte der Minister dem Handelsblatt. In den Prognosegebieten in München und Nürnberg habe es weniger Wohnungseinbrüche und mehr Täterfestnahmen gegeben.

Konkretere Angaben machte der Leiter des „PreCobs“-Projekts beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA), Günther Okon. „In dem Gebiet in München, in dem wir PreCobs getestet haben, ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im Testzeitraum um 38 Prozent gesunken – überall sonst um 14 Prozent“, resümierte Okon im vergangenen Sommer. Und es scheine auch nicht so zu sein, fügte er hinzu, dass die Einbrecher einfach in die Nachbarschaft ausgewichen seien.

Von den guten Erfahrungen Bayerns könnten auch andere Bundesländer profitieren. Der Auffassung ist nicht nur Herrmann. Der Innenminister von Sachsen und derzeitige Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Markus Ulbig (CDU), regte einen bundesweiten Einsatz der Einbruchs-Prognosesoftware an. „Wir brauchen etwa gemeinsame Anstrengungen bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchdiebstahls“, sagte Ulbig dem Handelsblatt. „Die Prognosesoftware PreCobs kann dabei ein Mittel für mehr Sicherheit sein.“

Kommentare (7)

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G. Nampf

17.03.2017, 09:18 Uhr

"Denn gerade professionelle Einbrecherbanden „treiben grenzüberschreitend ihr Unwesen“. "

Richtig. Und daß die Grenzen offen sind und Kriminelle aller Art (Asylbetrüger, Einbrecher, Autodiebe, Terroristen, ...) ungehindert über die Grenze können, verdanken wir der EU.

Herr Alessandro Grande

17.03.2017, 09:21 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Neuer Neumann

17.03.2017, 09:36 Uhr

Es ist ganz wichtig, den Täterschutz nicht zu vergessen. Täterinnen und Täter müssen in Deutschland maximal vor Vorverurteiung und zu harten Strafen geschützt werden, um ihre soziale Prognose nicht zu gefährden.
Um Vorverurteilungen von Bevölkerungsgruppen abzuwehren, sollte die Pressearbeit der Polizei gängige Klischees vermeiden und nicht personengruppennah berichten.

Im übrigen sind die meisten Wohnungseinbrüche nur harmlose Delikte und statistisch rückläufig. Die Bürgerinnen und Bürger müssen auch selbst dafür Verantwortung tragen, wenn sie Wertgegenstände besitzen.
Das ist die Haltung der Politik in Deutschland.

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