Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.06.2017

12:25 Uhr

Bilanz zum Weltflüchtlingstag

Wie es um die Flüchtlingskrise in Deutschland steht

VonFrank Specht

Eine Bilanz zum Weltflüchtlingstag: Wie weit ist Deutschland bei der Integration der Asylsuchenden gekommen? Wie viele Migranten kommen noch zu uns? Und was macht die „Abschiedskultur“? Antworten auf wichtige Fragen.

Die Flüchtlingswelle ist deutlich abgeebbt, doch trotz der geschlossenen Balkanroute gelangen auch weiter zahlreiche Migranten nach Deutschland. dpa

Flüchtlingstreck in Bayern im Oktober 2015

Die Flüchtlingswelle ist deutlich abgeebbt, doch trotz der geschlossenen Balkanroute gelangen auch weiter zahlreiche Migranten nach Deutschland.

BerlinKnapp 1,2 Millionen Asylsuchende sind in den zurückliegenden zwei Jahren auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland gekommen – oder weil sie sich hier schlicht ein besseres Leben ohne Armut und Entbehrungen erhoffen. Fünf Fragen zum Stand der Dinge:

Wie viele Flüchtlinge kommen derzeit neu nach Deutschland?

Trotz der geschlossenen Balkanroute gelangen auch weiter zahlreiche Flüchtlinge nach Deutschland. Von Januar bis Ende Mai registrierten die Behörden 77.148 Asylsuchende. Knapp ein Viertel von ihnen stammt aus dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Syrien. Auf der Liste der Hauptherkunftsländer folgen Irak, Afghanistan, Eritrea und Iran. Auf diese fünf Staaten entfällt gut die Hälfte der Neuzugänge in den ersten fünf Monaten.

Die Flüchtlingswelle ist damit deutlich abgeebbt. Auf dem Höhepunkt im September und Oktober 2015 kamen nicht selten 10.000 Flüchtlinge täglich in Deutschland an, jetzt sind es noch etwa 500. Insgesamt wurden im Jahr 2015 rund 890.000 Asylsuchende in Deutschland registriert, im vergangenen Jahr weitere 280.000.

Stark gesunken ist mittlerweile die Anerkennungsquote. Von den knapp 373.000 Asylverfahren, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) abschloss, endeten 45,1 Prozent mit einem zumindest vorübergehenden Bleiberecht des Flüchtlings. Im vergangenen Jahr lag diese sogenannte „Schutzquote“ noch bei gut 62 Prozent, 2015 bei knapp 50 Prozent.

Allerdings wollen viele abgelehnte Flüchtlinge die Entscheidung nicht hinnehmen. Nach Angaben von Pro Asyl sind im ersten Quartal dieses Jahres bundesweit rund 97.000 Klagen gegen Asylbescheide erhoben worden. Im gesamten vergangenen Jahr waren es demnach 181.600. Allerdings war von den knapp 71.000 Klagen, über die im vergangenen Jahr entschieden wurde, nur knapp jede achte erfolgreich.

Wie weit ist der Asylantragstau abgebaut?

Als Frank-Jürgen Weise im September 2015 neuer BAMF-Chef wurde, schob die Nürnberger Behörde rund 365.000 Altfälle vor sich her. Weil das Amt vom Ansturm der Jahre 2015 und 2016 überrascht wurde, konnte Weise trotz einer erheblichen Personalaufstockung seine Prognose, die Altfälle bis Ende 2016 abzuarbeiten, nicht erfüllen. Als er Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand wechselte, hinterließ er seiner Nachfolgerin Jutta Cordt und ihren Mitarbeitern noch knapp 434.000 offene Asylverfahren.

Bis Ende Mai hat das BAMF den Rückstau auf gut 165.000 Verfahren abgebaut. Im Durchschnitt dauert ein Asylverfahren heute sieben Monate, die Bearbeitungsdauer ist damit zuletzt sogar wieder angestiegen. Das hat laut Bundesinnenministerium damit zu tun, dass die BAMF-Mitarbeiter sich nun verstärkt auch komplizierten Altfällen zuwenden, bei denen etwa die Identität des Antragstellers nicht zweifelsfrei geklärt ist oder erst Gutachten angefordert werden müssen. Neue Anträge arbeitet die Nürnberger Behörde mit ihren knapp 3.400 Entscheidern mittlerweile innerhalb von weniger als zwei Monaten ab.

Wie steht es um die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge?

Die Experten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gehen in ihrer vorsichtigen Prognose davon aus, dass von den nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen nach fünf Jahren ungefähr jeder zweite einen Job gefunden haben wird. Wobei damit nicht zwingend sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gemeint ist, sondern es sich auch um ein Praktikum oder einen Minijob handeln kann.

