Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.10.2014

12:31 Uhr

Billiglöhne bereits in Bewegung

Gesetzlicher Mindestlohn wirkt schon vor der Einführung

Anfang 2015 kommt der gesetzliche Mindestlohn. Doch die neuen Regeln wirken bereits jetzt auf viele Tarifwerke. Vor allem der Billiglohn-Sektor hat seine Verträge bereits angepasst.

Eine Gebäudereinigerin einer deutschen Putzfirma wischt einen Fußboden. Der Mindestlohn hat bereits jetzt Bewegung in die Tarifwerke einzelner Billiglohn-Branchen gebracht. dpa

Eine Gebäudereinigerin einer deutschen Putzfirma wischt einen Fußboden. Der Mindestlohn hat bereits jetzt Bewegung in die Tarifwerke einzelner Billiglohn-Branchen gebracht.

WiesbadenDie Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum Jahresbeginn 2015 hat schon vor dem Start der neuen Regeln Bewegung in die Tarifwerke einzelner Billiglohn-Branchen gebracht. Nach einer am Freitag veröffentlichten Zusammenstellung des Statistischen Bundesamtes nutzten verschiedene Tarifpartner zwar die Möglichkeit, mit einem Tarifvertrag für eine Übergangszeit noch unter der Grenze von 8,50 Euro Stundenlohn zu bleiben. Spätestens nach zwei Jahren muss dann aber die unterste Lohnstufe diese Grenze erreicht haben.

So erhalten etwa die lange Jahre tariflosen Fleischer im Oktober 2015 einen Branchen-Mindestlohn von 8,60 Euro. Wäscherei-Mitarbeiter müssen bis zum Juli 2016 auf einen Stundenlohn von 8,75 Euro warten. Ähnliche Regelungen wurden für das Friseurhandwerk sowie für Zeitarbeiter und Gebäudereiniger in Ostdeutschland erzielt, die bislang noch unter 8,50 Euro Stundenlohn liegen.

Einkommensarmut in Deutschland

Erläuterung

Relative Einkommensarmutsquote nationaler Schwellenwert: Anteil der Personen mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des deutschen Medianeinkommens.

Baden Württemberg

Relative Einkommensarmut: 11,3 Prozent

Bayern

Relative Einkommensarmut: 11,4 Prozent

Hessen

Relative Einkommensarmut: 13,4 Prozent

Schleswig-Holstein

Relative Einkommensarmut: 13,9 Prozent

Rheinland-Pfalz

Relative Einkommensarmut: 14,7 Prozent

Hamburg

Relative Einkommensarmut: 14,9 Prozent

Saarland

Relative Einkommensarmut: 15,8 Prozent

Niedersachsen

Relative Einkommensarmut: 16,0 Prozent

Nordrhein-Westfalen

Relative Einkommensarmut: 16,6 Prozent

Thüringen

Relative Einkommensarmut: 17,1 Prozent

Brandenburg

Relative Einkommensarmut: 18;4 Prozent

Sachsen

Relative Einkommensarmut: 19,2 Prozent

Sachsen-Anhalt

Relative Einkommensarmut: 20,9 Prozent

Berlin

Relative Einkommensarmut: 21,2 Prozent

Mecklenburg-Vorpommern

Relative Einkommensarmut: 22,9 Prozent

Bremen

Relative Einkommensarmut: 23,0 Prozent

Deutschland

Relative Einkommensarmut: 15,3 Prozent

Westdeutschland

Relative Einkommensarmut: 14,1 Prozent

Ostdeutschland

Relative Einkommensarmut: 19,9 Prozent

Gescheitert sind hingegen bundesweite Verhandlungen über einen stufenweise ansteigenden Mindestlohn für angestellte Taxifahrer. Diese müssen nun ab Jahresbeginn den gesetzlichen Mindestlohn ausgezahlt bekommen.

Die übrigen Tarifbeschäftigten haben bei Neuabschlüssen in diesem Jahr Einkommenszuwächse von drei Prozent und mehr erreicht. Unter anderem gilt das für das Druckgewerbe (3,0 Prozent ab Mai 2014), die Chemie-Industrie (3,7 Prozent mit regionalen Unterschieden) sowie den öffentlichen Dienst des Bundes und der Kommunen (3,0 Prozent ab März 2014). Allgemein beobachteten die Statistiker einen Trend zu länger laufenden Verträgen, die auch in das kommende Jahr hineinreichen und dann weitere Erhöhungen bringen.

Die einzelnen Abschlüsse sind allerdings nicht miteinander vergleichbar, weil sie nicht auf die faktische Erhöhung im Kalenderjahr umgerechnet sind. Auch die Wirkung der unterschiedlichen Laufzeiten wurde nicht berechnet.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×