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26.06.2013

14:07 Uhr

Bildungsstudie

Arbeiterkinder bleiben an den Unis eine Seltenheit

Haben die Eltern studiert, tun das meist auch die Kinder. Aus Arbeiterfamilien schafft es dagegen nicht einmal jeder Vierte an die Hochschule. Daran haben auch Milliarden-Investitionen wenig geändert.

Studenten in einem großen Hörsaal der Technischen Universität in München. Es sind hauptsächlich Akademikerkinder die an deutschen Hochschulen studieren. dpa

Studenten in einem großen Hörsaal der Technischen Universität in München. Es sind hauptsächlich Akademikerkinder die an deutschen Hochschulen studieren.

BerlinTrotz der Rekordzahl von 2,5 Millionen Studenten schaffen es Arbeiterkinder nach wie vor nur selten an die Hochschule. Dies geht aus der am Mittwoch in Berlin vorgestellten neuen Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) hervor. Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren 77. Von 100 Kindern aus Facharbeiterfamilien sind es hingegen nur 23.

Studentenwerks-Präsident Dieter Timmermann sagte: „Der Zugang zum deutschen Hochschulsystem ist sozial nach wie vor selektiv - auch wenn das Bildungsniveau der Gesellschaft insgesamt gestiegen ist.“ Auch die neue Studienstruktur mit dem schnelleren Bachelor-Abschluss habe die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft nicht verändert.

„Die hochschulpolitischen Schlüsselbegriffe unserer Zeit sind Exzellens, Elite, Autonomie. Von sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit ist kaum die Rede“, sagte der DSW-Präsident, der früher Rektor der Universität Bielefeld und Bildungsforscher war.

Timmermann forderte Bund und Länder auf, sich jetzt ohne weitere Verzögerungen über eine Bafög-Reform zu verständigen. Die Anhebung der studentischen Ausbildungsförderung steht nun schon im zweiten Jahr aus. Bereits im Januar 2012 hatte der Bafög-Beirat der Bundesregierung eine Erhöhung der Fördersätze um fünf Prozent sowie der Elternfreibeträge um sechs Prozent verlangt. Diese Forderung hatte sich die Regierung allerdings nicht zu eigen gemacht.

Bildungserfolg und soziale Schichten

Schulerfolg hängt von sozialer Herkunft ab

Die Lehrer sind sich einig: Der Schulerfolg hängt maßgeblich von der sozialen Herkunft ab.

Der Einfluss der sozialen Schicht des Elternhauses auf die Leistung von Schülern ist sehr groß, sagen 33 Prozent der Lehrer, groß sagen 49 Prozent der Lehrer und gar nicht groß sagen 15 Prozent. Unentschieden sind drei Prozent der Lehrer.

Lehrer sehen zunehmende soziale Differenzierung

18 Prozent der Lehrer haben den Eindruck, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten zu 60 Prozent an Grundschulen zugenommen haben, 17 Prozent haben den Eindruck, die Unterschiede haben zu 63 Prozent an Haupt/Realschulen zugenommen, 37 Prozent meinen, der Unterschied habe an Gymnasien zu 45 Prozent zugenommen.

Mittlere soziale Schichten

Von Kinder aus mittleren sozialen Schichten besuchen 52 Prozent ein Gymnasium, 33 Prozent eine Realschule, sieben Prozent eine Hauptschule, acht Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 13 Prozent eine Gesamtschule.

Schwächere soziale Schichten

Von Kindern, deren Eltern aus schwächeren sozialen Schichten sind, besuchen 30 Prozent ein Gymnasium, 34 Prozent eine Realschule, 17 Prozent eine Hauptschule, elf Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 18 Prozent eine Gesamtschule.

Höhere soziale Schichten

Von Kindern aus höheren sozialen Schichten besuchen 70 Prozent ein Gymnasium, 25 Prozent eine Realschule, fünf Prozent eine Hauptschule, ein Prozent eine Mischform aus Haupt- und Realschule und 14 Prozent eine Gesamtschule.

Laut Sozialerhebung wird derzeit ein Viertel der Studierenden voll oder teilweise mit Bafög gefördert. Stipendien bekommen nur vier Prozent. Sechs Prozent haben Kredite aufgenommen, um ihre Ausbildung zu finanzieren. Dies sind den Ergebnissen zufolge vor allem Kinder aus ärmeren Elternhäusern.

