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03.09.2015

18:24 Uhr

Bildungsmonitor

Hohe Abbrecherquoten ausländischer Schüler

VonBarbara Gillmann

Der Flüchtlingenstrom nach Deutschland hält an, doch das Bildungssystem schwächelt bei der Integration von Ausländern – besonders im Osten, der aus wirtschaftlicher Sicht besonders dringend auf Zuwanderung angewiesen wäre.

Der neue Bildungsmonitor des IW zeigt, dass viele Bundesländer nicht gut aufgestellt sind, um die Integration von Ausländern zu bewältigen. dpa

Integrationskurs in Leipzig

Der neue Bildungsmonitor des IW zeigt, dass viele Bundesländer nicht gut aufgestellt sind, um die Integration von Ausländern zu bewältigen.

BerlinDas Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) stärkt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) den Rücken: Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) solle die Milliarde, die er beim Betreuungsgeld einspart, „unbedingt im Familienetat lassen, um so mehr Finanzierung beispielsweise von mehr Ganztagsbetreuung und Sprachkursen zu ermöglichen“, forderte der Leiter der IW-Abteilung für Bildung und Zuwanderung, Axel Plünnecke. Der Kultusministerin riet er, in der nächsten Zeit strukturelle Reformen etwa beim G8 oder beim Übergang von der Grundschule auf weiterführende Schulen zurückzustellen, und alle Kräfte auf die Integration der Flüchtlinge zu konzentrieren. Nur so könne es gelingen, die enorme Chance zu nutzen, die Neubürger gut zu qualifizieren und so die Demografie-Probleme besser zu meistern.

Der neue Bildungsmonitor des IW zeigt allerdings, dass diverse Bundesländer nicht gut aufgestellt sind, um die Integration von Ausländern zu bewältigen. In sechs Ländern ist die Schulabbrecherqote von Ausländern sogar gestiegen: Das gilt für Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen sowie für Schleswig-Holstein und Bremen.

Welche Regeln bei der Zuwanderung gelten

Die Zahl der Zuwanderer steigt

Im Jahr 2013 kamen 1,23 Millionen Menschen nach Deutschland, wie aus dem neuesten Migrationsbericht der Bundesregierung hervorgeht. Das ist ein deutliches Plus gegenüber 2012, wo die Zahl bei 1,08 Millionen lag. Die Gründe, warum Menschen nach Deutschland kommen, sind unterschiedlich. Entsprechend vielfältig sind die gesetzlichen Grundlagen, die der Zuwanderung zugrunde liegen.

EU-Freizügigkeit

Jeder Bürger eines EU-Landes hat ungeachtet seines Wohnortes und seiner Staatsbürgerschaft das Recht, sich in einem anderen EU-Staat niederzulassen, um dort einer Beschäftigung nachzugehen. Ausnahmeregelungen bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren in Deutschland sind Ende 2013 ausgelaufen. Doch schon zuvor konnten die Menschen aus diesen Ländern nach Deutschland kommen: Die Bundesregierung registriert für 2013 139.000 Zuwanderer mit rumänischer Staatsangehörigkeit und 61.000 mit bulgarischer Staatsangehörigkeit. Zugleich kamen 190.000 Polen in die Bundesrepublik.

Erwerbstätigkeit

Von 2012 auf 2013 ging die Zahl der Erteilungen von Aufenthaltserlaubnissen wegen Erwerbstätigkeit zwar um 13 Prozent auf 33.648 zurück. Allerdings ist dieser Rückgang überwiegend auf den Beitritt Kroatiens zur EU am 1. Juli 2013 zurückzuführen. Arbeitnehmer von dort brauchen seither keinen entsprechenden Aufenthaltstitel mehr. Hauptherkunftsländer waren insbesondere Indien, die Vereinigten Staaten, Bosnien-Herzegowina und China.

Familiennachzug

Wer eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland besitzt, kann in der Regel seinen ausländischen Ehepartner, eingetragenen Lebenspartner oder Kinder nachziehen lassen. Die Familienangehörigen erhalten dafür eine Aufenthaltserlaubnis zum Nachzug. Dafür wurden im Jahr 2013 44.000 Visa erteilt.

Ausländische Studenten

Im Vergleich zum Vorjahr konnte eine Zunahme um acht Prozent auf 86.170 ausländische Studenten festgestellt werden. Damit wurde im Jahr 2013 die bislang höchste Zahl ausländischer Studienanfänger verzeichnet.

Spätaussiedler

Nach einem kontinuierlichen Rückgang von 2001 bis 2012 konnte im Jahr 2013 auch bei der Zuwanderung von Spätaussiedlern und ihrer Familienangehörigen ein leichter Wiederanstieg registriert werden. So stieg die Zahl der Zugänge im Rahmen des Spätaussiedlerzuzugs um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr auf 2.427 Personen.

Bundesbürger

Im Jahr 2013 wurden 140.000 Fortzüge von Deutschen registriert. Die Zahl der zurückkehrenden Deutschen stieg leicht auf 118.000 Zuzüge, so dass der Wanderungsverlust im Jahr 2013 etwas höher ausfiel als im Vorjahr. Studien belegten, dass viele Personen mit und ohne Migrationshintergrund nicht dauerhaft im Ausland bleiben, heißt es im Migrationsbericht. Hauptzielland deutscher Abwanderer ist seit 2004 die Schweiz.

Asylrecht I

Wer in seinem Heimatland politisch verfolgt wird, genießt Asyl. Mit Blick auf die steigende Bewerberzahlen sind im vergangenen Jahr in Einzelbereichen Einschränkungen beschlossen worden. So wurden die drei westlichen Balkanstaaten Serbien, Mazedonien als sichere Herkunftsstaaten eingestuft. Dadurch können Asylanträge von Menschen aus diesen Ländern schneller abgelehnt werden.

Asylrecht II

Zugleich gab es Erleichterungen für die Asylbewerber: Die bisherige Residenzpflicht wurde weitgehend abgeschafft, das Arbeitsverbot wurde gelockert. Dem Migrationsbericht zufolge steigt die Zahl der Asylbewerber seit 2007: Die Zahl der Erstanträge lag 2013 demnach bei knapp 110.000.

Konkret liegen speziell Sachsen und Thüringen insgesamt zwar an der Spitze des von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegebenen Monitors – noch vor Bayern und Baden-Württemberg. Ihr Bildungssystem als Ganzes ist also führend.
Die Abbrecherquote der ausländischen Schüler beträgt dort jedoch rund 15 Prozent – im Bundesdurchschnitt sind es dagegen nur gut zehn Prozent, Plünnecke.

Dabei seien gerade die ostdeutschen Länder aus ökonomischen Gründen weit mehr als die meisten West-Länder auf das Potential der Zuwanderer angewiesen. Exemplarisch zeige sich das bei den Beschäftigten mit technischer oder naturwissenschaftlicher Ausbildung, die fürs Wirtschaftswachstum besonders wichtig sind. Hier gebe es im Osten weit mehr Ältere als etwa in Süddeutschland oder im Westen Niedersachsens – entsprechend dringlich sei das Nachwuchsproblem.

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