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24.09.2014

17:53 Uhr

BKA-Chef Ziercke

„Hohe abstrakte Gefahr“ durch Islamisten in Deutschland

Der Kampf gegen die Miliz Islamischer Staat gefährdet laut BKA-Chef Jörg Ziercke auch die Sicherheit in Deutschland. Das Pentagon warnt davor, dass besonders die neue Gruppierung Khorasan Anschläge in Europa und den USA.

BKA-Präsident Jörg Ziercke soll im Dezember durch den bisherigen Bremer Innen-Staatsrat Holger Münch abgelöst werden. dapd

BKA-Präsident Jörg Ziercke soll im Dezember durch den bisherigen Bremer Innen-Staatsrat Holger Münch abgelöst werden.

BerlinDer scheidende BKA-Präsident Jörg Ziercke sieht durch Islamisten in Deutschland zwar eine „hohe abstrakte Gefahr“, aber kein konkretes Anschlagsrisiko. Bislang hätten die Sicherheitsbehörden „die Szene ganz gut im Griff", sagte Ziercke am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin. Dazu trügen auch Geheimdienstinformationen aus den USA bei.

Auch durch die neuen Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten in Syrien habe sich die Lage hierzulande nicht verschärft, sagte Ziercke. „Ich sehe das im Grunde nicht so, weil die Drohkulisse, die durch Islamisten und Dschihadisten aufgebaut wurde, seit langem besteht.“ Es sei allerdings möglich, dass die Luftangriffe von ihnen zusätzlich als Begründung für Anschläge auch in Deutschland herangezogen würden.

Gefahren gehen laut Ziercke besonders von islamistischen Rückkehrern aus den Kampfgebieten in Syrien und Irak aus. Die IS-Miliz hat in Teilen des Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen und mit Anschlägen, gezielten Tötungen und Enthauptungen ein Terrorregime errichtet. Aus Deutschland sind nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes mehr als 400 Personen nach Syrien ausgereist, um am Dschihad teilzunehmen. Es besteht die Gefahr, dass diese radikalisiert zurückkehrten.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Dies seien „teilweise kampferfahrene Leute, die ohne Illusionen zurückgekehrt sind, traumatisiert sind, die rational möglicherweise handeln oder im Auftrag unterwegs sind“, so Ziercke. In Deutschland gebe es deswegen derzeit etwa 500 Ermittlungsverfahren bei rund 650 Beschuldigten. Dies sei „eine sehr hohe Zahl“.

Am Dienstag wurden bei einer bundesweiten Razzia die Wohnungen von sieben Salafisten sowie eine Moschee und der Sitz der islamischen Gemeinde in Nürnberg durchsucht. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, die IS-Miliz von Deutschland aus unterstützt zu haben. Ziercke soll im Dezember durch den bisherigen Bremer Innen-Staatsrat Holger Münch abgelöst werden.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ist alarmiert. Vor der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages warnte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt vor ungehemmter weiterer Anwerbung von jungen Menschen für Kampfeinsätze in Syrien. „In vielen Polizeibehörden leisten Polizisten wichtige Integrationsarbeit und Früherkennung von Radikalisierungserscheinungen, aber sie sind einfach zu wenig“, sagte Wendt.

Niemand dürfe sich der Illusion hingeben, diese Polizisten könnten überall dort präsent sein, wo Islamisten reiche Beute machen können: In Migrantengettos und Moscheen, Justizvollzugsanstalten, Jugendzentren und nicht zuletzt in den vielen Flüchtlings- und Asylbewerberunterkünften.

Kommentare (6)

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real. ist

24.09.2014, 12:05 Uhr

Der BKA Chef warnt.


Wo ist denn Frau Merkel, oder der Herr Bundespräsident, die eigentlich warnen und die Bevölkerung informieren sollten?

Die verkriechen sich, wenn's ungemütlich wird und quasseln lieber von Alternativlos und Willkommenskultur.

Realitätsverweigerer. Überhaupt kein Gespür für das Volk, für die Lage der Nation.



Herr Günther Schemutat

24.09.2014, 12:45 Uhr

Lieber Herr Zierke ,nach der Edathy Kömödie die sie schon nach einem Jahr brilliant aufgeklärt haben mit Hilfe eines Dorfsheriff, haben sie mein vollstes Vertrauen. Sollten die Terroristen sich aber auf pädophile Kanäle unterhalten , befürchte ich aber, dass nicht immer ein Dorf- Sheriff in der Nähe ist.

Nach BKA ,LKA;s,BND, Verfassungsschutz,Bundespolizei etc in einer Grössenordnung mit der man ganz Afrika versorgen könnte,
scheint die Eigenversorgung der Führung an erster Stelle zu stehen.

Ohne Hilfe der Amerikaner wäre Deutschland also nicht in der Lage sich zu schützen. Das ist schon allein traurig und meine
Grüsse gehen an den Einheitsbrei der unfassbar in voller Verantwortung und wollen , diesen Staat voll instabil gemacht haben. Nur allein das Deutsche Politiker Deutschland als Ruheraum indirekt für Terroristen anbieten wie die Türkei , ist noch nichts großes passiert.

Frau Margrit Steer

24.09.2014, 13:14 Uhr

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