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16.07.2015

12:51 Uhr

Bildungspolitik

Eltern fördern Kultur-Interesse der Kinder

In der Wirtschaft spielt Kultur eine untergeordnete Rolle. Dabei hängt der Bildungserfolg maßgeblich vom Kultur-Interesse der Kinder ab. Doch von den Schulen wird das Interesse an Kunst und Literatur nicht geweckt.

Ob sich ein Kind für das Geigenspielen interessiert oder nicht, hängt nicht von den Schulen ab. Die Eltern prägen das Kultur-Interesse ihrer Kinder. ap

Geigenunterricht

Ob sich ein Kind für das Geigenspielen interessiert oder nicht, hängt nicht von den Schulen ab. Die Eltern prägen das Kultur-Interesse ihrer Kinder.

BerlinLiteratur, Theater, Musik, Tanz - der Zugang junger Menschen zu kultureller Bildung hängt nach einer neuen Studie immer noch in hohem Maße von den Eltern ab. In Deutschland nennen 74 Prozent der Akademiker-Kinder (mindestens ein Elternteil mit Hochschulabschluss) ihre Väter und Mütter als entscheidende „Impulsgeber“ für Kultur-Interesse - dagegen sagen dies nur 33 Prozent aus Elternhäusern mit höchstens mittlerem Schulabschluss.

Dies ergibt sich aus einer am Donnerstag veröffentlichten Repräsentativ-Befragung unter 532 Schülern aus 9. und 10. Klassen, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Rates für Kulturelle Bildung durchführte.

Demnach gehen Schüler aus sogenannten bildungsfernen Elternhäusern dreieinhalb Mal so oft auf Sekundarschulen jenseits von Gymnasium oder Gesamtschule. Dort wiederum ist das kulturelle Angebot viel dünner als an Gymnasien: Um bis zu 40 Prozentpunkte höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche im Gymnasialunterricht mit Literatur, klassischer Musik oder Theater in Berührung kommen.

Faktoren für den Schulerfolg

Faktor 1

Wie gut ein Kind in der Schule ist, hängt vor allem davon ab, ob sich das Kind in der Schule wohlfühlt - sagen 82 Prozent der Lehrer und 83 Prozent der Eltern.

Faktor 2

Der Schulerfolg hängt von der Begabung des Kindes ab, denken 80 Prozent der Lehrer und 79 Prozent der Eltern.

Faktor 3

Davon, wie gut die Lehrer sind, meinen 75 Prozent der Lehrer und 84 Prozent der Eltern.

Faktor 4

Wie sehr die Eltern darauf achten, dass ihr Kind die Hausaufgaben macht und ausreichend lernt ist ebenfalls ein Faktor für den Schulerfolg, meinen 68 Prozent der Lehrer und 73 Prozent der Eltern.

Faktor 5

Einen weiteren Faktor, wie gut die Eltern das Kind bei den Hausaufgaben und beim Lernen unterstützen, empfinden 66 Prozent der Lehrer als ausschlaggebend für den Schulerfolg und 72 Prozent der Eltern.

Faktor 6

Der Grad des Ehrgeizes des Kindes empfinden 60 Prozent der Lehrer als maßgeblich für den Schulerfolg, 65 Prozent der Eltern denken ebenso.

Faktor 7

Der Schulerfolg hängt von der Größe der Klasse ab, sagen 52 Prozent der Lehrer und 56 Prozent der Eltern.

Faktor 8

Der Bildungsabschluss der Eltern ist maßgeblich für den Schulerfolg meinen 51 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern.

Faktor 9

Welche Sprache zu Hause gesprochen wird, ist ebenso eine entscheidender Faktor für den Erfolg des Kindes. Das sagen 48 Prozent der Lehrer und 39 Prozent der Eltern.

Faktor 10

Die Konkurrenzsituation in der Klasse empfinden lediglich 14 Prozent der Lehrer und elf Prozent der Eltern als Erfolgsfaktor.

Faktor 11

Zehn Prozent der Lehrer und 22 Prozent der Eltern denken, die Belohnung für gute Leistungen durch die Eltern ist ausschlaggebend für den Erfolg des Kindes in der Schule.

Gut ein Drittel (36 Prozent) aller grundsätzlich kulturinteressierten Schüler nennt Lehrer als „Impulsgeber“. Allerdings hat die Hälfte der Schüler von 9. und 10. Klassen in Deutschland der Allensbach-Umfrage zufolge gar keinen regelmäßigen Kunstunterricht, ähnliches gelte für den Musikunterricht. Auch hier ist ein Gefälle festzustellen: An Sekundarschulen jenseits von Gymnasium oder Gesamtschule haben 54 Prozent keinen regelmäßigen Kunstunterricht - an Gymnasien 43 Prozent. Für Musik lautet das Verhältnis 55 zu 41 Prozent.

Differenzen ergeben sich nicht nur zwischen Schulformen, sondern auch zwischen den Geschlechtern: 69 Prozent der Mädchen halten Grundwissen über Kultur für wichtig, hingegen nur 48 Prozent der Jungen.

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Der Vorsitzende des Rates für Kulturelle Bildung, Eckart Liebau, sagte zu der Studie: „Wir haben es mit großen Unterschieden zwischen den Schulformen zu tun, mit kulturellen Bildungsverläufen, die kaum durchbrochen werden können, mit Schulen, die ein Drittel der Kinder gar nicht für Kultur gewinnen. Und wir finden in einem Ausmaß tradierte Rollenbilder, wie wir es nicht mehr erwartet hatten.“ Dass Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern „den künstlerischen Vorsprung ihrer Altersgenossen in der Schule aufholen könnten, lassen die Daten nicht erkennen“.

Liebau verlangt deshalb eine veränderte Schwerpunktsetzung: „Es darf nicht dabei bleiben, dass im Schulwesen ausgerechnet den benachteiligten Kindern und Jugendlichen das quantitativ schwächste Angebot kultureller Bildung gemacht wird. Hier ist ein Ausbau vor allem in den Sekundarschulen dringend erforderlich.“ Der Rat für Kulturelle Bildung ist ein unabhängiges Beratungsgremium, das die Situation und die Qualität kultureller Bildung in Deutschland analysiert und Empfehlungen dazu ausspricht.

Von

dpa

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