Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2010

07:10 Uhr

BIP-Einbruch

Harscher Winter bringt Konjunktur ins Schlingern

Nach Schnee und Sturm am Wochenende hat sich die Lage in Nordostdeutschland entspannt. In der besonders schwer betroffenen Region Ostvorpommern wurde der Katastrophenfall nach mehr als 15 Stunden wieder aufgehoben. Im Bahnverkehr gibt es aber weiterhin Störungen. Und auch der deutschen Wirtschaft könnte der anhaltend harte Winter einen Rückschlag bescheren.

HB BERLIN. Schnee, Frost und Eis bringen die deutsche Konjunkturerholung vorübergehend ins Schlingern. Nach Berechnungen des DIHK könnten der Wirtschaft durch das kalte Wetter etwa zwei Mrd. Euro verloren gehen. „Der strenge Winter kann uns im ersten Quartal etwa 0,4 Prozentpunkte Wachstum kosten“, sagt der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Montag zu Reuters TV. Ursache dafür sind vor allem die Ausfälle in der Bauwirtschaft: Dort liegen fast alle Projekte auf Eis.

„Wir haben im Moment Stillstand“, sagte der Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann. „Es kann wegen Frost und Schnee kaum gearbeitet werden.“ Das schlägt auch auf andere Branchen durch - von den Baustofflieferanten über Handwerker und Baumärkte bis hin zum Transportgewerbe. Weil auf die Baubranche annähernd zehn Prozent der gesamten Wertschöpfung entfallen, hat eine längere Flaute Folgen für das Bruttoinlandsprodukt. Dauere der Frost den ganzen Januar an, dürfte die Wirtschaft nur um 0,1 statt der eigentlich erwarteten 0,5 Prozent wachsen, sagte DIHK-Chefvolkswirt Treier.

Allerdings kann der Verlust zu einem großen Teil wieder wettgemacht werden. „Der Aufholprozess im Frühjahr wird umso stärker ausfallen“, sagte der Konjunkturexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), Thorsten Schmidt. Auch die Bauindustrie geht davon aus, dass bei besserem Wetter die liegengebliebene Arbeit rasch wieder aufgeholt werden kann. „Die Lage sollte deshalb nicht dramatisiert werden“, sagte HDB-Sprecher Stiepelmann. „Auch im Winter 2009 haben fast 60 Prozent der Baufirmen über Beeinträchtigungen geklagt.“

Erleichtert wird der Aufholprozess durch die vergleichsweise geringe Auslastung der Baufirmen. Im Dezember lag die Geräteauslastung - von Baggern über Kräne bis hin zu Radladern - nur bei etwa 70 Prozent. „Die Firmen könnten im Frühjahr wieder draufpacken“, sagte Stiepelmann.

Der kalte Winter kennt aber auch Gewinner. Viele Einzelhändler machen dank Tief „Daisy“ gute Geschäfte. „Gefragt ist derzeit alles, was wärmt und Spaß im Schnee macht“, sagte die Sprecherin des Branchenverbandes HDE, Ulrike Hörchens. Der Bekleidungshandel verzeichne wegen des kalten Wetters eine hohe Nachfrage nach Wintersachen. Beliebt bei den Kunden seien angesichts des vielen Schnees aber auch Wintersportgeräte wie Schlitten und Skier. Nur vereinzelt sei es bislang zu Lieferproblemen gekommen - vor allem in ländlichen Gebieten im Norden. „Insgesamt ist dieser schneereiche, kalte Winter für unser Geschäft neutral bis positiv“, sagte Hörchens.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×