Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.03.2011

13:08 Uhr

Biosprit-Chaos

Röttgen schürt den Zorn der Autofahrer

VonDietmar Neuerer

Dass der Biosprit E10 kommt, war lange bekannt. Dass er Motoren gefährdet und Tanken teurer macht, auch. Nur Minister Röttgen will das nicht wahrhaben. Das könnte nach hinten losgehen. Ein Kommentar von Dietmar Neuerer

Dietmar Neuerer, Handelsblatt-Redakteur für Wirtschaft und Politik Quelle: Pablo Castagnola

Dietmar Neuerer, Handelsblatt-Redakteur für Wirtschaft und Politik

Langsam, aber sicher sollte auch die deutsche Politik merken, dass sich ohne das Volk kein Staat machen lässt. Der Bürger lehnt das neue Bio-Benzin E10 mit bis zu zehn Prozent Bioethanol-Anteil ab und tankt es nicht. Und er hat gute Gründe dafür: Immerhin sind in Deutschland noch Tausende alte Autos unterwegs, deren Motoren den neuen Kraftstoff nicht vertragen. Selbst bei neueren Motoren ist die Gefahr von Schäden nicht vom Tisch.

Dass diese Erkenntnis aber erst jetzt die Politik erreicht und sogleich den Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle dazu veranlasst, einen „Benzingipfel“ einzuberufen, ist nachgerade eine große Frechheit. Denn dass E10 nicht das ist, was uns die Politik weismachen will, kursiert schon seit Monaten. Doch so kurz vor Einführung des Sprits Anfang dieses Jahres wollte sich eben kein Bundesminister (zuständig fühlen sich für das Thema vier Minister!) damit noch die Finger verbrennen. Am Ende hätte die Politik womöglich einsehen müssen, dass sie sich mit ihrem E10-Wahn verrannt hat.

Denn Fakt ist, dass es keine Vorschrift der Europäischen Union gibt, wonach in Treibstoffen zehn Prozent Ethanol oder Biodiesel enthalten sein müssen. Die einzelnen Mitgliedstaaten können selbst entscheiden, wie hoch der Bio-Anteil sein soll. Deutschland hat sich per Gesetz für den verdoppelten Ethanolanteil entschieden und damit in Kauf genommen, dass Millionen von Autos ausgebremst werden können. Doch schuld sein will selbst Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nicht an dem Biosprit-Chaos. Im Gegenteil.

Röttgen behauptet vollmundig, dass fast alle Autos das neue Benzin vertragen würden und dass die Nutzung von Biokraftstoffen die richtige Strategie sei. Warum? Weil alles im Sinne der deutschen Autofahrer und der Umwelt sei. Und im Übrigen bestehe ja auch kein Zwang, sondern die Möglichkeit, E 10 an den Tankstellen anzubieten und der Verbraucher könne selbst entscheiden, ob er davon Gebrauch macht oder nicht.

Dass die Bürger schon längst ihre Entscheidung getroffen haben, will Röttgen nicht sehen: E10 ist bereits gescheitert. Und das trifft letztlich auch Röttgen. Zumal er das tut, was Politiker immer tun, wenn ihre Projekte zu wackeln beginnen: sie setzen auf Beharrlichkeit statt auf Vernunft. Er liefert sich damit sehendes Auges dem Zorn der Wähler aus: Wer sich im Autoland Deutschland mit Autofahrern anlegt, hat schon verloren. Und Autofahrer sind ganz besonders nachtragend.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Spruance

07.03.2011, 14:52 Uhr

Vielleicht wäre es gescheiter, Röttgen & Co. würden sich auf die Grundlagen ihrer Politik konzentrieren und endlich zur Kenntnis nehmen, daß es seit einem Jahrzehnt keine Erderwärmung mehr gibt und daß es langsam Zeit wird, den gesamten CO2-Krampf in die Tonne zu treten!

AlternativlosBastaNo

07.03.2011, 15:42 Uhr

Für wie doof halten Sie eigentlich uns Autofahrer?
wir sind bestens informiert über den Lebensmittelzusatz!
1. Mehrverbrauch von ~ 3 % gegenüber SUPER PLUS, Preis-
Differenz damit minimal aber sicherer
2. Risiko für alle Motoren >BMW - Aussage
Wasseranteil im Öl kann steigen >Schmierung!
3. Umwelt ja aber nicht auf Kosten Lebensmittelknappheit
in Entwicklungsländern
4. Wir sind gegen die "alternativlose Bastapolitik"
5. Vertrauen? Keins mehr!

Folge: Deshalb tanken wir Super PLUS und in der Schweiz
den biofreien Sprit.

Paul

07.03.2011, 15:50 Uhr

Immer wenn die Bürger eine gesetzliche Massnahme ablehnen, dass heißt es, da bestünde noch Informationsbedarf. Die Idee, eine politische Massnahme könnte beim informierten Bürger auf Ablehnung stossen, ist wohl zu abwegig. Mein Wagen ist E10-tauglich. Trotzdem werde ich dem Wagen und der Umwelt diesen Irrsinn ersparen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×