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10.09.2014

14:43 Uhr

Bildungspolitik

Eltern wollen bundesweites Zentralabitur

Der Abi-Abschluss aus Hamburg ist weniger wert als aus München - das sehen viele Eltern so. Während sich die Politik noch schwertut, ist für sie längst klar: Das Abitur muss einheitlich werden.

Eine Schülerin unterstreicht das Wort „Abitur“ an einer Tafel: Die Mehrheit der Eltern lehnt die auf acht Jahre verkürzte gymnasiale Schulzeit ab. dpa

Eine Schülerin unterstreicht das Wort „Abitur“ an einer Tafel: Die Mehrheit der Eltern lehnt die auf acht Jahre verkürzte gymnasiale Schulzeit ab.

BerlinNeun von zehn Eltern in Deutschland wünschen sich einer Studie zufolge ein bundesweites Zentralabitur für ihre Kinder. Das gegenwärtige föderale System bewerteten sie als willkürlich und ungerecht, sagte Bildungsforscher Klaus-Jürgen Tillmann am Mittwoch bei der Vorstellung einer repräsentativen Umfrage unter 3000 Vätern und Müttern in Berlin. Den Eltern sei wichtig, dass schulische Leistungen in verschiedenen Bundesländern vergleichbar würden.

Seit 2005 bekommen Abiturienten innerhalb eines Bundeslands mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz zwar die gleichen Aufgaben, zwischen den Ländern aber gibt es weiterhin Unterschiede. Unter Bildungspolitikern ist die Einführung eines Zentralabiturs heftig umstritten. „Die Kultusminister haben ein Akzeptanzproblem“, folgerte Tillmann aus der Elternmeinung.

Faktoren für den Schulerfolg

Faktor 1

Wie gut ein Kind in der Schule ist, hängt vor allem davon ab, ob sich das Kind in der Schule wohlfühlt - sagen 82 Prozent der Lehrer und 83 Prozent der Eltern.

Faktor 2

Der Schulerfolg hängt von der Begabung des Kindes ab, denken 80 Prozent der Lehrer und 79 Prozent der Eltern.

Faktor 3

Davon, wie gut die Lehrer sind, meinen 75 Prozent der Lehrer und 84 Prozent der Eltern.

Faktor 4

Wie sehr die Eltern darauf achten, dass ihr Kind die Hausaufgaben macht und ausreichend lernt ist ebenfalls ein Faktor für den Schulerfolg, meinen 68 Prozent der Lehrer und 73 Prozent der Eltern.

Faktor 5

Einen weiteren Faktor, wie gut die Eltern das Kind bei den Hausaufgaben und beim Lernen unterstützen, empfinden 66 Prozent der Lehrer als ausschlaggebend für den Schulerfolg und 72 Prozent der Eltern.

Faktor 6

Der Grad des Ehrgeizes des Kindes empfinden 60 Prozent der Lehrer als maßgeblich für den Schulerfolg, 65 Prozent der Eltern denken ebenso.

Faktor 7

Der Schulerfolg hängt von der Größe der Klasse ab, sagen 52 Prozent der Lehrer und 56 Prozent der Eltern.

Faktor 8

Der Bildungsabschluss der Eltern ist maßgeblich für den Schulerfolg meinen 51 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern.

Faktor 9

Welche Sprache zu Hause gesprochen wird, ist ebenso eine entscheidender Faktor für den Erfolg des Kindes. Das sagen 48 Prozent der Lehrer und 39 Prozent der Eltern.

Faktor 10

Die Konkurrenzsituation in der Klasse empfinden lediglich 14 Prozent der Lehrer und elf Prozent der Eltern als Erfolgsfaktor.

Faktor 11

Zehn Prozent der Lehrer und 22 Prozent der Eltern denken, die Belohnung für gute Leistungen durch die Eltern ist ausschlaggebend für den Erfolg des Kindes in der Schule.

Wie bei der vorangegangenen Umfrage 2012 lehnt die Mehrheit der Eltern die auf acht Jahre verkürzte gymnasiale Schulzeit ab. Rund 80 Prozent würden ihr Kind lieber auf ein neunjähriges Gymnasium schicken. Gleichzeitig aber spiegele sich die häufig geäußerte Klage, die kürzere Schulzeit sorge für mehr Stress und Leistungsdruck, in der Studie kaum wider, sagte Tillmann. Sowohl in sogenannten G8- wie in G9-Bildungsgängen gehen Kinder nach Meinung ihrer Eltern gern zur Schule (86 beziehungsweise 89 Prozent). Nur wenige Mütter und Väter halten ihre Sprösslinge für überfordert - bei kürzerer Schullaufbahn 9 Prozent, bei längerer 5 Prozent.

Nachholbedarf besteht der Studie zufolge vor allem beim Ganztagsangebot. „Der hohe Bedarf kann in keinem Bundesland gedeckt werden“, sagte Tillmann. 39 Prozent der Schüler besuchen den Daten zufolge eine Ganztagsschule, 70 Prozent der Eltern würden ihre Kinder gern in eine solche schicken. Vor allem bei der Hausaufgabenbetreuung und individueller Förderung müssten sich die Schulen aus Elternsicht aber noch verbessern.

Besonders gute Noten bekommen Lehrer an Privatschulen. Eltern sehen sie als fachlich kompetenter und engagierter, lernschwache Schüler würden besser unterstützt, der Unterricht sei methodisch moderner. Insgesamt geht die Mehrheit der Mütter und Väter davon aus, dass Kinder an Privatschulen besser gefördert werden. Trotzdem sehen viele Eltern solche Schulen kritisch - unter anderem weil sie die soziale Ungleichheit im Bildungswesen verschärften.

Von

dpa

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