Entsprechend bescheiden nehmen sich die Integrationserfolge heute – gut zwei Jahre nach Beginn der großen Welle – aus. Von den knapp 4,7 Millionen Arbeitsuchenden, die bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) registriert sind – das sind auch diejenigen, die etwa an Förder- und Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen und deshalb nicht arbeitslos gemeldet sind –, ist mittlerweile jeder zehnte als Flüchtling nach Deutschland gekommen. In der amtlichen Arbeitslosenstatistik tauchten im Mai knapp 179.000 Flüchtlinge auf.

Flüchtlinge: Der Raub der Heimat

Flüchtlinge

Der Raub der Heimat

Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR schlägt Alarm: Niemals zuvor waren so viele Menschen auf der Flucht. Syrien bleibt die schlimmste Krise. UN-Generalsekretär António Guterres appelliert an die Regierungen zu helfen.

Einen sozialversicherungspflichtigen Job haben bis März dieses Jahres 138.000 Menschen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern gefunden – das sind 49 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch hier gibt es also durchaus Erfolge – zumal sich die Wirtschaft weiter engagiert. So gab in einer aktuellen Befragung des Münchener Ifo-Instituts unter rund 1.000 Personalleitern immerhin gut jedes fünfte Unternehmen an, in den zurückliegenden 24 Monaten Flüchtlinge beschäftigt zu haben. Das entspricht einer Verdreifachung gegenüber dem Schlussquartal 2015.

Als Hürden für die Beschäftigung von Flüchtlingen sehen die Unternehmen neben fehlenden Sprachkenntnissen und Qualifikationen vor allem die Unsicherheit über den Aufenthaltsstatus und die Dauer der Asylverfahren.

Kommentare (57)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer von Horn

20.06.2017, 12:38 Uhr

Schon nach der Überschrift wird wieder vermengt: Asylsuchende mit Migranten. Nicht jeder Migrant ist ein Asylsuchender. Was hier im Lande abgeht ist Massenmigration im Deckmantel des Asylrechts, unter Vortäuschung hoher moralischer Werte, ohne Rücksicht auf die indigene Bevölkerung. Diese unseelige Politik wird im September vom Wähler bestätigt werden, was den Schluss nahelegt, daß die Deutschen nur meinen, die Betreiberin dieses Irrsinns zu kennen.

Herr Toni Ebert

20.06.2017, 12:45 Uhr

Ja, diese armen Occupanten hatten es wirklich sehr schwer. Mussten sie doch aus ihrer unsicheren Heimat fliehen, weil dort Massaker und Massenmord an der Tagesordnung war.

Ja, es sind sehr mutige Menschen, die jetzt dort hin, auf Heimaturlaub, zurückkehren.

Ja, das ist Mut.

Herr Otto Berger

20.06.2017, 12:52 Uhr

In dem bekannt gewordenen UN-Bericht »Replacement Migration« (ST/ESA/SER A./206) der Bevölkerungsabteilung der UN (UN Population Division) aus dem Jahr 2001 wird die Öffnung Deutschlands für 11,4 Millionen Migranten gefordert, auch wenn das innerhalb Deutschlands zu sozialen Spannungen (»rise to social tensions«) führen werde.
Die Bundesregierung rechnet für jeden Asylanten mit (mindestens) zwei Familiennachzüglern.
Die Vereinten Nationen nennen das alles verharmlosend »Replacement Migration«.
Dabei werden Völker mit dem Segen der UN einfach von anderen verdrängt und ersetzt. Man hat im Umfeld der UN auch schon einen Vorschlag, wie das alles finanziert werden soll: Die Deutschen sollen das Rentenalter im ersten Schritt auf 72 und im zweiten Schritt auf 77 Jahre hochsetzen.
Fazit : Der Bevölkerungsaustausch wurde bereits im Jahre 2001 von der UNO geplant und ist seither Programm. Rückführungen von Migranten sind in diesem Programm nicht vorgesehen.
Wenn die EU von demnächst sicheren EU-Außengrenzen bzw. die Politik davon spricht, dass Landesgrenzen zwecks Verhinderung der illegalen Einwanderung geschlossen werden sollen und abgelehnte Asylbewerber abgeschoben werden, wird hier die Unwahrheit gesprochen. All dies ist im Interesse des UN-Programms tatsächlich nicht vorgesehen und der Bevölkerung wird insoweit kein „reiner Wein“ eingeschenkt.
Auch zu diesem Programm bei der AFD : Fehlanzeige !! ---------- vielleicht, weil Desinformation zu der von Frau Petry geforderten "REALPOLITIK" gehört.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×