Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.08.2011

15:09 Uhr

Bildungspolitik

Wirtschaft warnt vor Rückabwicklung des G8

VonBarbara Gillmann

Diverse Länder geben Gymnasiasten wieder neun statt acht Jahre Zeit – DIHK und Arbeitgeber fürchten Nachteile für die Unternehmen.

Matheunterricht im Gymnasium. Quelle: dpa

Matheunterricht im Gymnasium.

BerlinDie Wirtschaft warnt die Bundesländer eindringlich, das achtjährige Gymnasium (G8) wieder aufzuweichen. "Es gibt keinen Anlass den Rückwärtsgang einzulegen und zum alten System zurückzukehren“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann dem Handelsblatt. Das Abitur nach zwölf Jahren habe sich trotz aller Umstellungsprobleme bewährt: „Die Leistungen der Abiturienten, die nach 12 Jahren Abitur machen, sind im Durchschnitt nicht schlechter als nach 13 Jahren.“
Ursprünglich hatte sich die Mehrheit der Kultusminister vor Jahren darauf verständigt, angsichts der überlangen deutschen Ausbildungszeiten das Gymnasium auf acht Jahre zu verkürzen, das gilt nun flächendeckend. Doch vor allem die Eltern schlugen Alarm, beklagten längere Unterrichtszeiten und den größeren Stress der Kinder.
Nun weichen diverse Länder wieder zurück: Schleswig-Holstein hat den Kommunen dei Wahl gegeben – dort gibt es nun an 15 von 99 Gymnasium wieder das Abi nach neu Schuljahren. NRW hat an 13 Gymnasien einen Modellversuch für das längere Gymnasium eingeführt. Den übrigen 613 Gymnasien soll ein Unterstützungsprogramm helfen, das Pensum in acht Jahren zu bewältigen. Die neue grün-rote Regierung in Baden-Württemberg will es den Gymnasien frei stellen, ob sie wieder zum alten Abi nach 13 Jahren zurückkehren. In Niedersachsen läuft ein Volksbegehren gegen das achtjährige Gymnasium.
Doch nicht nur der DIHK, auch die Arbeitgeber kritisieren solche Rückabwicklungen. „Wir halten das Konzept des G8 nach wie vor für richtig“, sagte ein Sprecher Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände dem Handelsblatt. Die Umstellung dürfe nicht zurückgenommen werden, auch wenn sie nicht überall optimal gelaufen sei. Die Konsequenz könne nur eine weitere Verschlackung des Stoffes sein.
„Die Länder haben die Reform „inhaltlich und organisatorisch nicht gut gemanagt“, sagt DIHK-Präsident Driftmann. Das müsse nun nachgebessert werden. Prinzipiell jedoch liege der große Vorteil des G8 klar auf der Hand: „Die jungen Leute gewinnen Zeit und können genauso früh wie Schulabgänger europäischer Nachbarländer ins Studium starten. Aus Unternehmenssicht kommen die Abiturienten und damit auch die Hochschulabsolventen früher in die Betriebe“. Das sei wegen der extrem ungünstigen demografischen Entwicklung in Deutschland unverzichtbar.
Auf Unverständnis stößt die schulpolitische Rolle rückwärts in der Wirtschaft auch deshalb, weil es heute in allen Ländern parallel zum Gymnasium längere Wege zum Abi gibt. Fast überall führt eine zweite Schulform in 13 Jahren zur Hochschulreife – egal ob sie nun Gemeinschaftsschule, Gesamtschule, Mittelschule oder Sekundarschule heißt. Damit haben die, die mehr Zeit brauchen, genügend Möglichkeiten, meint Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Plünnecke warnt zudem: „Die Rückabwicklung des G8 schaffe erneut Unruhe und Intransparenz“. Stattdessen solle man den Eltern der Gymnasiasten mehr Zeit geben, sich an das neue Regime zu gewöhnen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×