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27.07.2016

14:34 Uhr

BKA-Bericht zu Cyberkriminalität

Darknet – Marktplatz für reaktivierte Waffen

VonAndreas Dörnfelder

Alte Pistolen, die nicht mehr schießen, sind in Deutschland frei verkäuflich. Doch Kriminelle machen solche Waffen wieder scharf – und dealen damit im Darknet. Wie groß der daraus entstehende Schaden ist, ist unklar.

Fünf Tage nach dem Amoklauf in München bestücken Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden eine Glasvitrine. Insgesamt acht Waffen-Modelle stellt die Bundesbehörde aus. Sie stehen beispielhaft für einen beängstigenden Trend, den das BKA wie folgt beschreibt: „In Deutschland und Europa hat der illegale Umbau von im Ausland hergestellten so genannten Dekorations- und Salutwaffen zugenommen.“

Ausstellung

Fünf Tage nach dem Amoklauf in München bestücken Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden eine Glasvitrine. Insgesamt acht Waffen-Modelle stellt die Bundesbehörde aus. Sie stehen beispielhaft für einen beängstigenden Trend, den das BKA wie folgt beschreibt: „In Deutschland und Europa hat der illegale Umbau von im Ausland hergestellten so genannten Dekorations- und Salutwaffen zugenommen.“

WiesbadenDie Ausstellung kann einem Angst machen: Ein Gewehr Wieger KmS 72, Kaliber 7,62 Millimeter, besser bekannt als „AK 47“. Eine Ceska VZ 58 Maschinenpistole aus der ehemaligen CSSR. Und schließlich eine Glock 17 Pistole. Jene Waffe, die der Amokläufer Ali David S. verwendet haben soll, der am vergangenen Freitag im und um das Münchener Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und schließlich sich selbst erschoss.

Fünf Tage danach bestücken Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden eine Glasvitrine. Insgesamt acht Waffen-Modelle stellt die Bundesbehörde bei der Vorlage seines Bundeslagebilds Cybercrime 2015 aus. Sie stehen beispielhaft für einen beängstigenden Trend, den das BKA wie folgt beschreibt: „In Deutschland und Europa hat der illegale Umbau von im Ausland hergestellten so genannten Dekorations-, und Salutwaffen zugenommen.“

Aktuelle Zahlen nennen die Ermittler nicht. Sie kennen offenbar keine. Zwar kümmern sich rund 140 BKA-Leute schwerpunktmäßig um organisierte Kriminalität im Internet. Doch wenn man Beamte nach konkreten Erkenntnissen zum Waffen-Markt im Darknet fragt, reagieren sie schmallippig. „Die Täter agieren im Verborgenen, deshalb gibt es so wenig Erkenntnisse“, sagt ein hochrangiger Kriminalist. Auf die Frage nach der Bedrohungslage für die Bevölkerung sagt er: „Von jeder Waffe geht eine Bedrohung aus. Der Münchener Amokläufer hatte 300 Patronen dabei. Das sind 300 potenzielle Opfer. Es ist aber nicht so, dass jeder zweite Bürger mit einer Waffe herumläuft.“

Das BKA ist seit Ende 2013 im Darknet unterwegs. Derzeit führt es mehr als 80 Verfahren wegen möglichen Waffen- und Sprengstoffhandels im Darknet. BKA-Präsident Holger Münch nannte am Mittwoch in Wiesbaden die Zahl von 85 Verdächtigen, gegen die ermittelt werde.

Das plant die Politik gegen den Terror

Was kann man gegen illegalen Waffenhandel tun?

Der Amokläufer von München besorgte sich seine Pistole vom Typ Glock 17 im Darknet, einem abgeschotteten Bereich des Internets. Es gibt Forderungen nach zusätzlichen Fahndungsmöglichkeiten der Behörden, um den Waffenhandel dort zu verhindern Außerdem ist gerade eine neue EU-Richtlinie in Arbeit.
Prognose: Die Fahndung im Internet nach Waffenhändlern wird ausgeweitet, aber kein Gesetz geändert.

Werden Computerspiele verboten?

Schon die Amokschützen von Erfurt, Winnenden und Emsdetten waren Fans von Computerspielen, die Gewaltakte simulieren. Jetzt trifft das auch für den Täter von München zu. Bundesinnenminister Thomas De Maizière würde sich des Themas gerne annehmen. Am Wochenende sprach er von einem „unerträglichen Ausmaß“ von Gewaltverherrlichung im Internet. Verbote hält er nicht für sinnvoll, wünscht sich aber eine gesellschaftliche Debatte.
Prognose: Konkrete Änderungen wird es nicht geben.

Muss die Bundeswehr im Inneren eingesetzt werden?

Im aktuellen Weißbuch zur Sicherheitspolitik haben sich die Koalitionspartner auf den Kompromiss verständigt, dass die Bundeswehr bei größeren Anschlägen auch ohne Grundgesetzänderung eingesetzt werden kann.
Prognose: Der Streit geht weiter, eine Klarstellung im Grundgesetz wird es aber mit Sicherheit nicht geben. Im Fall eines großen Terroranschlags in Deutschland ist ein Hilfseinsatz der Bundeswehr trotzdem wahrscheinlich.


Brauchen wir mehr Videoüberwachung?

Diese Forderung wurde bereits nach der Axt-Attacke von Würzburg erhoben. Die Befürworter erhoffen sich eine Abschreckung von Straftätern und eine leichtere Aufklärung. Kritiker fürchten den Überwachungsstaat.
Prognose: Eine Ausweitung der Videoüberwachung ist gut möglich.

Brauchen wir mehr Polizei?

In München waren 2300 Sicherheitskräfte aus ganz Deutschland im Einsatz - allen voran Spezialkräfte des Bundes und der Länder. Die Operation stieß auf viel Lob. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Leistung der Sicherheitskräfte „großartig“. Eine Stärkung der Polizei hält nicht nur die Union für sinnvoll. Die SPD hat sich für 3.000 zusätzliche Bundespolizisten ausgesprochen.
Prognose: Die Polizei kann mit Verstärkung rechnen.

Alte Pistolen und Gewehre, die nicht mehr schießen, können in Deutschland wie in vielen anderen Mitgliedstaaten der EU erlaubnisfrei erworben werden. Doch Kriminelle mit entsprechenden Kenntnissen und Hilfsmitteln machen sie wieder scharf. Die so illegal reaktivierten Schusswaffen gelangen nach Erkenntnissen des BKA unter anderem über den Handel im so genannten Darknet ins kriminelle Milieu.

Als Darknet oder Dark Web gilt ein Teil des Internets, der vom normalen Nutzer abgeschirmt im Dunklen liegt. Zugang erhält nur, wer die richtige Software nutzt, um eines der Netzwerke unter der Oberfläche zu betreten. Die Anonymität nutzen politische Dissidenten in totalitären Regimen, um sicher und unerkannt zu kommunizieren oder Zensur zu umgehen. Doch daneben tummeln sich eben auch Kriminelle wie Drogendealer und Waffenhändler.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

27.07.2016, 13:24 Uhr

Herr Tom Schmidt

27.07.2016, 13:38 Uhr

Wieviele sind es denn nun? Ok, nicht jeder 2., heisst das jeder 10.? Das wäre bedenklich genug... und vor alle, wie kriegen wir die illegalen Waffen unter Kontrolle? Da könnte man ja schon mal was machen...

Novi Prinz

27.07.2016, 13:38 Uhr

Wenn ich das rictig vestehe , berät einen das BKA in Waffentechnik , wenn man sich sowas beschaffen will ?

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