Wie die repräsentative Umfrage ergab, haben die Klagen der Studierenden über die hohe Arbeitsbelastung im Bachelor-Studium inzwischen Wirkung gezeigt und an den Unis zu einer Entzerrung der Lehrveranstaltungen geführt. Durchschnittlich 35 Stunden in der Woche wendet ein Student für Vorlesungen, Seminare und Selbststudium auf. Dies sind zwei Stunden weniger als noch bei der Umfrage 2009.

61 Prozent gaben an, neben dem Studium noch zu jobben - im Schnitt 7,4 Stunden die Woche. Insgesamt ist die Erwerbstätigenquote unter den Studierenden allerdings leicht zurückgegangen. Als eine mögliche Ursache gilt laut Sozialerhebung der Verzicht auf Studiengebühren. Besonders Studenten aus ärmeren Familien hatten zuvor darüber geklagt, für die Gebühren nebenbei arbeiten zu müssen. Aus Sicht von Hochschulforschern lässt aber auch das straffer organisierte Bachelorstudium mit seiner dichten Abfolge von Lehrveranstaltungen heute weniger Zeit für Nebenjobs.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Tabu

26.06.2013, 14:45 Uhr

Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren 77. Von 100 Kindern aus Facharbeiterfamilien sind es hingegen nur 23.
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Wobei ein Feld völlig außen vor gelassen wird.
Hat sich ehemals Hilfs oder angelernter Arbeiter
genannt.
Für diese ist kein Platz und keine Arbeit mehr
vorhanden..Dabei hat hier in den Familien jeder
so einen Sohn oder eine Tochter..und ganz früher,
waren diese Leute gefragt,weil sie sich arbeitsmäßig
reingekniet haben und stolz waren eine Familie
ernähren zu können.
Diese Arbeitsplätze brauchen die Menschen wieder.
Sind aber jetzt in China,Polen,Tschechien..nur hier
nicht mehr.



Account gelöscht!

26.06.2013, 19:33 Uhr

@Tabu

Diese Arbeitsplätze brauchen die Menschen wieder.
Sind aber jetzt in China,Polen,Tschechien..nur hier
nicht mehr.

Um auf dieses Lohnniveau zu kommen, müssen Sie sich noch ein wenig gedulden. Aber wir sind aud einem guten Weg.

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Wenn also die Studiengebühren das große Hinderniss sind, dann müssten die Länder ohne Studiengebühren erheblich besser dastehen.
Wäre mal interessant.

Schönen Abend noch.

Pit

27.06.2013, 08:26 Uhr

Zuerst einmal sollte man wissen wie die statistischen Daten erhoben und gewichtet worden sind. Was sind eigentlich Arbeiter? Sind Angestellte oder Beamte der unteren Besoldungsgruppen ebenfalls erfasst? Was ist mit Harzern - die arbeiten nicht. Was ist mit den vielen Scheinselbstständigen, die kaum über 1000€ kommen; was mit den Teilzeitkräften, den Aufstockern.... Werden Immigranten ohne deutschen Pass berücksichtigt?
Dann sollte mal geklärt werden ob die pauschal erfassten Arbeiterkinder überhaupt die intellektuellen, charakterlichen und IQ Fähigkeiten/Voraussetzungen zum Studium haben. In unserem Schulsystem wird von Bayern abgesehen allen Kindern der Weg zum Abi nicht versperrt. Selbst wenn es beim ersten mal nicht klappt gibt es jede Menge Möglichkeiten über Umwege Student zu werden. Es liegt nicht am System, dass sozial benachteiligte Kinder kaum noch studieren. Vielleicht wird ja in der Familie eine falsche bzw fürs Studium nicht adäquate Sozialisation vorgenommen. Außerdem gibt es ja auch noch den Faktor Vererbung. Die Wahrscheinlichkeit, dass 2 geistig unterbelichtete Menschen einen Einstein zeugen ist eher unwahrscheinlich. Und alle die es aus dieser Gruppe dennoch schaffen zu studieren haben ja dann ihre Kinder im Akademikerbereich. Mal abgesehen davon nimmt der Anteil der Arbeiter doch ständig ab und die der Akademiker zu. Wie wird das eigentlich berücksichtigt?

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