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08.07.2012

18:23 Uhr

BKA und Bundespolizei

Wichtige Daten versehentlich gelöscht

Knapp acht Wochen lang schickten BKA-Computer digitale Beweismittel nicht in ein Online-Archiv, sondern ins binäre Nichts. Schuld war ein Softwarefehler. Das BKA sagt, es wären nur „Mosaiksteinchen“ gelöscht worden.

Knapp acht Wochen schickten BKA-Server wichtige Daten nicht in ein Online-Archiv, sondern in den Papierkorb. ap

Knapp acht Wochen schickten BKA-Server wichtige Daten nicht in ein Online-Archiv, sondern in den Papierkorb.

BerlinDurch eine Software-Panne sind beim Bundeskriminalamt (BKA) und bei der Bundespolizei über Monate Beweismittel in Ermittlungsverfahren gelöscht worden. Betroffen sind Daten aus der sogenannten Telekommunikationsüberwachung (TKÜ), wie sie in Ermittlungen gegen Schwerkriminelle und Terroristen gesammelt werden.

Das BKA bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild am Sonntag“. Gelöscht wurden nach Angaben der Zeitung Daten von abgehörten Telefongesprächen, mitgelesenen E-Mails, Kurzmitteilungen (SMS) und Telefaxen sowie der Lokalisierung von Mobiltelefonen (Funkzellenabfrage).

Das BKA erklärte, es seien zwar Daten, aber keine Informationen verloren gegangen, weil die Überwachungsdaten vor der versehentlichen Löschung bereits ausgewertet und „aktenkundig gemacht worden“ seien. Vor Gericht stünden die Auswertungsbeamten als Zeugen zur Verfügung. Es seien jeweils auch nur einzelne „Mosaiksteinchen“ betroffen und keine kompletten Ermittlungsunterlagen gelöscht worden, hieß es.

Die Behörde legte Wert auf die Feststellung, dass die Panne nicht die Ermittlungen gegen Mitglieder und Unterstützer des rechtsextremistischen Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) betreffe.

Das Hauptgebäude des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden. Hier soll es zur Datenpanne gekommen sein. dapd

Das Hauptgebäude des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden. Hier soll es zur Datenpanne gekommen sein.

Nach Angaben eines beauftragten Wartungsunternehmens habe der Softwarefehler dazu geführt, dass vom 14. Dezember 2011 bis zum 10. Februar 2012 am BKA-Standort Wiesbaden Daten aus TKÜ-Maßnahmen des BKA und der Bundespolizei automatisiert gelöscht wurden. Eigentlich hätten diese jeweils ältesten Datensätze jedoch aus einem Onlinespeicher in ein Langzeitarchiv ausgelagert werden sollen.

Das Bundespolizeipräsidium stellte für Montag eine ausführlichere Stellungnahme in Aussicht. „Das müssen wir ordentlich prüfen“, sagte der Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam, Gero von Vegesack.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Klingone

08.07.2012, 20:09 Uhr

wers glaubt...

Hat bestimmt eine backdoor-funktion die Software...ha ha. Mich würde der name der Firma interessieren, die diese Software erschaffen hat. Mehr muss Ich nicht wissen.

Grüssle

Valentin

08.07.2012, 20:11 Uhr

Ordentlich prüfen? Sehr gut.

gerhard

08.07.2012, 22:48 Uhr

Betroffen sind Daten aus der sogenannten Telekommunikationsüberwachung (TKÜ), wie sie in Ermittlungen gegen Schwerkriminelle und Terroristen gesammelt werden.(Zitat)
…wie sie in Ermittlungen gegen Schwerkriminelle und Terroristen gesammelt werden?
Wer stellt denn aber fest, wo diese sehr „fragwürdige“ Grenze nun liegt – und vielleicht auch schon mal „ganz normale“ Bürger dadurch überwacht wurden und werden. Es gab ja da schon heftige Diskussionen, die eine eindeutige Zustimmung einer juristischen Instanz voraussetzen müssen . Doch das Problem dabei ist, bevor diese Stelle angesprochen werden kann, müssen ja bereits Daten auch per TKÜ oder per Internet usw. schon rechtzeitig gesammelt werden. Dieser Verdacht einer Überwachung einer Art Stasi Bespitzelung bleibt also ein „finsterer“ Punkt in der Demokratie weiter bestehen.
Wer überwacht die Wächter (ein antikes Sprichwort übrigens)– heißt da das Problem! Diese Panne kann man somit auch anders deuten, man hat diese „vorjuristische Datensammlung“ nach einer gewissen Zeit einfach gelöscht- da diese nichts „hergab“? Doch der Verdacht besteht weiter , dass eine nicht justiziable Vorüberwachung bereits durchgezogen wurde und wird?

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