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11.04.2014

14:51 Uhr

„Bitterer Beigeschmack“

Ehrendoktor für Schavan bringt SPD in Rage

VonDietmar Neuerer

Annette Schavan hat ihren Doktortitel wegen Täuschung verloren – und erhält nun den Ehrendoktor. Dieser Titel wird normalerweise aber nur für wissenschaftliche Leistungen vergeben. Der Vorgang sorgt deshalb für Empörung.

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bekommt heute von der Uni Lübeck den Ehrendoktortitel verliehen. dpa

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bekommt heute von der Uni Lübeck den Ehrendoktortitel verliehen.

BerlinDrei Wochen, nachdem Richter den Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf wegen Plagiaten und Täuschung bestätigt haben, bekommt Ex-Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) an diesem Freitag von der Universität zu Lübeck den Ehrendoktor verliehen. Der Vorgang widerspricht dem, was die Hochschulrektorenkonferenz als unverbindliche Richtlinie vorgibt – nachzulesen in den „Empfehlungen zur Verhinderung von Unregelmäßigkeiten bei Erwerb und Verleihung akademischer Titel“.

Dort heißt es: „Der Grad des Dr. h.c. wird aufgrund wissenschaftlicher Leistungen verliehen.“ Die HRK-Empfehlung stammt von 1994, ist aber nach wie gültig, wie ein Sprecher Handelsblatt Online sagte. Allerdings sind die Vorgaben nicht bindend für die Hochschulen, was dazu führt, dass mit dem Ehrendoktor immer häufiger alles andere als streng „wissenschaftliche Leistungen“ gewürdigt werden.

Im Fall von Schavan begründet die Universität den Ehrendoktor mit allgemeinen Verdiensten der CDU-Politikerin für die medizinische Wissenschaft, aber ausdrücklich auch mit deren Einsatz für die Universität. Als Bundesbildungsministerin hatte Schavan die Uni Lübeck vor existenzbedrohenden Sparplänen der Landesregierung bewahrt. Im Januar 2012 beschloss der Uni-Senat dann, ihr unter anderem dafür den Ehrendoktor zu verleihen.

Universitätspräsident Peter Dominiak wollte Schavan die Auszeichnung am Abend beim traditionellen Jahresempfang der Hochschule überreichen. Die Entscheidung ist nicht nur unter Studentenvertretern umstritten.

In der SPD stößt die akademische Würdigung derweil auf scharfe Kritik. Für den Landes- und Fraktionsvorsitzenden der SPD Schleswig-Holstein und stellvertretenden Vorsitzende der Bundes-SPD, Ralf Stegner, hat der Vorgang einen „bitteren Beigeschmack“. Im Jahr 2010 habe die damalige schwarz-gelbe Landesregierung mit ihren Plänen zur Abwicklung des Medizinstudiums in Lübeck massive Proteste im ganzen Land ausgelöst, erläuterte Stegner. Mit ihrer Intervention habe Schavan also „nichts anderes versucht, als der Union in Schleswig-Holstein aus der Patsche zu helfen“. Das sei „gründlich schief gegangen“, sagte Stegner und fügte hinzu: „Mit Ehre hat das alles ganz gewiss nichts zu tun.“

Der Medienwissenschaftler an der Universität Koblenz-Landau, Sascha Michel, wies die Kritik auf Twitter zurück:

Kommentare (21)

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11.04.2014, 14:57 Uhr

Schavan ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten. Merkt diese Person das nicht selber?

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11.04.2014, 15:03 Uhr

Augenscheinlich bekommt man heutzutage schon der Dr.h.c. für ordnungsgemäßes Arbeiten in seinem Job; wie weit ist der Bildungsstandort Deutschland gesunken, wenn Universitäten abgehalfterten Politikern, die ohne Dr. nicht leben können, zum Abgang diesen Titel verleihen.

Account gelöscht!

11.04.2014, 15:06 Uhr

Oh Gott, diese Frau ist so arm dran..!
Hat die keinen Stolz, keine Würde?

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