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19.08.2012

19:19 Uhr

Bitte Lächeln!

Merkel hautnah im Kanzleramt

Einmal die Bundeskanzlerin persönlich treffen - dafür verzichteten tausende Menschen am Sonntag auf ihr Sonnenbad. Stattdessen ging es in die Schaltzentrale der Macht. Dort gaben sich auch einige Minister die Ehre.

Bitte Lächeln: Kanzlerin Angela Merkel gab unzählige Autogramme. dapd

Bitte Lächeln: Kanzlerin Angela Merkel gab unzählige Autogramme.

BerlinZum Glück ist das Kanzleramt klimatisiert, sonst hätte es wohl den ein oder anderen Kreislaufkollaps gegeben. Am Sonntag, dem vermutlich heißesten Tag des Jahres, empfing Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bevölkerung in ihrem Berliner Amtssitz. Tausende Bürger nahmen beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung die Chance wahr, einen Blick in die Schaltzentrale der Macht zu werfen. Dank Klimaanlage war es dort angenehm kühl. Viele fächerten sich dennoch mit Programmheften Frischluft zu.

Zunächst hatte Merkel ihr Volk am Sonntag in der Sonne ausharren lassen. Um eine halbe Stunde verspätet erschien sie im Ehrenhof des Kanzleramts. Während das Bundeswehr-Orchester einen preußischen Marsch schmetterte, bahnte sich die Regierungschefin einen Weg zur Bühne: „Ich begrüße Sie ganz herzlich im Kanzleramt“, rief sie den schwitzenden Gästen zu. Wie schön, dass so viele ihrer Einladung gefolgt seien - statt ins Freibad zu gehen. Nun wolle sie „möglichst viele Kontakte“ knüpfen, sagte Merkel und führte den Menschenschwarm ins Innere ihrer Regierungszentrale aus Glas und Beton.

Bei einigen tausend Autogrammjägern gestaltete sich das Kennenlernen dann schwierig. Der Tross aus Regierungschefin, Bodyguards und Helfern musste sich mühsam einen Weg durch die Menge bahnen. Für längere Gespräche mit Deutschlands mächtigster und beliebtester Politikerin war da kaum Zeit. Aber die meisten schien das nicht zu stören. Wer sein Autogramm oder Foto bekommen hatte, verzog sich mit einem zufriedenen Lächeln in die zweite Reihe.

Kritische Fragen zu Inhalten der Politik gab es aus der Menge nicht, sondern nur ein kollektives Raunen und Staunen. „Fehlt nur noch die Sänfte, auf der man sie durch die Menge trägt“, bemerkte ein aufmüpfiger Gast. Dann kam Merkel im Kanzlergarten an und zeigte ihren blauen Regierungshubschrauber.

Neben der Chefin gaben sich beim Tag der offenen Tür auch einige Minister die Ehre. Für den Höhepunkt sorgte Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die Kindern ihr Büro zeigte. „Das ist mein Schreibtisch“, erklärte sie. „Und wer will sich einmal auf meinen Stuhl setzen?“ Die kleinen Gäste erfuhren auch, dass nebenan ein Wickeltisch steht, an dem Schröder ihrer einjährigen Tochter frische Windeln anlegen kann.

Ernster wurde es bei Wolfgang Schäuble. Der CDU-Finanzminister versuchte im Innenhof seines Amtssitzes, den Bürgern die Euro-Krise zu erklären. Die Sonne schien so gnadenlos herab wie sonst nur auf Kreta oder Sizilien, deshalb waren die wenigen Bänke im Schatten die begehrtesten Plätze. Schäuble warnte vor Überheblichkeit: „Auch wir bescheißen gelegentlich, auch wir verstoßen gegen Regeln.“ Dann kam die griechische Sängerin Nana Mouskouri auf die Bühne und sang mit ihrem Schlager „Weiße Rosen aus Athen“ gegen die Krise an. Das Publikum schunkelte in europäischer Freundschaft mit.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Tabu

19.08.2012, 20:11 Uhr

Kritische Fragen zu Inhalten der Politik gab es aus der Menge nicht.Tausende Autogrammjäger schunkelten bei
Nana Mouskouri.

Auweia..Das Musikantenstadl ludt zum treudoofdeutschem
Beklopptentreffen und tausende kamen..
Diese tumbe Massengefolgschaft von Schunklern und Fähnchenschwingern,stirbt wohl nie aus.
Der Schoß ist fruchtbar noch,aus dem die Blödheit kroch.











Account gelöscht!

19.08.2012, 23:12 Uhr

Tja, Tabu, kritische Fragen werden immer abgewiegelt. Auch auf der Seite: Fragen sie die Kanzlerin wird ganz gezielt gesiebt, zu kritische Fragen werden einfach nicht zugelassen.

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