Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.07.2012

16:04 Uhr

Bildungspolitik

Spanien übernimmt deutsches Ausbildungssystem

Spaniens Jugendliche sollen schon bald nach deutschem Vorbild ausgebildet werden. In Stuttgart berieten Bundesbildungsministerin Schavan und ihr spanischer Amtskollege über die ehrgeizigen Pläne.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan und der spanische Bildungsminister Jose Ignacio Wert Ortega besichtigen das Daimler Ausbildungszentrum in Esslingen. dpa

Bundesbildungsministerin Annette Schavan und der spanische Bildungsminister Jose Ignacio Wert Ortega besichtigen das Daimler Ausbildungszentrum in Esslingen.

Berlin„Wir sind in Deutschland davon überzeugt, dass duale berufliche Bildung die beste Vorbeugung gegen Jugendarbeitslosigkeit ist“, sagte die CDU-Politikerin.

Zuvor hatten Schavan und José Ignacio Wert Ortega eine Absichtserklärung unterzeichnet, nach der das deutsche System dualer Berufsausbildung in Spanien eingeführt werden soll. Durch die Offensive soll das wirtschaftliche Wachstum in Spanien angekurbelt werden. Konkrete Schritte wollen die Minister Anfang September in Madrid vereinbaren.
„Es geht darum, das, was in Deutschland erfolgreich ist, auch auf andere europäische Länder auszuweiten“, sagte Bildungsminister Ortega. In Spanien gibt es die Kombination aus schulischer und praktischer Ausbildung ihm zufolge derzeit nur in Pilotprojekten.

Die spanische Arbeitsmarktreform

Geringere Abfindungen

Bis 2012 mussten einem Angestellten in Spanien bei grundloser Kündigung eine Abfindung von 45 Tageslöhnen pro Jahr im Unternehmen gezahlt werden. Die konservative Regierung reduzierte diese Abfindung auf 20 Tageslöhne und legte für die Zahlungen zudem eine neue Höchstdauer von 24 im Unterschied zu davor 41 Monaten fest.

Flexiblere Kündigungen

Lange unterteilte der Arbeitsmarkt in Spanien sich vor allem in zwei Fraktionen: Eine „Elite“ nahezu unkündbarer Festangestellter und Angerstellten, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangelten. Die Einführung eines neuen, flexibleren Kündigungsrecht erlaubte 2012 erstmals auch das Aussprechen betriebsbedingter Kündigungen bei sinkenden Unternehmensumsatz.

Lockere Tarifverträge

Gleichzeitig wurden auch Gehälter variabler gestaltet. Unternehmen erhielten die Möglichkeit, in Absprache mit den Mitarbeitern Löhne und Arbeitszeiten individuell zu vereinbaren - ohne sich an die geltenden Tarifverträge halten zu müssen.

Bonus für junge Angestellte

Weil in Spanien besonders viele junge Menschen arbeitslos sind, zahlt der Staat Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern eine Prämie. Pro eingestelltem 16-30-Jährigen gibt es bis zu 3300 Euro, für Frauen im gleichen Alter bekommt die Firma sogar bis zu 3600 Euro.

Bonus für alte Angestellte

Besonders betroffen von der schlechten Wirtschaftslage sind auch die älteren Arbeitslosen. Die Regierung zahlt daher jedem Unternehmen, das einen über 45-jährigen Spanier einstellt, bis zu 3900 Euro (für Frauen bis zu 4500 Euro). Der neue Mitarbeiter muss in den 18 Monaten vor Vertragsbeginn jedoch mindestens zwölf Monate arbeitslos gewesen sein. 

Zeitverträge mit Limit

Befristete Verträge dürfen nur noch maximal zwei Jahre gelten und nicht mehr verlängert werden. Soll der Angestellte im Unternehmen bleiben, muss der Vertrag in einen unbefristeten umgewandelt werden.

Nach Angaben des Bundesbildungsministeriums ist in Spanien jeder zweite Jugendliche arbeitslos. In Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit so gering wie nirgendwo sonst in Europa, hierzulande herrscht allerdings massiver Fachkräftemangel.
Deutschland bemüht sich daher zugleich, junge Iberer für den eigenen Arbeitsmarkt zu gewinnen: „Wegen des Fachkräftemangels bei uns gibt es für spanische Jugendliche auch in Deutschland interessante Ausbildungsmöglichkeiten“, sagte Schavan.

Von

dpa

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

12.07.2012, 16:26 Uhr

Haben die Spanier nicht die heutige Schlagzeile gelesen? Unsere ausgebildeten Fachkräfte sind angeblich schlecht ausgebildet und erfahren hier keine Nachfrage. Spanische Jungendliche schon - also liebe Spanier - bleibt bei dem was ihr habt.

Account gelöscht!

12.07.2012, 16:48 Uhr

In Spanien hat man eine andere Mentalität die man hier sehr gern aufnimmt !
Auch haben sie dort ein effektiveres Bildungssystem das weniger Gewicht auf Religion/Ethik und mehr auf Fremdsprachen/Mathematik legt , wird in Deutschland auch sehr positiv aufgenommen und honoriert !!!

Account gelöscht!

12.07.2012, 16:59 Uhr

Wegen des Fachkräftemangels bei uns gibt es für spanische Jugendliche auch in Deutschland interessante Ausbildungsmöglichkeiten“, sagte Schavan.
-----------------------------------------------
Da muss ich ihr tatsächlich recht geben ! Deutschland als Exportweltmeister muss auf seine Kunden zugehen , wenn die lieber in ihrer Muttersprache(Spanisch,Französisch,Portugiesisch,Hebräisch,Griechisch oder Russisch) Geschäfte machen , sollten Deutsche Unternehmen auch das anbieten können .
Wobei im falle der Spanier schon Spanisch und Englisch zur Verfügung stände !!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×